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Die Geschichte der
Türken
von
der Eroberung Kleinasiens bis zum Ende des Osmanischen Reiches
von Jörg Dendl |
Letztes Update:
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| Inhalt | |
|---|---|
| Die Eroberung Kleinasiens | 20.10.2004 |
| Das Reich der Osmanen | 20.10.2004 |
Die Ursprünge
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Die Eroberung Kleinasiens
Im Jahr 1055 eroberte der Seldschukenbeg Togrul
mit einem überraschenden Schlag Bagdad, besetzte Mesopotamien und
entmachtete den abbasidischen Kalifen. Von dieser Position aus betrieb
der seldschukische Herrscher die Angriffe auf das byzantinische Reich.
In Syrien vertrieb er die byzantinischen Besatzungen und verleibte auch
diese Länder in sein Reich ein.
Für die Völker Europas traten die Türken im Jahr 1076
in die Geschichte ein. In der Schlacht von Mantzikert wurde die byzantinische Armee
vernichtend geschlagen.Durch diese Niederlage brach die Macht der
Byzantiner in Anatolien weitgehend zusammen und die Seldschuken konnten
sich auf Dauer hier festsetzen. Der hilflose Kaiser von Byzanz sandte
einer verzweifelten Hilferuf an den Papst in Rom, der aber unghört
verhallte. Im Jahr 1077 eroberten die Seldschuken auch
Jerusalem. In diesen Jahren etablierten die Seldschuken einen Staat,
dem nahezu ganz Kleinasien untertan war. Durch diese Erfolge waren die
Pilgerwege zu den heiligen Stätten der Christen unsicher geworden.
Diese neue Situation rief nun doch die westeuropäischen Christen
auf den Plan. Auf dem Konzil von Piacenza trugen Boten des Kaisers
Alexios I. die Bitte um Hilfe gegen die Seldschuken erneut vor und
stiessen auf das Interesse von Papst Urban II. Er rief noch im gleichen
Jahr auf dem Konzil von Clermont zum Ersten Kreuzzug auf. Er drang in die anwesenden
Fürsten und Ritter, die Stätten des Wirkens Jesu im Heiligen
Land aus den Händen der Ungläbigen zu befreien.
Das Kreuzfahrerheer käpfte sich innerhalb von vier Jahren unter
grauenhaften Verlusten durch Anatolien und die kleinen muslimischen
Herrschaften Syriens, bis es ihm gelang am 15. Juli 1099 Jerusalem zu
erobern. Die Erfolge des Ersten Kreuzzugs erklären sich aber in
erster Linie dadurch, dass Uneinigkeit zwischen den einzelnen
seldschukischen Fürsten herrschte und sie sich noch immer mit den
Fatimiden in Kairo auseinandersetzen mussten. Allerdings blieben die
Erfolge der christlichen Ritter begrenzt, so dass duch die Bildung der
Kreuzfahrerstaaten keine nennenswerte Änderung in der
nahöstlichen Staatenwelt eintrat. Unter dem ajubidischen Sultan
Saladin endete die christliche Herrschaft in einem Grossteil dieser
Gebiete. Schliesslich wurde das Haus der Ajubiden von den Mamluken,
ehemaligen Sklaven der Leibwache des Sultans, abgelöst. Unter
ihrer Herrschaft gelang es, die Heere der Mongolen, die seit geraumer Zeit nach Westen
drängten, zum Stehen zu bringen. In den Jahren 1289 und 1291
erlagen auch die letzten Kreuzfahrerstädte Tripolis und Akkon den Mamluken, die
christliche Herrschaft im Nahen Osten endete.
Seit 1098 war das Gebiet der Rum-Seldschuken, wie sie sich nun nannten,
durch die Eroberungen der Kreuzfahrer stark eingeschränkt worden.
Alle Randgebiete Kleinasiens fielen wieder an Byzanz. In dieser Zeit
der Einschränkung entwickelte sich aber dieser Staat mit seiner
Hauptstadt Konya als Mittelpunkt zu hoher Blüte. Das
Türkische setzte sich auch unter der eingeborenen Bevölkerung
als Sprache durch. Diese Entwicklung endete zunächst, als der
Staat im Jahr 1243 in die Hände der monolischen Ilchane fiel.
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Das Reich der Osmanen
Im 13. Jahrhundert setzte sich gegen die Rum-Seldschuken
allmähliche das im Nordwesten Kleinasiens ansässige Haus der
Osmanen durch. Im Jahr 1300 machte sich der Begründer des
Hauses, Osman I. (1288-1326), zum Sultan und die Stadt Brussa
zu seiner Residenz. Die Osmanen bildeten aus ausgesuchten griechischen
und slawischen Knaben Truppen, die später als Janitscharen
berühmt werden sollten, und überschritten die Meerenge nach
Europa. Sultan Murad I. verlegte um 1370 seine Residenz
nach Adrianopel (Edirne) und begründete damit die
europäischen Besitzungen seiner Dynastie. Byzanz stand zu diesem
Zeitpunkt längst auf verlorenem Posten, nachdem alle
europäischen Besitzungen verloren waren. Im Jahr 1379
wurde Byzanz zum Vasallen der Osmanen, das oströmische Reich war
praktisch zerschlagen. Mit dem Sieg in der Schlacht auf dem Amselfeld
im Jahr 1389 sicherten sich die Osmanen der Besitz Serbiens,
Bulgarien wurde 1393 besetzt.
Im Jahr 1402 unterlagen die Osmanen dem Eroberer Timur, was
aber nur für kurze Zeit ihre Expansion aufhalten sollte. Der
osmanische Vorstoss nach Südwesteuropa hatte begonnen. Im Jahr 1430
wurde Thessaloniki (Saloniki) eingenommen, die ungarische Grenze 1438
erreicht. Weitere Vorstösse erfolgten an das Schwarze Meer (1444)
und nach Serbien (1448). Als sich im Jahr 1475 der Chan der
Krim, Mengli Girai I., dem Sultan unterstellte, gewannen die
Osmanen in den von ihm gestellten berittenen Truppen einen durch ihre
Beweglichkeit wertvollen Bestandteil für ihr Heer.
Konstantinopel hielt noch bis 1453 gegen die osmanische
Bedrohung Stand. Erst in diesem Jahr gelingt es Mehmed II.
(1451-1481) die Stadt am 29. Mai nach einer sechswöchigen
Belagerung einzunehmen. In den Gräueln der folgenden
Plünderungen gingen die letzten Reste der antiken Kultur zugrunde.
Die Hagia Sophia, die von Kaiser Justinian errichtete grösste
Kirche der Stadt, wurde zu einer Moschee und bis auf geringe Reste
aller ihrer Mosaike beraubt. Die eroberte Stadt machten die Osmanen zur
neuen Hauptstadt ihres Reiches gemacht. Noch bis 1502 dauerte
es, auch die alten Emirate Anatoliens unter osmanische Herrschaft zu
zwingen.
Unter Selim I. Javus kam es durch seine grausame
Unterdrückung der Schiiten zu grossen Veränderungen in der
Bevölkerung des Reiches. Viele Untertanen, die den Schiiten
zuneigten, verliessen das Reich und flohen in den Iran. Die sunnitische
Ausrichtung des Islam wurde im Osmanischen Reich nun zur
Staatsreligion. Durch seinen Sieg bei Tschadyr&aecute;n gewann
Selim I. im Jahr 1514 Täbris und weite Teile Aserbeidschans.
Dadurch, und weil er allen safawidischen (persischen) und schiitischen
Einmischungen in sein Reich ein Ende setzte, wird er zum eigentlichen
begründer des Osmanischen Reiches. In den Jahren 1516/1517 gelang
ihm auch die Einnahme Syriens und Ägyptens, wobei die noch nicht
mit Artillerie ausgerüsteten Mamluken schnell unterliegen. Das
Kalifat, das die Sultane schon seit 1460 für sich beanspruchten,
fiel ihnen endgültig im Jahr 1517 zu, als der letzte Kalif
von Kairo abgesetzt wurde. So erlangten die osmanischen Herrscher neben
dem Sultanat, dem höchsten weltlichen Amt der islamischen Welt,
auch das höchste geistliche Amt und die religiöse
Führerschaft im Islam. Der Kalif trug den Titel »amir al
muminim« - »Herr aller Gläbigen«.
In der folgenden Zeit dehnte sich das Osmanische Reich weiter aus und
gewann auch Mekka und Medina, den Jemen, das heutige Lybien, Tunesien
und Algerien. Nachdem auch Bagdad an die Osmanen fiel (1534),
erstreckte sich ihr Reich nahezu über die gesamte arabische Welt.
Mit Süleiman II., dem »Prächtigen«,
Sultan von 1520 bis 1566, erreichte das Osmanische Reich den Gipfel
seiner Macht. Nach den lang andauernden Eroberungen war das Reich nun
nach aussen gefestigt genug, um sich an seine innere Festigung zu
machen. Aber die Expansionsbestrebungen liessen nicht nach. Im Jahr 1529
kommt es zur ersten Belagerung von Wien. Die türkischen Flotten
beherrschen das Mittelmeer, bis im Jahr 1571 mit der Niederlage
in der Schlacht bei Lepanto eion Rückschlag eintrat. Noch immer
war das Reich im Wachsen begriffen. Ein Krieg gegen Persien brachte den
Osmanen in den Jahren von 1579 bis 1590 Landgewinne in Kaukasien.
An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert erwachte in dem Riesenreich
das Interesse an den Staaten Westeuropas. 1580 wurden erste
Beziehungen zu England, 1603/1612 die ersten Kontakte zu den
Niederlanden aufgenommen. Diese Beziehungen bauten im wesentlichen auf
dem Handel auf.
Das 17. Jahrhundert war gekennzeichnet von
Auflösungserscheinungen, die sich im Inneren wie im Ässeren
zeigten. Die Perser erstarkten und konnten den Osmanen Aserbeidschan (1603)
und Bagdad (1623) wieder entreissen. Im Inneren brachten
Aufstände in Anatolien und Syrien sowie der Kurden und die
Unterdrükung der zur politischen Macht gewordenen Janitscharen
Unruhe. Schliesslich kam es auch auf den europäischen
Kriegsschauplätzen zur Wende.
Von 1682 bis 1699 gelang es im »grossen
Koalitioinskrieg«, die osmanischen Armeen zu schlagen. So
scheiterte die zweite Belagerung Wiens im Jahr 1683. Die Heere
der vereinten Fürsten drängten die osmanischen Armeen nach
Ungarn zurück. Beschlossen wurde dieser gewaltige Krieg mit dem
Frieden von Karlowitz, wobei Mustafa II. Ungarn,
Siebenbürgen, Slawonien, Kroatien, Podolien, den Grossteil der
Peloponnes und Teile Dalmatiens verlor. Mit dem im Jahr 1718
geschlossenen Frieden von Passarowitz gingen weitere Gebiete verloren
und der Habsburger Monarchie gelang der weiteste Vorstoss gegen das
Osmanische Reich. In der Folgezeit bedrängten vor allem die Russen
das Reich, die beträchtliche Teile ihrem eigenen Territorium
einverleibten und die Vormacht am Schwarzen Meer erreichten. In den
Wirren des Zusammenbruchs der europäischen Besitzungen und einer
Abwendung von der Politik erlebte das Osmanische Reich die sogenannte
»Tulpenzeit«, das türkische Barock.
Der innertürkische Handel hatte vor allem unte dem
ausländichen Handel zu leiden. Westliche Kaufleute liessen sich
Handelsprivilegien zuerkennen und schädigten mit ihren billigen
Produkten das einheimische Gewerbe. Es existierten keine nennenswerten
Zollschranken, die dies hätten verhindern können. Auch die
Armee sank herab und konnte umso leichter von den Europäern
geschlagen werden. Süeiman II. trug zum weiteren Verlust
an Einfluss der Sultane auf die Politik selbst noch bei, indem er alle
Regierungsaufgabenm einem Großwesir übertrug. Dadurch musste
in den Untertanen die Ehrfurcht vor der Regierungsspitze verloren
gehen, denn von nun an trat ihnen nicht mehr der Sultan selbst
entgegen, sondern nur einer seiner Beamten. Die Verwaltung des Reiches
begann an Korruption und Günstlingswirtschaft zu kranken. Die
Verwaltung war geprägt von Ämterkauf und Steuerpacht. Die
Paschas der einzelnen Gebiete wechselten oft jährlich und mussten
den ihnen vorgesetzten Stellen oft nicht nur die Steuereinnahmen,
sondern dazu noch beträchtliche Geldgeschenke abliefern, um sich
zu halten. Unter diesen Umständen kam es zu einer schamlosen
Ausbeutung der verwalteten Gebiete, die Bauern verliessen ihre
Dörfer und suchten in den Städten oder als Räber ihr
Glück.
In der allgemeinen Anarchie des 17. Jahrhunderts gelang es en Drusen,
sich von der osmanischen Herrschaft zu lösen. Zwischen 1585
und 1635 beherrschten sie im Libanon und in Nordpalästina ein
eigenes Königreich. Auch einzelne Pascha-Gebiete konnten sich
relativer Ruhe und Unabhängigkeit erfreuen. So bildete sich um
Bagdad eine solche Insel der Stabilität und Sicherheit. Pascha
Hasan und sein Sohn Ahmed Pascha bauten das Gebiet auf, das dann unter
dem georgischen Christen Pascha Suleiman dem Grossen nur noch der Form
nach dem Sultan unterstand. In Ägypten bemühte sich Ali Bei
um die Verbesserung der Zustände. Im Jahr 1770
erklärte er seine Unabhängigkeit vom Sultan. Der mit ihm
verbündete Gouverneur von Galiläa, Adh Dhahir, vertrieb die
türkischen Beamten aus seiner Provinz und baute den Hafen Akka
(Akkon) wieder aus, um Handel treiben zu können. Trotz ihrer
großzügigen Herrschaft endete der Alleingang der beiden
Herrscher mit ihrer Ermordung im Jahr 1773.
Mit der Zeit fiel dem Hofstaat auch die Macht über die Auswahl der
Sultane in die Hände. Die machtlosen Herrscher hatten keinen
einfluss mehr auf ihre Beamten. Selbst das Korps der Elitekrieger, der
Janitscharen, war mehr und mehr auf den eigenen Vorteil als auf
militärische Erfolge aus. Im 18. Jahrhundert verhinderte nur die
Uneinigkeit der europäischen Großmächte die Aufteilung
des Osmanischen Reiches. Um sich selbst zu retten, griff man zu der im
Inneren schon oft geübten Taktik, die ausländischen Gesandten
gegeneinander auszuspielen und so im Streit der lachende Dritte zu
sein. Das Osmanische Reich erstarrte aber auch in den Regeln des Koran,
der nicht nur die Haltung gegenüber den
»ungläubigen« Europäern vorgab, sondern auch mit
der aus ihm abgeleiteten Rechtsordnung der »Scheriat«
bindend war, da das islamische Recht ausser für den
religiösen auch für den alltäglichen Lebensbereich
unabänderlichen Charakter hatte. In dieser Zeit traten die ersten
Tendenzen auf, sich durch den Anschluss an die geistige Entwicklung in
Europa einen sichereren Standpunkt zu verschaffen.
Während der napoleonischen Kriege griff das Osmanische Reich unter
Sultan Selim III. (Slt. 1789-1807) nicht in die Kämpfe
ein. Frankreich blieb das Vorbild auf den Gebieten der Literatur und
Pädagogik.
Ab 1821 erhoben sich die Griechen gegen die osmanische
Herrschaft. Dieser Freiheitskampf fand ein grosses Echo in Westeuropa.
Dichter, Maler und andere Künstler, darunter besonders
hervorstechend Lord Byron, verklären die grausamen Kämpfe
zwischen Türken und Griechen und stilisieren die
Freiheitskämpfer in ihren Werken zu übermenschlichen Helden.
Noch während der Kämpfe mit den Griechen werden die
Janitscharen am 16. Juni 1826 als politische Kraft ausgeschaltet. Als
die Westmächte aktiv in die Kämpfe eingriffen, nutzte selbst
das Eingreifen ägyptischer Truppen den Osmanen nichts mehr. Das
südliche Griechenland erhielt im Frieden von Adrianopel (Edirne)
am 14. September 1829 die Freiheit. Russland gewann in diesem Frieden
das Donaudelta und Armenien.
Zehn Jahre nach dem Ende des Freiheitskampfes der Griechen versprach
Sultan Abd ül-Meschid I. mit dem Hatt-i Scherif
(»Erhabenen Schreiben«) Reformen in seinem Reich. Dem Volk
wurde die Abschaffung der Steuerpacht, die immer ein besonders
drückendes Moment der Ausbeutung war, Steuerreformen und
allgemeine Rechtssicherheit in Aussicht gestellt. Recht, Verwaltung und
Bildung sollten nach europäischem Vorbild ausgebaut werden. Aus
diesen Reformen gingen zahlreiche Schulen hervor, allen voran das
»Galata Serail«, in dem seit 1869 in
französischer Sprache unterrichtet wurde. Die Absolventen dieser
Schulen waren stark islamisch und nationalistisch geprägt und
erstrebten einen Nationalstaat nach europäischem Muster. Weitere
Reformen wurden angekündigt, darunter Religionsfreiheit. Gerade
dieser Punkt des Reformwerkes stiess aber auf den Widerstand der
Türken, da sie die islamische Staatsauffassung gefährdet
sahen. Die beabsichtigte Gleichstellung der Nationalitäten im
Osmanischen Reich löste bei den untertänigen Völkern
Unwillen aus, weil sie lieber eine Ablöse zahlten, als in der
osmanischen Armee dienen zu müssen.
In der Zeit nach 1839 musste sich das Osmanische Reich wieder
gegen innere und ässere Gegner zur Wehr setzen, die mit
militärischen Mitteln bemüht waren, sich ihren Anteil an dem
grossen Reich zu sichern. Bei den Kämpfen mit dem ägyptischen
Statthalter Mohammed Ali siegte dieser und die türkische
Flotte ging zu ihm über. Unter seiner Herrschaft wurde
Ägypten praktisch unabhängig vom Osmanischen Reich. Er
entledigte sich in einem Massaker der mamlukischen soldaten und
modernisierte das Militär. Ebenso reformierte er die Verwaltung,
wobei er sich an europäische Vorbilder hielt, indem er eine
zentralisierte Bürokratie schuf, die mit armenischen
Sekretären und Übersetzern besetzt war. Auch führte er
das erste weltliche Unterrichtssystem in der islamischen Welt ein, um
die benötigten Kräfte für seine Verwaltung auszubilden.
Mit der Gründung der »Bulaq Press« wurde die
Möglichkeit geschaffen, die neuen Schulen mit ins Türkische
und Arabische übersetzten europäischen Büchern zu
versorgen. Alle diese Reformen sollten es ermöglichen,
Ägypten zu industrialisieren. Trotz aller fortschrittlichen Ideen
und Bemühungen betrachtete Mohammed Ali das Land am Nil weiterhin
als seinen persönlichen Besitz. Am Höhepunkt seiner Macht
liess er auf der Zitadelle von Kairo die Alabaster-Moschee errichten,
die nach ihm auch Mohammed Ali-Moschee genannt wird. Das Bauwerk ist
von der Anlage und dem Aussehen her eine Kopie der Hagia Sophia in
Istanbul, und darf wohl als Symbol für den Herrschaftsanspruch
Mohammed Alis gewertet werden. Das Ende seiner Macht kam aber kurz nach
dem Erfolg von 1839. Im Jahr 1840 unterzeichnete er die
»Londoner Konvention«, in der er auf alle Ansprüche
zugunsten Londons verzichtete. Seine Moschee, in der er 1849
beigesetzt wurde, konnte erst 1857 fertiggestellt werden.
Neben den inneren Auseinandersetzungen bedrängte auch Russland
weiterhin das Osmanische Reich. Aus dem Konflikt um die Kontrolle der
Dardanellen entwickelte sich der Krimkrieg (1853-1856), den die
Türken gewannen. Im Pariser Frieden vom 18. März 1856
wurde die Unabhängigkeit der Türkei verbürgt. Das
Schwarze Meer wurde für neutral erklärt und keiner der
Anrainer durfte dort mehr eine Flotte unterhalten.
Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts waren geprägt vom
weiteren Zerfall der Sultansherrschaft. Die seit 1865 bestehenden
»Jungtürken« erzwangen 1875 die
Einführung einer Verfassung, was schliesslich zum Ende des
Sultanats führen sollte.
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