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Die Mongolen
Hoffnung
der Christen - Feinde Europas
von Jörg Dendl |
Letztes Update:
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| Inhalt | |
|---|---|
| Fern im Osten | 06.05.2004 |
| Dschingis Khan | 06.05.2004 |
| Vorstoß nach Westen | 06.05.2004 |
| Erfolg in Kleinasien | 06.05.2004 |
| Die Hoffnung der Christen | 31.05.2004 |
| Die Mongolen in Vorderasien | 06.05.2004 |
| Marco Polo und Kubilai Khan | 06.05.2004 |
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Fern im Osten
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatten die Christen in Palästina weitgehend an Boden verloren. Der Islam war erstarkt und konnte endlich nach über 200 Jahren dem Königreich Jerusalem die Stirn bieten. Die Christen waren aller Orten auf dem Rückzug. Jerusalem selbst, nominell noch immer die Hauptstadt des Königreichs Jerusalem, war seit dem Jahr 1244 endgültig im Reichsverband des Ayuibidenreiches integriert und sollte von da an nie wieder in christlicher Hand sein.
Da erschien eine leise Hoffnung, dass es in der Welt doch noch eine militärische Macht geben könnte, die den Islam niederzwingen könnte. Schon lange kursierten in Europa Gerüchte über ein Reich weit im Osten, im Rücken der islamischen Reiche, dessen Herrscher unter Umständen als Verbündeter der Christen in die Auseinandersetzungen mit dem Islam eingreifen würde. Im 12. Jahrhundert war die Legende von einem christlichen Reich aufgetaucht, das von einem gewissen "Priester Johannes" regiert werde. Bischof Otto von Freising, selbst Teilnehmer des gescheiterten Zweiten Kreuzzuges und neben seiner bischöflichen Würde ein mutiger Schlachtenlenker, hatte als erster vom Priester Johannes gesprochen. In der Folgezeit wurde die Existenz dieses Reiches und seines Herrschers zur Gewissheit. Boten wurden ausgesandt, die den Priesterkönig um eine Union und um Waffenhilfe bitten sollten. Doch nie konnte der Kontakt wirklich hergestellt werden; das Wunschdenken hatte eine Legende geschaffen, die jeder Grundlage entbehrte. Wenn aber schon nicht ein christliches Reich im Osten existierte, warum dann nicht versuchen, mit anderen Feinden des Islam Kontakt aufzunehmen? Die Bemühungen der christlichen Herrscher sowie der Päpste zielten weiterhin nach Osten.
Dabei hatte es sich in Zentralasien tatsächlich zu regen begonnen. Die islamischen Reiche hatten an ihren Ostgrenzen immer wieder kriegerischen Auseinandersetzungen mit einem Volk zu bestehen, das sich auf den Weg nach Westen gemacht hatte: den Mongolen
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Dschingis Khan
Die nomadisch lebenden Mongolen (mongol. Mongghol)
gliederten sich in zahlreiche Einzelstämme. Sie stammten, wie auch
die Türken,
aus den Steppengebieten zwischen dem Baikalsee und dem Altaigebirge.
Bei ihrem erstenb historischen Auftreten im 10. Jahrhundert
verdrängten sie die Hitai nach Süden. Doch auf diese erste
Expansion folgte zunächst eine Zeit ohne genaue Nachrichten, in
der die einzelnen Stämme untereinander in Kriege verwickelt waren.
Am Ende dieser Epoche gelang es Temudschin (mongol. "Schmied"),
die Mongolen unter seiner Führung zu einigen. Um das Jahr 1167
als Sohn des Stammesführers Yesukai geboren, machte er
sich ab 1202 daran, die Stämme zu einen. In diesem Jahr
besiegte er seinen Schwiegervater, den Grosskhan der Mongolen. Im Jahr 1203
warf er den Khan der Tartaren nieder. Nachdem die Macht
Temudschins im mit dem Jahr 1206 gesichert war, wurde er zum Khakan
ausgerufen und nannte sich von nun an Dschingis Khan.
Unter diesem starken Führer entwickelten die Mongolen den Willen,
als Einheit zu handeln. Man glaubte sich von himmlischen Mächten
beauftragt, die Welt unter der mongolischen Herrschaft zu einen.
Dschingis Khan sicherte seine Herrschaft auch durch Maßnahmen im
Inneren. In der "Yassak" ließ er die mongolische
Gesetzesüberlieferung sammeln und gab seinem Volk somit ein
einheitliches Recht. Darin wurde insbesondere das Privateigentum durch
die Androhung von drakonischen Strafen geschützt. Für seine
Expansionsbestrebungen benötigte Dschingis Khan eine straff
organisierte Armee. Dazu wurde als Grundeinheit des Heeres die
Zehnergruppe eingeführt, übergeordnete Einheiten wurden in
Vielfachen von zehn gezählt. Die Zehntausendschaft bildete eine
selbständige operative Einheit. Die Kerntruppe des Heeres bestand
aus berittenen Bogenschützen. Die Stärke dieser gewaltigen
Armee lag in der Reitertaktik der Nomadenkrieger. Größter
Wert wurde auf die Beweglichkeit der Einheiten gelegt, die es dem Feind
kaum m&oum;glich machte, den Widerstand aufzubauen. von
entscheidender Bedeutung in der Schlacht war aber auch die
legendär werdende Todesverachtung der mongolischen Reiter. die
Disziplin wurde durch harte Maßnahmen aufrechterhalten.
Dschingis Khans Herrschaft war ein einziger Feldzug. Im Jahr 1207
marschierte er mit seiner Armee durch Turkestan. Bis zum Jahr 1211
konnte die mongolische Armee die Uiguren von Turfan, die Tanguten und
die Karluken unterwerfen. In diesem Jahre wurde auch der Kampf gegen
die Chin aufgenommen. Das für die Chinesen Undenkbare geschah: die
Mongolen überwanden die "Große Mauer", seit ihrer
Errichtung ein als unüberwindlich geltender Wall gegen den Ansturm
der Nomaden. Die chinesische Hauptstadt Yen-king, das heutige Peking,
fiel im Jahr 1215. Weite Teile Nordchinas gerieten unter die
Herrschaft der Mongolen. Das Jahr 1218 brachte die Vernichtung
der Reste des Staates der Kara-Kitai. Im Fernen Osten erreichten
Dschingis Khans Eroberungen im Jahr 1219 Korea. Mit der
Besetzung West-Turkestans in den Jahren von 1219 bis 1223
rundete Dschingis Khan seine Feldzüge ab. Das Reich der Hwarzmier
im Nordiran, das eine starke Bedrohung für das Kalifat von Bagdad
gewesen war, wurde ebenfalls erobert. Die mongolischen Heere
stießen bis in den Süden der heutigen Ukraine vor, wo Russen
und Kumanen besiegt wurden. Durch die Vernichtung des Chinesischen
Reiches und des Reiches der Hwarzmier nahm die Legende von der
Unbesiegbarkeit der Mongolen ihren Anfang. Dschingis Khan starb am 18.
August 1227 im Angesicht von Ninghsia, der Hauptstadt der Tanguten.
Unter seinem Sohn Ögödei (GKh. 1229-1241) wurde im
Bund mit den Sung im Jahr 1234 das Reich der Chin erobert.
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Vorstoß nach Westen
Zum Zusammenprall mit den Muslimen und den Christen Europas kam es
durch die Erweiterung des Mongolenreiches auch nach Westen. In den
Jahren von 1236 bis 1241 wurden weite Teile Rußlands
erobert. Hier richtete Dschutschi, der älteste Sohn
Dschingis Khans, seine Herrschaft auf. Die Russen nannten dieses Reich,
das aus dem Heerlager der Mongolen (Ulus) hervorging, Die
Goldene Horde. Der Mittelpunkt dieses Reiches war das
Mündungsgebiet der Wolga und hatte seine Hauptstadt in Saraj. Der
Sohn Dschutschis, Batu Khan, dehnte den Herrschaftsbereich der
Goldenen Horde weit nach Westen aus. Die russischen
Fürstentümer erlagen in dieser Zeit dem Ansturm der Mongolen.
Kiew fiel trotz heldenhafter Verteidigung durch seine Krieger am
6. Dezember 1240. Die Stadt wurde völlig geplündert,
wobei unersetzliche Kunstschätze verlorengingen. Danach war
Russland eine Provinz der Goldenen Horde und zur Zahlung von Abgaben an
den Khan verpflichtet. Im inneren blieben die russischen
Fürstentümer allerdings unabhängig. Sie verfolgten ihre
eigene Politik und konnten auch ihre eigene Kultur beibehalten.
In den Jahren 1241 und 1242 kam es zu
Vorstößen der Goldenen Horde nach Westen, die bis nach
Ungarn reichten. Nach der Eroberung Kiews drang ein Teil der
Mongolenarmee unter Baidar in Polen ein. Die Städte Sandomir
und Krakau wurden gebrandschatzt. Dem gewaltigen Ansturm warf
sich Heinrich II. der Fromme von Schlesien mit dem polnischen
Heer und den Rittern des Deutschen Ordens entgegen. Am 9. April 1241
kam es bei Liegnitz zur Schlacht. Die Polen unterlagen,
Heinrich II. fiel in der Schlacht. Aber Baidar nutzte seinen Sieg nicht
für einen weiteren Vorstoß. Schlesien wurde verwüstet,
dann wandten sich die Mongolen nach Süden und durchquerten
Mähren und Ungarn.
Batu Khan selbst war zur gleichen Zeit in Galizien
eingedrungen. Die Karpaten wurden im Februar 1241
überschritten, dann drängte das Mongolenheer in die
ungarische Tiefebene. Am 11. April 1241 stellte sich König
Bela IV. von Ungarn (Kg. 1235-1270) mit seinem Heer den Mongolen
entgegen. Seine Niederlage besiegelte das Schicksal Ungarns. Das Land
wurde zum Raub der Eroberer.
Das weitere Vordringen der Mongolen in Europa wurde schliesslich durch
in der Mongolei selbst ausbrechende Unruhen zum Stehen gebracht. Khan
Ögödai starb im Jahr 1241 und Batu Khan wollte es nicht
riskieren, der Entscheidung um die Nachfolge fernzubleiben. So kehrten
die Mongolen nach Karakorum zurück - Europa war gerettet. Erst
nach zehn Jahren der inneren Käpfe konnte sich Mönge Khan
(GKh. 1251-1259) als Herrscher aller Mongolen durchsetzen. Nach der
Beruhigung der Verhältnisse im Inneren konnte man wieder an
Exapansion denken. An vorderster Front standen die Brüder
Mönges, Kubilai, der die östlichen Provinzen des
Reiches erhielt und sich an die endgültige Eroberung Chinas
machte, während Hulagu die Herrschaft über Persien
übernahm und alsbald nach Westen vorstieß.
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Erfolg in Kleinasien
Während das Vordringen der Mongolen in Europa schon vor der
Mitte des 13. Jahrhunderts zum Stehen kam, waren sie im Süden
wesentlich erfolgreicher. Der Mongolen-Khan Baitschu drang 1242
in das Reich des Seldschuken-Sultans Kaikhosrau II. (Slt.
1237-1245) ein. Die Stadt Erzurum wurde im Frühjahr erobert. Als
sich am 26. Juni 1243 das Heer der Seldschuken den Mongolen
entgegenstellte, ging die Schlacht zu Ungunsten der Türken aus.
Der Sultan mußte sich unterwerfen und die Herrschaft der Mongolen
anerkennen. Somit hatten sie ihre Macht auch über Kleinasien
ausgedehnt.
Durch die Niederwerfung des Seldschuken-Sultanats war in erster Linie
das das Königreich Kleinarmenien bedroht. Der armenische
König Hethum I. (Kg. 1226-1269) zog die einzige
mögliche Konsequenz: die bedingungslose Unterwerfung. Das
Kapitulationsangebot unterbreitete der auch als Chronist bekannte
armenische Konstabler Smpad dem Großkhan. Und aus
Samarkand sandte er im Jahr 1248 einen Brief nach Zypern, in dem er als
Augenzeuge von den durch die Mongolen angerichteten Zerstörungen
berichtete. So beeindruckt, machte sich Hethum I. im Jahr 1254
selbst auf die Reise nach Karakorum, wo Mönge Khan mit dem
Armenier eine Allianz schloß. So hatte der armenische König
die Vernichtung seines Reiches verhindern können. Es war nun zwar
nur ein Teil des mongolischen Reiches, aber die Armenier blieben
unbehelligt. Hethum I. versprach den Mongolen Hilfe bei ihrem geplanten
Vorgehen gegen Vorderasien. Die armenische Kirche rechnete sich darŸber
hinaus gute Chancen einer Bekehrung der Mongolen zum Christentum aus.
Doquz Khatun, die Frau des Khans, war eine nestorianische Christin. Als
Aleppo von den Mongolen belagert wurde, standen die Armenier als treue
Helfer an ihrer Seite.
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Die Hoffnung der Christen
Nicht nur in Kleinarmenien setzte man die Hoffnungen auf eine
Bekehrung der Mongolen. Diese waren zwar keine Christen, aber auch
keine Anhänger des Islam. Bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts
hingen sie ihrer alten schamanistischen Religion an. Daneben
wußte man aber an der päpstlichen Kurie, daß innerhalb
der mongolischen Aristokratie der Einfluß des nestorianischen
Christentums nicht unerheblich war. Es gab sogar ganze Stämme der
Mongolen, die dieser Lehre anhingen. Damit wurde die Hoffnung
genährt, es könne möglich sein, die Mongolen als Ganzes
zum Christentum zu bekehren.
Papst Innozenz IV. (PM 1243-1254) berief im Jahr 1245
einen Kongress nach Lyon ein, auf dem auch beraten wurde, wie Europa
einer erneuten Invasion der Mongolen begegnen sollte. Als vordringliche
Massnahme wurde die Aufnahme von Friedensverhandlungen angesehen und es
sollten Verträge mit dem asiatischen Volk abgeschlossen werden.
Dabei wurde die Absicht nicht ausser acht gelassen, die Mongolen zum
Christentum zu bekehren, um so - bei entsprechender politischer
Beeinflussung - Verbündete im Kampf gegen den Islam zu gwinnen.
Um die Verhandlungen aufzunehmen, aber auch die
Mission zu beginnen, wählte der Papst den Franziskaner Giovanni
de Plano Carpini (auch: Johannes von Piano del Carpine). Dieser war
im Jahr 1221 zur Mission ins Deutsche Reich gesandt worden,
hatte im Rheinland und in Sachsen Klöster gegründet und den
Franziskanerorden organisiert. Seit 1228 leitete er die Ordensprovinzen
Teutonia und dann Saxonia seines Ordens. Papst Innozenz IV. erteilte
dem 63jährigen den Auftrag, in der Ukraine unter den Ruthenen und
Mongolen zu missionieren sowie zum Großkhan der Mongolen zu
reisen, um diesen zu einem gemeinsamen Kampf gegen die islamischen
Herrscher des Nahen Ostens zu gewinnen.
Im April 1245 verließ Johannes Lyon in Begleitung des
polnischen Franziskaners Benedikt und machte sich auf eine
fünfzehnmonatige Reise in den Fernen Osten. Über Prag reiste
er nach Polen, durchquerte die russische Steppe und gelangte so nach
Kiew, das zu dieser Zeit von den Mongolen besetzt war. Hier traf der
Mönch die ersten Mongolen, die ihn an den Dnjepr eskortierten, wo
sich das Lager von Batu, dem Gouverneur des Khanats der
Goldenen Horde befand. Dieser erlaubte ihm die Weiterreise nach
Karakorum. Der weitere Weg führte von der Wolga an den Aralsee,
dann wurde der Syrdarja überwunden und es folgte die Reise entlang
den nördlichen Ausläfern des Tien-Schan-Gebirges. Nach der
Durchquerung des Halbwüste von Zungaria gelangte Giovanni in der
Hauptstadt des Großkhans an.
Erst im November 1246, nach einer Wartezeit von vier Monaten in
der Zeltstadt der Mongolen, gewährte der neu gewählte
Großkhan Guyuk (GKh. 146-1248) dem Franziskaner eine
Audienz. Doch seine Mission mißlang gründlich.
Großkhan Guyuk, in seiner eigenen Machtfülle den
Papst nicht als Herrscher entsprechenden Einflusses anerkennend,
forderte seinerseits die Unterwerfung des Papstes. So mußte
Johannes unverrichteter Dinge heimreisen. Doch brachte er wichtige
Nachrichten mit nach Europa. Er ließ den Papst wissen, die
Mongolen seien allein auf Eroberungen aus. Die Erfahrungen seiner Reise
legte er in dem Werk "Historia Mongolarum" nieder, die ein
anschauliches Bild der mongolischen Soldaten seiner Zeit liefert:
|
"Alle mußten im Besitz folgender
Waffen sein: zwei bis drei Bögen, oder ein guter Bogen, drei
große Köcher gefüllt mit Pfeilen, eine Axt und Seile,
um Kriegsmaschinen zu ziehen. Die Reichen besaßen Schwerter, die
am Ende spitz, aber nur auf einer Seite scharf und etwas gebogen waren,
und gepanzerte Pferde. Die Reiter trugen Helme und Panzer, ihre Beine
waren bedeckt. Einige der Reiter trugen Lanzen, an deren Schaft sich
ein Haken befand, mit dem sie, wenn ihnen die Gelegenheit geboten
wurde, einen Mann aus dem Sattel heben konnten. Die Köpfe der
Pfeile waren, wie ein zweischneidiges Schwert, auf beiden Seiten
scharf."
|
Zum Lohn für seine Mühen wurde Giovanni zum Erzbischof von
Antivari (h.: Bar) ernannt, wo er am 1. August 1252 starb.
Papst Innozenz IV. gab seine Bemühungen nicht auf. Der
nächste Gesandte, den er nach Osten schickte, war der Dominikaner Ascelinus.
Sein Weg führte lediglich bis Täbris. Dort traf er mit dem
mongolischen Herrscher Baitschu zusammen. Dieser war einer
Zusammenarbeit mit den Christen nicht abgeneigt. Seinem geplanten
Feldzug gegen Bagdad hätte ein Kreuzzug nur genützt.
Zusammen mit Ascelinus reisten zwei mongolische Gesandte nach Rom. Sie
verblieben zwar ein Jahr in der Heiligen Stadt, doch hatten die
Verhandlungen kein Ergebnis. Der Papst schickte sie im Jahr 1248
wieder an Baitschu zurück, ungehalten darüber, daß
nichts für das angestrebte Bündnis getan worden war.
Als am 24. April 1254 Kšnig Ludwig IX. der Heilige (Kg.
1226-1270) von Frankreich nach dem Scheitern des von ihm betriebenen 7.
Kreuzzugs das Heilige Land verliß, hatte er zuvor den Versuch
gemacht, mit den Mongolen Kontakt aufzunehmen. Zwei Nestorianer hatten
dem französischen König einen Brief übergeben, in dem
von der Sympathie des Großkhans für das Christentum
gesprochen wurde. Auf Geheiß des französischen Königs
machten sich daraufhin im Jahr 1249 der Dominkaner Andreas
von Longjumeau und dessen Bruder auf die Reise. Sie nahmen
Reliquien und eine tragbare Kapelle mit, die sie dem bekehrten Khan
überreichen wollten. Von den Mongolen wurden sie nach Karakorum
geleitet. Bei ihrem Eintreffen war Großkhan Guyuk tot und Oghul
Kaimisch (Reg. 1248-1251), seine Witwe, hatte die Regentschaft
übernommen. Sie sah die Geschenke als Tribut an. Eine
militärische Intervention der Mongolen zugunsten der Christen war
durch die herrschenden Thronwirren nicht möglich. Der Brief der
Regentin, den Andreas nach drei Jahren Reise König Ludwig IX.
übergab, erzürnte diesen. Darin verlangte die Regentin von
ihrem "Untertan" nun jedes Jahr solche Geschenke. Der französische
König war empört, hoffte aber weiter auf die Möglichkeit
eines Bündnisses mit den Mongolen.
Noch ein weiterer Geistlicher machte sich auf die weite Reise ins Reich
der Großkhane. Vom Heiligen Land aus brach im Jahr 1253
der Franziskaner Wilhelm von Rubroek, ein geborener Flame, nach
Osten auf. Hatten seine Vorgänger auch immer politische
Verhandlungen im Auge gehabt, so verzichtete Wilhelm völlig auf
diesen Aspekt. Allein die Mission bestimmte sein Handeln. Da aber sein
Empfehlungsschreiben falsch übersetzt wurde, hielten es die
Mongolen für ein Allianzangebot. Und so reichte man den Mönch
immer weiter, bis er schließlich in Karakorum am Hof Mönge
Khans eintraf. Das "Allianzangebot" wollte der Großkhan gerne
annehmen, aber unter der Bedingung, daß König Ludwig IX.
sich ihm unterwarf. Dies war natürlich unannehmbar. Im Jahr 1255
langte Wilhelm wieder im Heiligen Land an. In Akkon schrieb er einen
ausführlichen Bericht ("Reise durch das Reich der Mongolenm")
über seine Reise.
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Die Mongolen in Vorderasien
Die Mongolen verfolgten ihre eigenen Pläne im Westen.
Mönge Khan setzte 120.000 Mann in Marsch. Der Oxus wurde im Januar
1256 überschritten. Das erste Ziel der Unternehmung, die
sorgfältig vorbereitet wurde, war die Vernichtung der Assassinen.
Unter dem Druck der Belagerung der Festung Alamut unterwarf
sich der Großmeister der Assassinen, Rukn ed-Din den Mongolen.
Alamut wurde gestürmt, als sich der Befehlshaber der Burg weigerte
zu kapitulieren. Die Mongolen hielten ein fürchterliches
Strafgericht. Bis zum Ende des folgenden Jahres waren die Assassinen in
Persien ausgerottet.
Der Höhepunkt dieses gewaltigen Feldzuges war die Eroberung
von Bagdad am 10. Februar 1258. Der letzte abbasidische Kalif, al-Mustasim
(Klf. 1242-1258), wurde unter einem Teppich erstickt. Mönge Khan
hielt sich nicht auf. Bis zum Jahr 1260 hatte er das obere
Mesopotamien unterworfen. Der weitere Weg sollte ihn bis nach
Ägypten führen. In den Jahren 1259/60 wurden Damaskus
und Aleppo erobert, beides mit armenischer Unterstützung. Hugalu
wagte es sogar, den Mamluken-Sultan zur Unterwerfung aufzufordern.
Die Herrscher der in Palästina verbliebenen Kreuzfahrerstaaten
konnten sich zu keiner einheitlichen Haltung gegenüber den
Mongolen verständigen. Einerseits brach man alle diplomatischen
Verbindungen mit Armenien ab, wollte aber auch nicht die Mongolen
selbst reizen. So verstießen Johann von Jaffa und Julian von
Sidon ihre armenischen Frauen. Andererseits bot sich ein Bündnis
mit den ebenfalls durch die Mongolen bedrohten Ayuibiden Ägyptens
an, das man aber aus ideologischen Gründen nicht eingehen wollte.
Der Meister des Deutschen Ordens rief schließlich zum Verzicht
auf ein militärisches Vorgehen gegen die Mongolen auf. Die
Reiterhorden machten sich zum Vorstoß nach Süden bereit.
Der mongolische Vorstoß nach Ägypten scheiterte am Heer der
Mamluken. Sultan Saif-ed-Din Kutuz (Slt. 1259-1260) hatte sich
zu einer offensiven Vorgehensweise entschlossen. Vergeblich
bemühte er sich darum, die christlichen Herrscher zu einem
Bündnis zu bewegen, doch diese lehnten dieses Ansinnen unter dem
Einfluß des Großmeisters des Deutschen Ritterordens ab,
gewährten den mamlukischen Truppen aber einen unbehelligten
Durchzug.
Bei Ain Dschalut in Galiläa stellte sich am 2.
September 1260 den mongolischen Reitern das Mamlukenheer entgegen.
Die Mamluken siegten in der Schlacht, der Islam war gerettet, die
Gefahr vorbei, die Hoffnung der Christen zerstoben. Im Osten nahmen die
Mongolen den Buddhismus an, im Westen den Islam.
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Marco Polo und Kubilai Khan
Weit im Osten vollendete in dieser Zeit Kubilai Khan (GKh.
1260-1294) dei Eroberung Chinas. Er wandte sich gegen die ehemaligen
Verbündeten, die Sung. Die chinesische Hauptstadt wurde allerdings
erst nach langen Kämpfen im Jahr 1276erobert. Mit der
endgültigen Vernichtung der Sung im Jahr 1278 war ganz
China in der Hand Kubilais vereinigt und er begründete als
Fremdherrscher die neue Dynastie Yüan, die das Reich der
Mitte bis zum Jahr 1368 beherrschen sollte. Kubilai
verließ die alte Hauptstadt Karakorum und machte Peking (Hanbaligh)
zu seiner neuen Hauptstadt.
Als die Franziskaner und Dominikaner ihre Missionsreisen zu den
Mongolen unternahmen, war der bekannteste China-Reisende des
Mittelalters noch nicht geboren. Im Jahr 1254 erblickte in
Venedig der Kaufmannssohn Marco Polo das Licht der Welt. Im
Alter von 17 Jahren (1271) reiste er zusammen mit seinem Vater
Nicolò und seinem Bruder Maffeo nach Osten. Die Reise
führte zunächst nach Bagdad, dann über den Persischen
Golf nach Hormus, durch den Iran, zum oberen Oxus und schließlich
durch den Pamir am See Lp-nor vorbei bis nach Nordchina. Marco Polo
nannte dieses Land "Kathai", die Hauptstadt Peking "Kambaluk". Am Hofe
Kubilais zu Ansehen gelangt, konnte Maco Polo ausgedhente Reisen in
dessen Reich unternehmen. Schließ lich machte sich der Venezianer
im jahr 1292 wieder auf den Rückweg. 1295 traf er wieder
in Venedig ein. Aber erst in genuesischer Kriegsgefangenschaft
(September 1298 bis 1299) diktierte er einem seiner Mitgefangenen seine
berühmte Reisebeschreibung.
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