Die Kreuzzüge

300 Jahre Kampf um das Heilige Land

von Jörg Dendl

 Update: 07. September 2012


 
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Inhalt
Die Vorgeschichte
Papst Urban II. in Clermont
Der Volkskreuzzug
Der Erste Kreuzzug
Konsolidierung NEU

Der Kreuzzug von 1101

Die Kreuzfahrerstaaten
Das Königreich Jerusalem
Die islamische Reaktion

Der Verlust Edessas

Der Zweite Kreuzzug
Die Erfolge Saladins

Der Dritte Kreuzzug
Der Kreuzzug Heinrichs VI.
Der Kinderkreuzzug
Der Vierte Kreuzzug
Der Fünfte Kreuzzug
Der Sechste Kreuzzug

Der "Kreuzzug der Barone"
Der Verlust Jerusalems 1244

Die Schlacht von La Forbie

Der Siebte Kreuzzug
Der "Hirtenkreuzzug" 1251

Die Mongolen
Die Mamluken (in Vorbereitung)

Der Achte Kreuzzug
Kreuzzug des Prinzen Edward

Das Ende des Königreichs Jerusalem
Die Eroberung von Akkon

Das Königreich Zypern

Die Schlacht bei Nikopolis

Der "letzte Kreuzzug"
Nach dem Fall von Konstantinopel



Die Vorgeschichte der Kreuzzüge

Bis in die letzten Jahre des 11. Jahrhuderts war für die Christen in Westeuropa der Islam als Feindbild nicht wirklich gegenwärtig. Man war sich zwar bewusst, dass Syrien, das Heilige Land, Ägypten und Nordafrika und auch ein großer Teil der Iberischen Halbinsel von muslimischen Armeen erobert worden waren, doch sah man sich nicht in einem Religionskonflikt. Für die Mitteleuropäer waren die Schauplätze der Kämpfe auch weit entfernt. Die westliche Front verlief auf der Iberischen Halbinsel. Hier standen die Christen aber nicht vereint gegen den Feind, sondern die Rückeroberung der einstmals christlichen Gebiete war eine Sache der Einzelstaaten. Dabei trugen sie auch noch untereinander militärische Konflikte aus. Es war sogar üblich, dass sich christliche Herrscher mit den Arabern gegen andere christliche Herrscher verbündeten. Und auch der Islam war uneins. Die Reconquista wurde zwar vom Papsttum unterstützt, doch kam es nicht dazu, dass sich die europäische Christenheit in ihrer Gesamtheit mit diesem Kampf um die Rückeroberung der muslimisch besetzten Gebiete identifizierte. Damit fehlte den christlichen Kämpfern eine wirklich religiöse Motivierung, der Glaube ihrer Gegner spielte als Kriegsgrund eine eher untergeordnete Rolle.
Die zweite Front verlief weit im Osten an den Grenzen des Byzantinischen Reiches. Die Byzantiner waren seit dem 7. Jahrhundert in beständige Abwehrkämpfe mit dem expandierenden Islam verwickelt. Das erste Ziel der arabisch-islamischen Eroberungen waren die zum Byzantinischen Reich gehörenden Provinzen in Nordafrika und Syrien gewesen. Schon diese früh verlorenen Gebiete sollten für das Oströmische Reich einen Substanzverlust bedeuten, der nicht wieder gut zu machen war. Das Reich schmolz unter den Wellen der arabischen Armeen immer mehr zusammen, bis im 11. Jahrhundert nur die europäischen und kleinasiatischen Besitzungen blieben. Doch auch in diesem Jahrhundert schrumpfte das Byzantinische Reich. Nun aber ging der Stoß direkt in das Herz des Reiches, nach Anatolien, und er wurde von einem neuen Feind geführt, den Seldschuken. Seit 1055 waren die aus dem Inneren Asiens stammenden türkischen Krieger die Herren Bagdads. So wurde der heutige Irak zur Basis ihres Vorstoßes gegen das Byzantinische Reich. Die Seldschuken trugen ihre Angriffe immer weiter vor, während die byzantinische Macht immer mehr zurückgedrängt wurde. Schließlich suchte Kaiser Romanos IV. (Bas. 1068-1071) im Jahr 1071 bei Mantzikert die Entscheidung. Doch das Schlachtenglück war auf Seiten der Seldschuken und das byzantinische Heer wurde von den Seldschuken unter ihrem Sultan Alp Arslan (Slt. 1063-1073) vernichtend geschlagen. Anatolien gehörte den Seldschuken.

Doch auch in Europa kam es in diesen Jahrzehnten zu Gebietsverlusten. Religiös hatten sich Westeuropa und das Byzantinische Reich immer weiter auseinander entwickelt, bis es im Jahr 1054 zu endgültigen Bruch gekommen war, als sich der Patriarch von Konstantinopel und der Papst als Patriarch von Rom gegenseitig exkommunizierten. Die Ostkirche galt für die Katholische Kirche seither als häretisch, weil sie den Anspruch der Päpste, als Patriarchen von Rom den Vorrang vor den Patriarchen von Konstantinopel, Jerusalem, Antiochia und Alexandria zu haben, nicht anerkennen wollte. Dieser Gegensatz zwischen den beiden Kirchen sollte auch während der Kreuzzüge immer wieder zu Konflikten führen. Die päpstliche Politik verfolgte immer das Ziel, die Kirchen wieder zu vereinen, doch zu den Bedingungen Roms. Dieses Ziel auch mit militärischer Macht zu erreichen, erschien dabei nicht undenkbar. Und so konnten die Normannen mit Unterstützung des Papsttums zwischen 1046 und 1071 die letzten byzantinischen Gebiete in Italien erobern, wo sie sich nun festsetzten. Auch ein erster Plan des Papstes Gregor VII. (PM 1073-1085) für einen Kriegszug nach Osten im Jahr 1074 beinhaltete daher nicht allein den Kampf gegen den Islam, sondern auch die Kirchenunion. Aber es blieb bei einer Idee.  Und so begann das lange Sterben des Byzantinischen Reiches. Die Kreuzzüge, vorgeblich zu dessen Rettung unternommen, besiegelten den Untergang.

Als Kaiser Alexios I. Komnenos (Bas. 1081-1118) das durch den jahrzehntelangen Kampf gegen die Seldschuken und Bürgerkriege stark dezimierte byzantinische Heer wieder reorganisiert hatte, war für ihn die Zeit für einen erfolgversprechenden Feldzug gegen die Seldschuken gekommen. Die Byzantiner erkämpften überraschende Erfolge. So gelang es dem Kaiser, die Zangenbewegung zu zerschlagen, mit der die Seldschuken von Anatolien her und die Petschenegen von der europäischen Seite Konstantinopel einschließen wollten. Die Hauptstadt war gerettet, aber Alexios I. träumte den Traum von der Wiederherstellung des mächtigen Byzantinischen Reiches, er hoffte auf die Rückeroberung nicht nur der alten Provinzen Kleinasiens, sondern auch Syriens. Die von ihm im Gefolge des Ersten Kreuzzuges betriebene Diplomatie und seine Feldzüge zeigen dieses Bemühen deutlich. Zur Verstärkung seiner Armee wollte der Kaiser das altbewährte Söldnerpotential Europas nutzen. In den Heeren des Byzantinischen Reiches kämpften schon lange vor allem Nordeuropäer, Franzosen und Angehörige anderer Völker. Dabei hatte sich zwar gezeigt, dass insbesondere die Normannen eigene Ziele verfolgten, doch offensichtlich hoffte Alexios I., diese Probleme in den Griff zu bekommen.
Und so erschienen im Frühling des Jahres 1095 auf dem von Papst Urban II. nach Piacenza einberufenen Konzil Gesandte des Kaisers von Byzanz. Der Versammlung trugen sie die Bitte ihres Herrn vor, zur Verstärkung seiner Armee Söldner zu entsenden. Alexios I. rechnete anscheinend damit, dass sich seine Bitte in den Diözesen der anwesenden Bischöfe alsbald verbreiten würde. Und die Boten nannten ein hochgestecktes Kriegsziel: Jerusalem. Die heiligste Stadt der Christenheit war im Jahr 638 von Kalif Omar I. (Klf. 634-644) erobert worden und seither in der Hand der Muslime. Allerdings verhallte die Bitte zunächst ungehört. Monate sollten vergehen, bis diese Bitte aus Byzanz eine Flamme entfachte, aus der ein gewaltiger, 300 Jahre währender Brand werden sollte.
Papst Urban II. war tief bewegt. Für ihn stand die Bedrohung der Christenheit in ihrer Gesamtheit außer Zweifel. Im Westen hatten jahrzehntelang die christlichen Fürsten der iberischen Halbinsel erfolgreich die muslimischen Armeen bekämpft. Diesen Kampf wollte er nun auch in den Osten tragen. Und ohne zu zögern begann er nach dem Ende des Konzils von Piacenza mit den diplomatischen Vorbereitungen für das gewaltige Unternehmen, das in seinem Geist Gestalt annahm. Alexios I. ahnte nicht, dass der Papst mit seinen Plänen weit die ursprüngliche Absicht hinausging. Schon vor dem Konzil von Clermont muß Urban II. mit Bischof Adhémar von le Puy und Raimund IV. von Saint Gilles, dem Grafen von Toulouse, der schon im Kampf gegen die spanischen Mauren Erfahrungen im Heidenkampf sammeln konnte, Absprachen getroffen haben.

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Papst Urban II. in Clermont (1095)

Nach langen Reisen begab sich Papst Urban II. schließlich nach Clermont, wohin er ein weiteres Konzil einberufen hatte. Die Versammlung der Kirchenfürsten endete am 27. November 1095. Schon zuvor hatten sich Gerüchte verbreitet, dass die Abschlussrede des Papstes von großem Interesse sein würde, jedenfalls versammelten sich solche Massen von Zuhörern, dass die Rede auf das freie Feld cor der Stadt verlegt werden musste. In aufpeitschenden Worten rief der Papst jeden Mann, ob arm oder reich, niedrig oder hoch, Ritter oder Fürst, dazu auf, sich an einem Feldzug gegen die Seldschuken zu beteiligen. Als Marschziel nannte er Jerusalem, die Heilige Stadt, in der Jesus Christus den Kreuzestod erlitten hatte und am dritten Tage wiederauferstanden war. Die Stadt war über 400 Jahre zuvor von den Muslimen erobert worden. Erst recht nach der Besetzung Anatoliens durch die Seldschuken konnten die christlichen Pilger nur noch unter großen Schwierigkeiten dorthin. Nun sollte diese heilige Stadt mit Waffengewalt wieder unter die Herrschaft der Christen gebracht werden. Als Antwort auf diese Rede trat als erster Bischof Adhémar von Le Puy vor, um das Kreuz zu nehmen. Die Zuhörer hatten sich spontan die roten Stoffkreuze an die Kleidung geheftet, gelobten, die Kreuzfahrt zu unternehmen und brachen in den Ruf aus: GOTT WILL ES!, der zum Schlachtruf des Zuges werden sollte.
Es verging nach dieser Rede nur ein Tag, da erschienen Boten von Graf Raimund IV., die die Bereitschaft ihres Herrn meldeten, sich am Kreuzzug beteiligen zu wollen. Zahllose weitere Fürsten und Ritter schlossen sich an.
Doch bevor die Ritter sich sammeln und aufbrechen konnten, hatte die flammende Rede des Papstes unter den ebenfalls angesprochenen Armen eine Begeisterung für den Kreuzzug geweckt, die sich noch in den ersten Monaten des Jahres 1096 Bahn brach und schließlich in der Katastrophe enden sollte.

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Der "Kreuzzug des Volkes" (1096)


Schon wenige Monate nach der Rede Papst Urbans II. hatte sich der aus der Picardie stammende Einsiedler Peter von Amiens den Kreuzzugsaufruf unter dem einfachen Volk Frankreichs verbreitet. Dem Zug, der sich alsbald in Bewegung setzte, schlossen sich auch im Deutschen Reich Tausende weitere Arme an.
Während Peter von Amiens mit den Seinen schnell das Reich durchwanderte, begannen andere Gruppen mit einem unheilvollen Tun. Für sie begann der Kreuzzug schon in der Heimat, denn sie sahen auch die Juden, die schon lange im Deutschen Reich lebten, als Feinde der Christen an. Horden dieser Kreuzfahrer sammelten sich unter der Führung des Grafen Emicho von Leiningen und zogen in die Städte des Rheinlandes, in denen große jüdische Gemeinden ansässig waren. Brutale Überfälle auf die Gemeinden von Trier, Mainz, Köln und Worms folgten. Selbst die Bischöfe konnten den Juden nicht helfen, die bis in ihre Verstecke auf dem Land verfolgt wurden. Auch weiter im Osten, in Regensburg und Prag, kam es zu grausamen Progromen und es schallte der Ruf "Taufe oder Tod!" Die Juden wählten zu Hunderten den Freitod oder töteten ihre Kinder, um diese vor der Taufe zu bewahren. Hinzu kamen die vielen, die von den Kreuzfahrern erschlagen, verbrannt und ertränkt wurden. In ihren Chroniken berichten überlebende jüdische Gelehrte von den Grausamkeiten bei den Ausschreitungen.
Die Mörder zogen weiter in ihren verdienten Untergang. Auf dem Weg nach Konstantinopel lag die Durchquerung des Ungarischen Reiches vor ihnen. König Koloman (Kg. 1095-1116) gewährte ihnen zwar den Durchmarsch, war aber von Anfang an vorsichtig. Kaum hatten sie Ungarn betreten, kam es auch schon zu Plünderungen. Schließlich eskalierte die Lage dermaßen, dass König Koloman die Horden kurzerhand niedermachen ließ. Der Kreuzzug der Judenschlächter war beendet.
Das Gefolge von Peter von Amiens war inzwischen in Konstantinopel eingetroffen. Für Kaiser Alexios I. war es eine böse Überraschung, als diese zerlumpten Haufen an Stelle der erwarteten Ritter bei ihm eintrafen. Auch wusste er, dass die Armen nichts gegen die Seldschuken würden ausrichten können. Aber er konnte sich nicht gegen Peter Amiens durchsetzen, der auf dem Weitermarsch nach Anatolien bestand. Am 6. August setzten sie über den Bosporus. Schon bald hatten die Marschierenden Feindberührung, doch die Kämpfe führten nur dazu, dass das Volksheer am 21. Oktober 1096 bei Xerigordon vollständig vernichtet wurde. Peter von Amiens überlebte nur, weil er in Konstantinopel geblieben war.

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Der Erste Kreuzzug (1096-1099)

Nach monatelangen Vorbereitungen brachen die Truppen der Fürsten und Ritter am 15. August 1096 in Richtung Osten auf. Der Rest des Jahres verging unter strapaziösen Märschen, sodass die Marschkolonnen um Weihnachten 1096 in Konstantinopel, dem Sammelpunkt der Heere, eintrafen. Die Ankunft der ritterlichen Kontingente war nach den Schwierigkeiten mit dem Volksheer von Seiten der Byzantiner nicht ohne Sorge zu sehen. Alexios I. versuchte sich die Heere zu sichern, indem er deren Führer zwang, ihm den Lehnseid zu leisten. So sollten sie sich verpflichten, alle ehemals byzantinischen Gebiete, die sie eroberten, an den Kaiser abzutreten. Er hatte Söldner verlangt und stand nun souveränen Fürsten gegenüber, die nicht Kleinasien für ihn zurückerobern wollten, sondern tatsächlich nach Jerusalem marschieren wollten. Unter den Intrigen der Kreuzfahrer und den verzweifelten diplomatischen Bemühungen Alexios I. um die Leistung des Lehnseids durch die Kreuzfahrerfürsten verzögerte sich der Aufbruch der Heere bis in den April 1097.

Ziel des Marsches war Nikaia (h. Iznik), das am 19. Juni 1097 erobert wurde und so wieder in byzantinische Hand kam. Hier feierte alledings auch die byzantinische Diplomatie einen Sieg, denn nachdem die Kreuzfahrer unter schweren Kämpfen die Stadt eingeschlossen hatten, verhandelten die Byzantiner heimlich mit den Seldschuken, die ihnen die Stadt übergaben. Die Kreuzfahrer gingen leer aus, wenn auch Alexios I. großzügige Geschenke verteilte, doch in der Stadt festsetzen konnten sie sich nicht.
Die folgenden vier Monate verbrachten die Kreuzfahrer auf dem Marsch durch Anatolien. Als die Seldschuken das Kreuzheer bei Dorylaion (nahe Eskisehir) aufhalten wollten, konnten sich die Christen in einer gewaltigen Schlacht aus der ihnen gestellten Falle befreien. Der Weg nach Ikonium (h. Konya) war frei, doch musste das Heer durch die wasserlose Weite des anatolischen Hochlandes ziehen. Hier starben wahrscheinlich mehr Kreuzfahrer und Pilger an Hunger und Durst als durch die ständigen Kämpfe mit seldschukischen Streifscharen.

Durch diese Lage zu Umwegen gezwungen, trafen die Kreuzfahrer erst Ende September in Caesarea (h. Kayseri) ein. Und erst am 21. Oktober 1097 stand das Heer endlich vor Antiochia am Orontes (h. Antakya), einer der bedeutendsten Städte der Antike. Im Jahr 1085 hatte Sultan Malik Schah I. (Slt. 1072-1092) die Stadt erobert. Die Belagerung der großen, schwer befestigten und entschlossen verteidigten Stadt zog sich hin. Unter dem Druck der herannahenden Entsatzarmee, die der Atabeg Kerboga von Mosul zusammengebracht hatte, sahen sich die Kreuzfahrer schließlich zum Handeln gezwungen. Ein Verräter ließ den Normannenfürsten Boemund von Tarent und seine Männer in die Stadt ein, die am 3. Juni 1098 von den Kreuzfahrern erobert wurde. Doch kaum in der Stadt, wurden sie von den Truppen Kerbogas eingeschlossen. Noch kurz bevor die Belagerer, mussten die Kreuzfahrer nun selbst die Härten einer Belagerung durchstehen. Die einzige Rettung war schließlich ein Ausfall in höchster Not. Und das Unglaubliche gelang: am 26. Juni 1098 stürmten die Kreuzfahrer aus den Toren der Stadt und zerstreuten in einem verzweifelten Ansturm das Heer der Seldschuken. Der Kreuzzug war gerettet. Doch in Folge der erlittenen Belagerung brach im Heer eine Seuche aus, wahrscheinlich Typhus. Von den prüminenten Führern des Kreuzzuges starb Bischof Adhemar von Le Puy am 1. August 1098. Von nun an fehlte es dem Heer an einem geistlichen Führer von Format. Verschiedene Streitigkeiten unter den verbliebenen Kreuzzugsführern - vor allem über die Frage nach der Herrschaft in der Stadt - verzögerten den Abmarsch. Am Ende blieb Antiochia unter der Herrschaft Boemunds von Tarent, der die Stadt zu einem fränkischen Fürstentum machte. Das Heer der Kreuzfahrer zog am 13. Januar 1099 unter der Führung von Graf Raimund IV. weiter in Richtung Süden.

*****

Um Auseinandersetzungen mit den muslimischen Fürsten zu vermeiden, ließen die Kreuzfahrer auf ihrem Weitermarsch zahlreiche Städte und Burgen unerobert. Über Beirut, Sidon, Tyrus, Akkon, Haifa und Jaffa zog das Kreuzheer voran. Am 6. Juni 1099 wurde Bethlehem erreicht und am 7. Juni 1099 erblickten die Ritter und Pilger zum ersten Mal im Glanz der Morgensonne die Mauern und Kuppeln Jerusalems. Die Opfer waren maßlos gewesen, viele waren auf dem Zug gefallen, waren verhungert, verdurstet und erfroren, aber zahllose andere hatten grausame Verbrechen begangen, hatten sich bereichert und Eide gebrochen. Dieses Heer aus frommen Pilgern und Strauchdieben, Fürsten und Söldnern, machte sich nun daran, die heiligste Stadt der Christenheit zu belagern.
Die einzelnen Abteilungen des Christenheeres begaben sich in die für einen Generalangriff günstigsten Ausgangspositionen. Ein Teil des Heers, geführt von Herzog Gottfried von Bouillon, lagerte sich nördlich der Stadt. Graf Raimund von Toulouse und seine provencalischen Truppen lagerten sich erst im Westen, dann im Süden. Diese Aufteilung zeigt auch die Konkurrenz zwischen den beiden Fürsten. Jeder von ihnen träumte davon, in dieser Stadt herrschen zu können. Schon am 13. Juni 1099 versuchten sie einen ersten Sturm auf die Mauern der Stadt, doch wurde dieser abgewehrt. Erst nach einer fünfwöchigen Belagerung und dem Bau dreier Belagerungstürme begann in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 1099 ein erneuter Generalangriff auf die Stadt. Es gelang, eine Bresche in die Nordmauer zu schlagen, doch gelang es nicht, durch diese einzudringen. Und so war erst drei Tage später die Möglichkeit gegeben, die Stadt in die Hand zu bekommen.

Am frühen Morgen des 15. Juli 1099 eröffneten die Kreuzfahrer von Norden und Süden her den Angriff. Leitern wurden an die Mauern gelegt, Katapulte schleuderten Steine und Brandsätze in die Stadt. Doch die Belagerten wehrten sich mit allen Mitteln. Vierzehn Katapulte beschossen die Belagerungstürme und Kriegsmaschinen der Christen. Allein neun davon nahmen den Belagerungsturm von Graf Raimund unter Beschuss, die fünf anderen konzentrierten sich im Norden geegn Herzog Gottfrieds Turm. Dort kam es beinahe zur Katastrophe: ein besonders gut gezielter Schuß tötete einen Gefährten des Herzogs und dieser selbst konnte sich nur mit höchster Not retten. Während aber Hzg.  Gottfried eigenhändig seinen Turm wieder instandsetzte, gelang es den Muslimen, Graf Raimunds Turm so schwer zu beschädigen, daß er von der Mauer abgezogen werden mußte.

Im Norden der Stadt rückte der Turm dagegen immer näher an die Mauer. Alle Bemühungen, diesen in Brand zu setzen, schlugen fehl, sodass schließlich gegen Mittag der Brückenschlag in der Nähe des heutigen Herodestores gelang. Im Schutz des Qualms eines brennenden Turms der Stadtbefestigung schoben die Ritter Hzg. Gottfrieds lange Balken hinüber zur Mauerkrone. Dann stürmten als erste die flämischen Ritter Engelbert und Letold von Tournai hinüber. Vom Rauch bedrängt waren die muslimischen Verteidiger von der Mauer geflohen. Die Katapulte nutzten nichts mehr, die Steine flogen über den Belagerungsturm hinweg. Nun setzten durch das geöffnete Damaskustor und die Mauerbresche die übrigen Kreuzfahrer nach. Ungezählte Massen von Kämpfern und Pilgern strömten in die Heilige Stadt. Graf Raimund hatte den Angriff im Süden aufgegeben. Er verhandelte mit den letzten Resten der fatimidischen Garnison in der Zitadelle neben dem Jaffator. Unter Zusicherung ihrer eigenen Sicherheit ließen die Muslime die Provencalen in die Stadt ein. Der Graf besetzte die Zitadelle.

Die durch die Mauerbresche eingedrungene vieltausendköpfige Menge stürmte zum Tempelplatz. Dort hob ein unsagbares Gemetzel an, wobei rücksichtslos alle Muslime getötet wurden. Die Chronisten schilderten später mit Entsetzen das Vorgehen der Christen. 

Erst zum Abend hin beruhigte sich der Schlachtenlärm. Die Fürsten begaben sich in einer Prozession zur Grabeskirche, begleitet von Psalmen singenden Pilgern. Die überlebenden Christen der Stadt geleiteten sie zum Grab Christi. Nach diesem Tag das Mordens und Plünderns sangen die Sieger die Auferstehungsmesse. Das Gewissen regte sich erst später, und es waren die Mahner in Europa, die einen solchen Kampf an heiliger Stätte mißbilligten.

Um den Erfolg zu sichern wählte man am Ende der Kämpfe Gottfried von Bouillon zum ersten König von Jerusalem - doch er trug den Titel nicht, sondern regierte als Advocatus Sancti Sepulchri. Eine letzte Schlacht bei Askalon gegen den ägyptischen Wesir al-Afdal (Ws. 1094-1121) ging am 21. August 1099 zu Gunsten der Kreuzfahrer aus. Sie hatten ihre Eroberung gesichert.

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Konsolidierung (1099-1100)

Was nach der Schlacht von Askalon nicht gelang, war die Besetzung der Stadt. Dies hatte seinen Grund in den andauernden Zwist zwischen Herzog Gottfried und Graf Raimund IV. von Toulouse. Die Stadt wollte sich nur dem Provencalen ergeben, was der Lothringer ablehnte, auch als Arsuf unter denselben Bedingungen kapitulieren wollte, wurde dies Raimund verweigert. Da aber Herzog Gottfried gleichzeitig über zu wenige Truppen verfügte, war eine Eroberung Askalons nicht möglich. Nun zogen aber auch Herzog Robert von der Normandie und Graf Robert von Flandern ab, sie wollten mit ihren Truppen in die Heimat zurück. Mit ihnen ging Graf Raimund, der nach Syrien wollte. Herzog Gottfried herrschte über ein kleines Gebiet: Jerusalem, Jaffa, Lydda, Ramla, Bethlehem und Hebron (St. Abraham). Die ländlichen Gebiete waren noch nicht unter Kontrolle der Christen, die dort lebenden Muslime fanden sich nicht so bald mit der christlichen Herrschaft ab. So nahm es einige Zeit in Anspruch, bis Herzog Gottfried Samaria und Judäa unter seine Kontrolle bringen konnte. An Truppen standen dem Advocatus Sancti Sepulchri lediglich 300 Ritter und 2000 Fußsoldaten zur Verfügung.
Von den übrigen Kreuzzugsführern war allein der Normanne Tankred in Jerusalem geblieben. Er machte sich alsbald nach Galiäa auf, um hier nicht nur für sich eine Herrschaft zu erobern, sondern damit auch das Reich von Jerusalem abzusichern. Begleitet wurde er nur von 24 Rittern und einer Truppe Fußvolk. Aber auch diese kleine Streitmacht genügte, denn Galiläa hatte in dieser Zeit keinen Herrn. Die Fatimiden konnten seit der Schlacht von Askalon ihre Ansprüche nicht mehr durchsetzen, während Duqaq von Damaskus wegen familärer Schwierigkeiten sich nicht um eine Besetzung des Gebiets kümmern konnte. So war es ein leichtes für Tankred, sich zunächst in Tiberias festzusetzen, das von den Muslimen verlassen wurde, dessen Christen die Kreuzfahrer aber willkommen hießen, während die dort ansässigen Juden mißtrauisch blieben. Tiberias wurde befestigt, dann zog Tankred wieder aus und sicherte sich das christliche Nazareth, den Berg Tabor und besetzte schließlich Beisan (h. Bet Sche'an), das ebenfalls befestigt wurde. Die Muslime flohen aus der neuen christlichen Herrschaft, während sich Tankred durch überfallartige Angriffe auf die umliegenden muslimischen Gebiete Respekt verschaffte. Seine Herrschaft nahm er im Jahr 1100 von König Balduin I. zu Lehen und ließ sich von Patriarch Daimbert als "Fürst von Galiläa" bestätigen. Die Eroberung von Haifa und der Terre de Suète rundeten das Gebiet ab.

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Der Kreuzzug von 1101

Der große Erfolg, aber auch die Bitten um Ersatz für die heimkehrenden Kreuzfahrer, führte zu einem weiteren Heerzug in den Nahen Osten.

Nach dem Eintreffen der Erfolgsmeldung von der Eroberung Jerusalems klang die Begeisterung für den Kreuzzug nicht ab. Die Kreuzprediger richteten ihre Aufrufe nun an die, die ihre geleisteten Gelübde noch nicht erfüllt hatten, erreichten aber auch viele, nun erstmals das Kreuz zu  nehmen. So entschloß sich Stephan von Blois, der von Antiochia aus umgekehrt war, nun doch wieder ins Hl. Land zu ziehen. Ebenso machte sich Hugo von Vermandois zum Abmarsch bereit. Weitere französische Herren waren Graf Wilhelm II. von Nevers und Auxerre, Herzog Otto von Burgund und Graf Stephan von Burgund. Herzog Wilhelm IX. von Aquitanien nahm ebenso das Kreuz. Auch Kirchenfürsten sollten diesen neuen Aufbruch mitmachen, so wurde der Erzbischof von Besancon, sowie die Bischöfe von Paris, Laon und Soissons zur Teilnahme aufgerufen. Aber nicht nur französische Fürsten brachen auf, auch in der Lombardei sammelte Erzbischof Anselm von Mailand ein Heer. Ebenso standen die deutschen Fürsten nicht zurück. Herzog Welf IV. von Bayern machte sich auf den Weg. Dem Heer schlossen sich auch die Markgräfin Ida von Österreich, die Witwe Luitpolds II., Erzbischof Thiemo von Salzburg, Bischof Ulrich von Passau und der Abt von Admont  an. Diesem Zug folgte auch der Chronist Ekkehard von Aura.

Im Frühjahr 1101 trafen die Lombarden in Konstantinopel ein, die schon im Herbst 1100 aufgebrochen waren. Erst während der Sommers trafen auch die anderen Kontingente in der Stadt am Bosporus ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die Lombarden längst auf dem Marsch. In Nikomedia vereinigten sie sich dort mit Stephan von Blois und den Burgundern. Von Latakia her kommend, stieß auch Raimund von Toulouse zu ihnen. Die Lombarden waren fest entschlossen, in den Norden Anatoliens vorzustossen, um Boemund von Antiochia, der in Neocaesarea in Pontos gefangen gehalten wurde, zu befreien. Von diesem Plan rieten die Franzosen ab, doch konnten sie sich nicht durchsetzen. Am Ende eines schweren Marsches traf das Heer östlich des Halys bei Merzifon auf die vereinten Heere des Seldschukensultans Qilidsch Arslan, der Danischmendiden und Ridwans von Aleppo. Mitte Juli 1101 kam es zu einer mehrtägigen Schlacht, in der die Kreuzfahrer unterlagen. Mit geringen Resten der Truppen retteten sich Raimund von Toulouse, Stephan von Blois, Graf Stephan von Burgund sowie der Erzbischof von Mailand nach Konstantinopel.

Das Heer von Wilhelm von Nevers war zunächst nach Norden marschiert, hatte sich dann bei Ankara nach Süden gewandt und war bei Heraclea vernichtet worden. Wilhelm entkam nach Antiochia.

Auch auf die deutschen Kreuzfahrer wartete das Schicksal bei Heraclea. Sie waren der Marschroute des Ersten Kreuzzuges gefolgt, gerieten aber im September 1101 bei Heraclea in einen Hinterhalt der Türken. Das Heer wurde völlig vernichtet. Ida von Österreich und Thiemo von Salzburg wurden getötet oder gefangen verschleppt - sie verschwanden spurlos.

Antiochia wurde zum Fluchtpunkt der Reste dieser Heere, wohin auch die nach Konstantinopel Geflohenen kamen. Gemeinsam zog man nun nach Jerusalem, um die Gelübde zu erfüllen. Der Kreuzzug war schmählich gescheitert.

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Die Kreuzfahrerstaaten (1099 - 1146)

[in Bearbeitung]

Neben der Begründung des Königreichs Jerusalem war es in Verlauf des Ersten Kreuzzugs noch zu weiteren christlichen Staatsgründungen gekommen. Tankred, der Neffe Boemunds von Tarent, hatte Tarsus erobert, das aber Balduin von Boulogne, der Bruder Gottfrieds von Bouillon, für sich beanspruchte. Schließlich wandte sich Balduin nach Edessa, das er durch sein geschicktes Taktieren mit Toros, dem Herrn der Stadt, schnell für sich gewinnen konnte. Er hatte die Herrschaft am 10. März 1098 übernommen.

Antiochia war in der Hand Boemunds von Tarent geblieben, was ihm am 5. November 1098 durch den Fürstenrat bestätigt worden war. Doch als Bohemund im Jahr 1100 von dem Danischmendiden-Emir Danischmed Ghazi gefangen genommen und als Geisel ins Innere Anatoliens verschleppt wurde, trat Tankred, nunmehr Fürst von Galiäa, die Regentschaft in Antiochia an. Dabei verfolgte er eine expansive Politik. Noch im Jahr 1101 eroberte er Kilikien, um sich dann gegen Laodikaia (h. Latakia) zu wenden. Die Stadt sollte allerdings erst 1103 fallen.

Für die neu begründeten christlichen Staaten bestand allerdings eine strategisch ungünstige Situation. Die Grafschaft Edessa einerseits und das Fürstentum Antiochia grenzten direkt aneinander, dagegen war das Königreich Jerusalem durch einen breiten Gebietsstreifen abgetrennt. Diese Lücke war noch immer im uneingeschränkten Besitz der einheimischen Emire, die das Heer des ersten Kreuzzugs bereitwillig hatten durchmarschieren lassen. So lag an der Mittelmeerküste das Emirat der Banu Ammar von Tripolis, beherrscht von dem Qadi Fakhr el-Mulk Ab Ali. Mit nur einem kleinen Heer, aber gestützt auf seine stark befestigte Hauptstadt Tripolis und eine geschickte Diplomatie gegenüber seinen islamischen - und neuerdings auch christlichen - Nachbarn, konnte der Qadi seine Unabhängigkeit bisher bewahren. Doch die durch das Emirat führenden Verbindungswege waren von nicht geringer Bedeutung für die Franken. Und Graf Raimund von Toulouse wollte die Macht in diesem strategisch so bedeutsamen Gebiet für sich. Wenn schon die Emire von dieser Lage profitiert hatten, so muß es dem provencalischen Grafen nur naheliegend erschienen sein, dass ihm nach einer Machtübernahme in diesem Gebiet eine wichtige Stimme im Chor der Kreuzfahrerfürsten zufallen würde. So würde er die einflußreiche Stellung erlangen, die er seit dem Beginn des Kreuzzuges für sich erstrebte. War es ihm nicht gelungen, die Krone Jerusalems zu erlangen, so würde er nun das Zünglein an der Waage sein, zum Garanten eines ungehinderten Verkehrs zwischen den syrischen Kreuzfahrerbesitzungen im Norden und dem Königreich Jerusalem werden. Keiner der anderen Fürsten würde ihn mehr ignorieren können, sein Wort würde Gewicht haben. Bisher hatte keiner der anderen Fürsten Ambitionen gezeigt, sich des Gebietes zu bemächtigen. Allein Tankred hatte Graf Raimud den Eid abgepresst, keine Eroberungen hier zu machen. Dies bedeutete aber allem Anschein nach nicht, dass Tankred selbst hier Expansionsgelüste hatte. Die Normannen hatten keine Interessen im Süden. Vielmehr ging es ihm wohl darum, den Rücken frei zu haben, während er seine Ambitionen nach Norden, gegen das Byzantinische Reich, richtete. Doch ähnlich war die Lage in Edessa, das Balduin von Boulogne an Balduin von LeBourcq übergeben hatte, als er nach Jerusalem ging, um dort König zu werden. Noch waren die Kräfte nicht bereit, sich gegen Süden zu wenden.
Graf Raimund muß sich bewußt gewesen sein, dass seine selbstgewählte Aufgabe weitreichend war. Nicht allein Tripolis konnte das Ziel sein, sondern er würde noch weiter ausgreifen müssen, um auch die das Tal des Orontes hinaufführende Straße unter seine Kontrolle zu bringen. Hier aber lag Schaizar, beherrscht von den Munqidhiten, Hama, das Ridwan von Aleppo untertan war und Homs, beherrscht von Ridwans Schwiegervater Dschanah ad-Daulah. Doch hier die Oberhand zu gewinnen, schob der Provencale offensichtlich in die Zukunft. Geplant war aber die Errichtung eines Fürstentums, das von der Küste des Mittelmeeres bis zum Orontes reichte. Homs, von den Franken "La Chamelle" genannt, sollte die Hauptstadt sein.
Kaum aus Tankreds Haft entlassen, setzte sich Graf Raimund Ende 1101 von Antiochia aus nach Süden in Marsch. Mit ihm zogen die Überlebenden des gescheiterten Kreuzzuges dieses Jahres, Stephan de Blois, Wilhelm von Aquitanien und Welf von Bayern mit ihren  verbliebenen Truppen. Nachdem in Laodikaia Graf Raimunds Frau Elvira mit seinen Truppen dazugestoßen war, ging der Marsch weiter nach Tortosa (auch Tartosa; h. Tartus), das Mitte Februar 1102 erreicht wurde. Die Stadt leistete den Kreuzfahrern keinen Widerstand, so dass sie friedlich besetzt wurde. Im Rat der Fürsten war schnell Einigkeit erzielt, dass Graf Raimund die Stadt ohne Widerspruch in Besitz nehmen konnte. Als aber deutlich wurde, dass der Provencale nicht beabsichtigte, mit den anderen nach Jerusalem weiter zu ziehen, schieden sie im Zorn.
Qadi Fakhr el-Mulk erkannte den Ernst der Lage und warnte die Emire von Homs und Duqaq von Damaskus. Dieser Franke würde nun nicht mehr einer gewieften Diplomatie unterliegen, dieser Aufmarsch bedeutete Kampf. Dabei standen die Chancen für eine erfolgreiche Abwehr gut, immerhin standen Graf Raimund nur 300 Mann an Kampftruppen zur Verfügung. Dagegen rückten aus Damaskus 2000 Mann heran, von Homs noch einmal so viele, wie auch die Banu Ammar 2000 Mann kampfbereit machten. Eine Streitmacht von 6000 Mann sollte den Erfolg garantieren. Doch es siegte der zu allem entschlossen Graf aus der fernen Provence.
Als der Angriff der Truppen von Homs gegen nur 100 Provencalen fehlschlug, brach unter den Angreifern Panik aus, die Damaszener mitreißend. Nachdem diese beiden an sich gewaltigen Heerhaufen so leicht vertrieben waren, ließ Graf Raimund seine kleine Truppe gegen die Banu Ammar schwenken. Und auch sie, die zunächst im Vorteil gewesen waren, wurden geschlagen und wandten sich zur Flucht. Die fränksiche Reiterei machte sich an die Verfolgung und hieb nieder, wen sie erreichte. An diesem Tag, so heißt es bei Ibn al-Athir, seien 7000 Muslime getötet worden. [Ibn al-Athir X, 236/237]
Tortosa gehörte nun dem Provencalen, der aber mit seinen geringen Kräften nicht gegen das stark befestigte Tripolis vorgehen konnte. So richtete sich sein erstes Bemühen dahin, Tripolis vom Umland abzuschneiden. Dazu wollte er im Jahr 1103 die Buqaia-Ebene zwischen den Nosairi-Bergen und dem Libanon erobern und dann zum Orontes marschieren. Doch es gelang den Provencalen nicht, die Festung Tuban zu erobern und auch der Angriff auf die gewaltige Festung Qalat el-Hosn wurde von der Besatzung abgewiesen. Selbst als Dschanah ad-Daulah in Homs ermordet wurde, konnte Graf Raimund die daraus resultierende Lage nicht zu seinen Gunsten ausnutzen und zog sich nach Tortosa zurück.
Ein erster Erfolg stellte sich ein, als der Graf gemeinsam mit 40 Schiffen aus Genua den Kampf wieder aufnahm. Tripolis blieb weiterhin standhaft, doch gelang es, den Hafen Dschebail (gen. Gibelet, das antike Byblos) zu besetzen und zu halten. Für Genua mit einem beträchtlichen Gewinn verbunden: ein Drittel der Stadt ging an die Kaufmannsrepublik. Und nun machte sich Graf Raimund an ein gewaltiges Werk. Fünf Kilometer landeinwärts ließ er angesichts von Tripolis eine gewaltige Burg errichten; der Unterstützung durch die Byzantiner war es zu verdanken, dass das Werk innerhalb kürzester Zeit vollendet wurde. Den "Mons Peregrinus", den Pilgerberg, machte der Graf nun zu seinem Sitz. Völlig überzeugt von seinem kommenden Erfolg bezeichnete sich der Provencale schon im Jahr 1103 in einer Urkunde als "Graf von Tripolis", doch sollte er den Fall der Stadt nicht mehr erleben.

Im Jahr 1103 kam Bohemund von Tarent endlich wieder aus der Geiselhaft frei, auf Betreiben Balduins von Le Bourcq und Dank der Großzügigkeit des armenischen Fürsten Gogh Wasil, der 100.000 Goldstücke zahlte. Tankred fügte sich und übergab Bohemund wieder die Herrschaft über Antiochia, suchte sein Lehen Tiberias allerdings nicht wieder auf. Bohemund wurde sofort aktiv und bereitete unverzüglich eine Offensive gegen Ridwan von Aleppo vor. Geplant war, die 20 km südöstlich von Edessa gelegene Festung Harran zu erobern, die 1032 von den Fatimiden errichtet worden war. Strategisch war dieses Vorhaben vielversprechend. Der Besitz Harrans bedeutete die Unterbrechung der Verbindungswege zwischen den seldschukischen Herrschaften in Anatolien, dem Irak und Syrien, darüber hinaus wären auch Aleppo und Damaskus von ihren nördlich herrschenden Glaubensbrüdern abgeschnitten. Die Chancen für einen Erfolg der Franken stand anfangs gut, die Rivalitäten zwischen den islamischen Herrschern kamen ihnen entgegen. So war Damaskus nicht bereit, einer Koalition gegen die Franken beizutreten, da die christlichen Herrschaften willkommene Pufferstaaten gegen Aleppo und Mosul bildeten.

[in Bearbeitung]

Nachdem im Jahr 1104 zunächst seldschukische Truppen in das Grenzgebiet der Grafschaft Edessa eingefallen waren, rief Graf Balduin II. von Edessa Fürst Bohemund I. von Antiochia und Tankred von Tiberias zu Hilfe. Gemeinsam marschierten Bohemund und Tankred nach Edessa, vereinigten sich hier mit Graf Balduin II. und Joscelin von Courtenay und marschierten gemeinsam nach Harran. Die Stadt ergab sich alsbald den Kreuzfahrern. Doch nun brach zwischen Bohemund und Balduin Streit über den Besitz der Eroberung aus. Inzwischen waren die Seldschuken unter Dschekermisch von Mossul und Soqman von Mardin herangerückt. Ein Teil dieses Heeres versorgte die hungerleidende einheimische Bevölkerung der Stadt mit Lebensmitteln, die andere machte sich daran, die zerstrittenen Kreuzfahrer zum Kampf hervorzulocken.

Die Kreuzfahrer nahmen die Schlacht am 7. Mai 1104 an. Den linken Flügel des Kreuzfahrerheeres bildeten die edessenischen Truppen geführt von Graf Balduin und Joscelin von Courtenay, Bohemund von Antiochia und Tankred von Tiberias stellten ihre Leute auf dem rechten Flügel auf. Die Truppen der Grafschaft Edessa eröffneten den Kampf, konnten sich aber gegen die Seldschuken nicht behaupten. Graf Balduin und Joscelin gerieten in Gefangenschaft, ihr Heer wurde vernichtet. Dagegen setzten sich die Truppen Bohemunds ohne große Verluste nach Edessa ab. Ohne an die Zahlung eines Lösegeldes für den gefangenen Grafen von Edessa zu denken, setzte Bohemund kurzerhand Tankred von Tiberias als Regenten von Edessa ein.

Die Folgen dieser Niederlage waren beträchtlich. So nutzte Byzanz die Lage aus und besetzte Latakia und Teile Kilikiens, während wieder Ansprüche auf Antiochia erhoben wurden. Auch wurden Teile des antiochenischen Gebiets von Truppen aus Aleppo erobert und besetzt, während sich einzelne armenische Gebiete freiwillig Byzanz und auch Kleinarmenien unterstellten. 

*****

So war inmitten des muslimischen Machtbereichs eine christliche Enklave entstanden, die in den nächsten fast 300 Jahren die Politik des Nahen Ostens bestimmen sollte.

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Das Königreich Jerusalem (1099 - 1187)

Die Könige und Königinnen von Jerusalem

Reg.-Zeit
König(in)/Regent(in)
Herkunft
Ereignisse
1099 - 1100 Gottfried v. Bouillon regierte als Advocatus Sancti Sepluchri 1099 Eroberung Jerusalems
1100 - 1118 Balduin I. v. Boulogne Br. von Gottfried v. Bouillon.
1100 25.07. Eroberung von Haifa
1101 Eroberung von Arsuf und Caesarea
1104 6.05.-25.05. Belagerung und Eroberung von Akkon
1109 12.07. Eroberung von Tripolis
1110 Eroberung von Beirut und Sidon
1118 - 1131
Balduin II. v. Le Bourq
Vetter von Balduin I. 1118 Errichtung der Herrschaft Dera
1119 27./28 Juni "Blutfeld" - die Kreufahrer werden bei Sarmada vernichtend geschlagen / Gründung des Templerordens
1124 Eroberung von Tyrus
1131 - 1143 Melisendis Tochter v. Balduin II. und Morphias v. Melitene
1131-1143
& Fulko v. Anjou
Gf. von Anjou, Tours und Maine

1143 - 1162 Balduin III. Sohn v. Melisendis und Fulko v. Anjou, bis 1152 unter Regentschaft seiner Mutter 1144 Verlust von Edessa
1147-49 II. Kreuzzug
1153 Eroberung von Askalon
1162 - 1174 Amalrich I. Br. von Balduin III.
1174 - 1185 Balduin IV. Sohn von Amalrich I. und Agnes v. Edessa 1183 20.11. Saladin belagert Kerak, Balduin IV. entsetzt die Burg
1185 - 1186 Balduin V. Neffe Balduins IV.
1186 - 1190 Sybille Schwester Balduins IV. 1186 Verlust Jerusalems
1187-1192 III. Kreuzzug
1186-1190
& Guido v. Lusignan  Sohn des Kreuzfahrers Hugo VIII. v. Lusignan

1190 - 1192 Guido v. Lusignan gegen den Anspruch K. v. Montferrat aus dessen Ehe mit Isabella I.
1192 - 1205 Isabella I. Tochter von Amalrich I. und Maria Komnena 1198-1204 IV. Kreuzzug
1192
& Konrad I. v. Montferrat  Mkgf. v. Montferrat und Herr von Tyrus.

1192-1197
& Heinrich I. v. Champagne H. II. Gf. v. Champagne
1197 Kreuzzug Heinrichs VI.
1197-1205
& Amalrich II. v. Lusignan Sohn des Kreuzfahrers Hugo VIII. v. Lusignan; Kg. v. Zypern (A. I.) 1194-1205

1205 - 1212 Maria v. Montferrat Tochter von Isabella I. und K. v. Montferrat
1210-1212
& Johann I. v. Brienne Sohn des Gf.n Èrard II. v. Brienne, sollte als jüngster Sohn die geistliche Laufbahn einschlagen, nahm am IV. Kreuzzug teil

1212 - 1228 Isabella II. v. Brienne Tochter von Maria v. Montferrat und Joh. v. Brienne 1212 Kinderkreuzzüge
1217-1221 V. Kreuzzug
1225-1228
& Ks. Friedrich II.  aus dem Geschlecht der Staufer, seit 1220 Kaiser des HRR

1228 - 1254 Konrad II. (von 1228 bis 1242 amtierte Friedrich II. als Regent) Sohn von Isabella II. und Friedrich II., war nie im Hl. Land; als er 1242 volljährig wurde, weigerte er sich ins Hl. Land zu kommen. 1228-1229 VI. Kreuzzug
1239-1241 Krzzg. d. Barone
1244  Verlust Jerusalems
          Schlacht bei La Forbie
1248-1254 VII. Kreuzzug
1242-1246
Alice de Champagne
& Raoul de Soissons
Tochter von Isabella I. v. Jerusalem; wurde Regentin, als Konrad II. nicht bereit war, ins Hl. Land zu kommen.

1246-1254
Heinrich I. v. Zypern
folgte seiner Mutter Alice de Champagne als Regent von Jerusalem

1254 - 1268 Konrad III. (Konradin) Sohn von Konrad II. und Elisabeth v. Wittelsbach, war nie im Hl. Land; 1268 in Neapel hingerichtet
1260 03.09. Schlacht bei Ain Dschalut, die Mamluken siegen über die Mongolen
1269-1284  Hugo I. (H. III. v. Zypern) nach Konradins Hinrichtung wurde Hugo III. v. Zypern von der Haute Cour als Kg. v. Jerusalem anerkannt. Karl v. Anjou, der den Anspruch auf die Krone Jerusalems von Maria v. Antiochia gekauft hatte, konnte sich nicht durchsetzen. 1270-1272 VIII. Kreuzzug
1284 - 1285 Johann II. (J. I. v. Zypern) Sohn von Hugo III. v. Zypern
1285 - 1324 Heinrich II.  Bruder Johanns II. 1291 Eroberung Akkons; Ende des Kgr. Jerusalem


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Der Verlust Edessas (24. Dezember 1144)

Für vierzig Jahre bildete die Grafschaft Edessa einen Pufferstaat zwischen den selschukisch besetzten Gebieten und den neu gebildeten christlichen Staaten in Syrien.

Der Atabeg Imad ed-Din Zengi hatte sich zum Herrscher von Aleppo und Mosul gemacht und bedrohte schließlich auch die Grafschaft Edessa. Graf Joscelin II. nahm diese Bedrohung allerdings nicht wirklich wahr, so sehr war er in die Händel mit dem christliche Tripolis verstrickt. Als Zengi gegen Edessa losschlug, konnte Joscelin nicht auf die Hilfe Raimunds II., des Grafen von Tripolis, hoffen. Als das muslimische Heer aufmarschierte, war Graf Joscelin nicht in der Stadt. Vier Wochen belagerte Zengi Edessa, dann fiel die Stadt am 24. Dezember 1144. Geschont wurden nur die einheimischen Christen, Armenier, Jakobiten und Griechen, die Franken wurden allesamt getötet.  Nach zwei Jahren machte Joscelin II. einen Versuch, seine Hauptstadt zurück zu erobern, der von Nur ed-Din zurückgeschlagen wurde. Dieser erfolglose Feldzug hatte nur zur Folge, dass es an der Bevölkerung der Stadt zu einem barbarischen Strafgericht kam. Wer nicht getötet wurde, kam in die Sklaverei. Die Stadt verfiel und verlor ihre Bedeutung.
Durch den Verlust der Hauptstadt war auch das Schicksal der restlichen Grafschaft besiegelt. Joscelin II. blieben nur die Gebiete um Turbessel westlich des Euphrat. Seine Herrschaft endete, als er im Jahr 1149 von Nur ad-Din gefangengenommen und bis zu seinem Tode 1159 in Haft gehalten wurde. Joscelins Frau verkaufte in dieser Situation die Reste der Grafschaft an Kaiser Manuel I. Komnenos, konnte aber die ihr überlassenen Festungen nicht gegen Nur ad-Din und den Sultan der Rumseldschuken halten. Im Jahr 1151 fand die Grafschaft Edessa so ihr Ende.
Der erste Kreuzfahrerstaat war auch als erster zugrunde gegangen. Auch hier zeigt sich schon das Problem, das die Staatenbildungen der Franken in Syrien durch ihre gesamte Geschichte begleiten sollte: die Uneinigkeit der christlichen Fürsten. Selbstsüchtig auf die eigene Macht bedacht, übersahen sie wiederholt, dass nur ein gemeinsames, abgestimmtes Vorgehen gegen die ringsum stehenden Feinde ihren Besitzungen zu Dauerhaftigkeit verholfen hätte.


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Der Zweite Kreuzzug (1147-1149)

Das Scheitern des Kreuzzuges von 1101 ist zweifellos mit einem nachlassenden Interesse an solchen Unternehmen zu erklären. Allein der Nachzug für den schon erfolgreichen ersten Kreuzzug veranlasste offensichtlich niemanden, das Kreuzfahrergelübde zu leisten. Ein wirklicher Kreuzzug kam nicht mehr zustande, bis die Grafschaft Edessa erobert wurde. Imad ad-Din Zengi, der Herr­scher von Mosul und Aleppo eroberte die Stadt am 24. Dezember 1144, alle Gebiete der Grafschaft bis zum Orontes waren verloren. Er hatte die unklare Lage in Nordsyrien nach dem Tod von Kaiser Johannes II. Komnenos (Bas. 1118-1143) ausgenutzt, um sich der Grafschaft Edessa zu bemächtigen.
Papst Eugen III. (PM 1145-1153) wurden die Klagen über den Verlust Edessas vorgetragen und er sah sich zum Handeln veran­lasst. Mit der am 1. Dezember 1145 erlassenen Bulle „Quantum praedecessores“ - der ersten Kreuzzugsbulle – warb er für einen neuen Kreuzzug. Doch im französischen Adel, den der Papst in erster Linie angesprochen hatte, fand der Aufruf keinen Wider­hall. Erst Bernhard von Clairvaux gelang es mit seinen Predigten, dem Aufruf Nachdruck zu verleihen. Der Papst hatte ihm die alleinige Kreuzzugspredigt nördlich der Alpen übertagen. Zu seinen Predigten strömten die Menschen zusammen, die Kampfes­willigen sammelten sich. Auch der deutsche König Konrad III. (Kg. 1138-1152) konnte im Dezember 1146 für diesen Kreuzzug ge­wonnen werden.
Der Aufbruch erfolgte in Deutschland im Mai 1147. Nachdem Konstantinopel erreicht war, warteten die Deutschen nicht auf die französischen Kontingente, sondern machten sich nach Edessa auf. Bei Nikaia teilte sich das Heer. Ein Teil unter Führung des Bischofs Otto von Freising zog die Küstenstraße entlang weiter, während König Konrad III. mit den übrigen bis nach Dorylaion kam. Dort wurde das Heer von den Seldschuken vernichtend geschlagen. Auch auf dem regellosen Rückzug zur Küste kam es zu weiteren Verlusten. Von denen, die Nikaia erreichten, kehrten die meisten in die Heimat zurück.
Dem Heer unter Bischof Otto von Freising stellte sich bei Laodikaia ein türki­sches Heer entgegen. Es gelang den Christen zwar unter hohen Verlusten ein Durchbruch, doch wurden sie im Februar 1148 am Orontes aufgerieben. Nur wenige, da­runter der Bischof, der auch als Chronist in die Geschichte eingehen sollte, ent­kamen.
Das französische Kreuzheer unter König Ludwig VII. (Kg. 1137-1180) war Anfang Oktober 1147 in Konstantinopel eingetroffen. Kaiser Manuel I. Komnenos verlangte den Lehenseid. In Nikaia vereinigten sich die Franzosen mit den Resten des deutschen Heeres. Der deutsche König er­krankte allerdings und musste nach Konstantinopel zurück. Auf dem Weitermarsch schei­terte auch dieses deutsch-französische Heer bei Laodikaia an den Türken. Die Reste flohen nach Adalia, von wo aus der französische Kö­nig und die Fürsten zu Schiff nach Antiochia fuhren, die Truppen aber auf dem Landmarsch nach Syrien umkamen. Raimund von Antio­chia bemühte sich nun erfolglos, den französischen König für einen Feldzug gegen Aleppo zu gewinnen. Doch aus Furcht, sei­ne Frau an den Fürsten von Antiochia zu verlieren, marschier­te Ludwig VII. mit seinen Truppen eilig in Richtung Jerusalem.
Mittlerweile war Konrad III. im April 1148 in Akkon wieder zu den Resten des Heeres Ottos von Freising gestoßen. Von dort aus suchte er Jerusalem auf, wo er die Heiligen Stätten besuchte. König Balduin III. von Jerusalem (Kg. 1143-1162) und Königin Meli­sendis (Kgn. 1143-1152) beriefen für den 24. Juni 1148 eine Versammlung der Haute Cour nach Akkon ein, auf der die weiteren Schritte beschlossen wer­den sollten. Hier kam man mit den Kreuzfahrern überein, einen ge­mein­samen Angriff auf Damaskus zu unternehmen, da Edessa wegen der zu großen Entfernung nun nicht mehr erreicht werden konnte. Am 24. Juli 1148 begann die Belagerung von Damaskus. Schon der erste Tag brachte die Damaszener in große Bedrängnis, alles sah nach ei­nem schnellen Sieg der Franken aus. Als aber Verstärkungen in der Stadt eintrafen und verlorene Stellungen wieder besetzt wurden, sahen sich die Kreuzfahrer gezwungen, ihr Lager zu verlegen. Hinzu kamen Intrigen unter den Franken, die paläs­ti­ni­schen Barone wollten einen der ihren als Herren der Stadt, die Kreuzfahrer hatten einen eigenen Kandidaten. Und so schwandt im Streit der Wille zur Eroberung. Da auch der neue Lagerplatz zur Fortsetzung der Angriffe denkbar ungeeignet war, wurde die Belagerung schließlich aufgehoben.
Noch am 8. September 1148 reiste Konrad III. ab, König Ludwig VII. trat den Heimweg Ostern 1149 an. Trotz unvorstellbarer Op­fer hatte man mit diesem Kreuzzug nichts erreicht. Der einzige Erfolg war die Eroberung Lissabons aus den Händen der Mauren durch englische, flämische und friesische Kreuzfahrer im Oktober 1147. Graf Alfonso-Heinrich von Portugal hatte die Kreuzfahrer überzeugt, dass sie auch hier ihrem Kreuzfahrereid gerecht wer­den konnten.

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Die islamische Reaktion

In Nur ad-Din von Aleppo war den Franken ein gewaltiger Feind enstanden. Er besetzte in den Jahren 1147/48 weite Teile der östlich des Orontes liegenden Besitzun­gen des Fürstentums Antiochia. Er krönte diese Kampagne mit seinem Sieg über Raimund von Antiochia am 29. Juni 1149, mit dem er sein Ansehen in der islamischen Welt begründete. Nun sah sich Nur ad-Din in der Pflicht, die Kräfte des Islam zum Ab­wehrkampf gegen die Franken zu einen. Als religiöser Eiferer pro­pagierte er die Idee des Dschihad, des „heiligen Krieges“ gegen die Ungläubigen, zu dessen Nutzen er auch rigoros gegen inne­rislamische Gegner vorging. Mit der Besetzung von Damaskus rundete er die Einigung des islamischen Syrien 1154 ab. Seine Schwungkraft litt allerdings durch eine lange Erkankung.
In Ägypten kam es zum Machtwechsel. Der Wezir Schawar hatte sein Amt mit Hilfe des kurdischen Generals Schirkuh, der in Nur ad-Dins Diensten stand, gerettet, sich dann aber wegen weiterer Unterstützung mit König Amalrich I. von Jerusalem (Kg. 1162-1174) verständigt, dessen Interessen auf Ägypten gerichtet wa­ren. Nun unternahm Nur ad-Din eine Offensive, die die Franken etliche Gebiete kostete und Amalrich zum Rückzug aus der ägyp­tischen Politik bewog. Doch als Schirkuh wieder gegen Schawar zog, kämpfte Amalrich erfolgreich für den Ägypter. Als aber Amal­rich im Einvernehmen mit Kaiser Manuel I. von Byzanz (Bas. 1143-1180) Ägypten erobern wollte, holte Schawar Schirkuh zur Hilfe, den die Franken nicht schlagen konnten. Schirkuh machte sich zum Wezir und öffnete seinem Neffen Saladin den Weg zum Sultanat.
Der ergebnislose Verlauf des Zweiten Kreuzzuges führte zu­nächst dazu, dass im Abendland kein großes Interesse mehr an weiteren solchen Abenteuern bestand. Jahrzehnte vergingen, in denen man den Blick nicht auf das Heilige Land richtete
Dabei waren die Tage des Königreichs Jerusalem gezählt. Als Sultan richtete Saladin (Slt. 1175-1193) sein ganzes politisches und militärisches Stre­ben darauf, die Kreuzfahrerstaaten zu vernichten und Jerusa­lem wie­der für den Islam zu gewinnen. Nachdem er in den Jah­ren 1179 bis 1185 seine islamischen Gegner überwunden hatte, kon­nte er gegen die Franken vorgehen. Im Inneren war das Königreich Jerusalem gefährlich geschwächt. Während der Herrschaft des an Lepra erkrankten Königs Balduin IV. (Kg. 1174-1185) hatten sich am Hof zwei Parteien gebildet, die sich aufs Äußerste bekämpften und deren Intrigen er nicht Herr wurde. Insbesondere ging es dabei um die Nachfolgerege­lung für den kinderlosen König. Nach Balduins IV. eigener Be­stimmung wurde dann sein Neffe als Balduin V. (Kg. 1185-1186) König von Jerusalem, Raimund III. von Tripolis Regent. Nach dem baldigen Tod des Königs wurde die Tochter König Amalrichs I., Sibylle (Kgn. 1186-1190) gekrönt, die ihrerseits ihrem Ehe­mann Guido von Lusignan (Kg. 1186-1190) die Krone aufsetzte.
Mit einem Überfall auf eine Karawane gab schließlich Rainald von Châtillon 1187 Sultan Saladin den Anlass zum Krieg, seine Truppen marschierten ins Königreich Jeru­salem ein. Unter König Guido sammelte sich bei Sephorie sein Heer. Mit 30000 Mann, darunter 1200 Ritter, war es das größte Aufgebot der Kreuzfahrer überhaupt. Auf den Rat des Templermeisters hin marschierte Guido auf das von Saladin belagerte Tiberias zu. Am 4. Juli 1187 wur­den die christlichen Truppen in der Schlacht bei Hattin von den ägyptischen Truppen voll­ständig vernichtet. König Guido ge­riet in Gefangenschaft, Rai­nald von Châtillon wurde von Saladin ei­gen­händig geköpft. Der Widerstand der Franken brach zu­sam­men. Saladin eroberte die nördlichen Hafenstädte (Akkon 8. Juli, Sidon 29. Juli, Beirut 6. August) und Aska­lon (4. September). Dann ergab sich am 2. Oktober auch Jerusalem nach mehr­wöchi­ger Belagerung. Saladin ließ die heili­gen Stätten des Islam auf dem Tempelberg mit Rosenwasser rei­nigen, dann nahm er die Stadt in Besitz. Allein Tripolis, Antio­chia und Tyrus blieben den Christen.

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Die Erfolge Saladins (1171-1187)

Nach Mißerfolg des Zweiten Kreuzzugs hatte sich in Europa eine weitgehende Kreuzzugsmüdigkeit breitgemacht. Man war kaum noch bereit, dem Königreich Jerusalem die so dringend benötigte Unterstützung zu gewähren. Dabei wurde die Lage des Reiches in den folgenden Jahrzehnten immer hoffnungsloser, wobei die Politik des Königreichs Jerusalem nicht dazu angetan war, die Lage zu stabilisieren.
Durch die versuchte Eroberung war das Vertrauen der Damaszener in die Kreuzfahrer erloschen. So suchte Damaskus in der Folgezeit bewußt die Annäherung an Nur ad-Din, dem sich die Stadt 1154 ergab. König Amalrich I. von Jerusalem richtete nun seine Bemühungen auf Ägypten. Um sich den Rücken frei zu halten verbündete er sich mit Byzanz. Eine gemeinsam unternommene Invasion Ägyptens scheiterte allerdings 1169. Zur Katastrophe wurde die Machtübernahme Sultan Saladins (Slt. 1175-1193)
. Ihm gelang es in kürzester Zeit, neben Ägypten auch noch Syrien unter seine Macht zu zwingen (Aleppo 1182, Mossul 1186) und damit das christliche Königreich vollständig zu umklammern.
Als ihm das Vorgehen Rainalds v. Chatillon Anlaß gab, marschierte er mit massierter Truppenmacht im Königreich Jerusalem ein. König Guido v. Lusignan ließ sich dazu hinreißen, mit dem gesamten Aufgebot seines Königreiches zum Entsatz des von Saladin belagerten Tiberias auszurücken.
Mit 30000 Mann, darunter 1200 Ritter, war es das größte Aufgebot der Kreuzfahrer überhaupt. Auf den Rat des Templermeisters hin marschierte Guido auf das von Saladin belagerte Tiberias zu. Am 4. Juli 1187 wur­den die christlichen Truppen in der Schlacht bei Hattin von den ägyptischen Truppen voll­ständig vernichtet. König Guido ge­riet in Gefangenschaft, Rai­nald von Châtillon wurde von Saladin ei­gen­händig geköpft. Der Widerstand der Franken brach zu­sam­men. Saladin eroberte die nördlichen Hafenstädte (Akkon 8. Juli, Sidon 29. Juli, Beirut 6. August) und Aska­lon (4. September). Dann ergab sich am 2. Oktober auch Jerusalem nach mehr­wöchi­ger Belagerung. Saladin war sehr darum bemüht, bei der Wiedereroberung des Heiligen Stadt Blutvergießen zu vermeiden. Die heili­gen Stätten des Islam auf dem Tempelberg wurden mit Rosenwasser gereinigt, dann wurden sie wieder ihrer religiösen Bestimmung übergeben.
Das Königreich Jerusalem war nur noch ein Rumpfstaar. Allein Tripolis, Antio­chia und Tyrus blieben den Christen.  >

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Der Dritte Kreuzzug (1187-1192)

Am 29. Oktober 1187 erließ Papst Gregor VIII. (PM 25.10.-17.12.1187) seine Kreuzzugsbulle "Audita tremendi", mit der er zum Dritten Kreuzzug (1187-1192) aufrief. Die größten Herrscher dieser Zeit fühlten sich berufen, dem Aufruf Folge zu leisten. Richard Löwenherz und König Philipp II. Augustus von Frankreich nahmen am 21. Januar 1188 in Gisors das Kreuz. Kaiser Friedrich I. Barbarossa schloß sich ihnen erst im März 1188 an. Das deutsche Kreuzheer brach am 11. Mai 1189 von Regensburg auf. Neben dem Kaiser nahmen auch Landgraf Ludwig VII. von Thüringen und Herzog Leopold V. von Österreich teil. Am 18. Mai 1190 errang das deutsche Heer bei Ikonion einen großen Sieg über die turkmenischen Truppen. Das so erfolgversprechende Unternehmen kam zu einem plötzlichen Ende, als der Kaiser am 10. Juni 1190 beim Bad im Fluß Salef zu Tode kam. Nur ein Teil des Heeres blieb im Orient und marschierte unter der Führung Herzog Friedrichs nach Antiochia. Schließlich traf es, stark dezimiert durch Krankheiten, am 7. Oktober 1190 vor Akkon ein. Die Stadt wurde schon seit dem 28. August 1190 belagert. Es gelang in diesem Jahr zwar nicht, Akkon zu erobern, aber durch den ständigen Zuzug war das Kreuzzug stark genug, sich gegen die Entsatzversuche Sultan Saladins sowie gegen die Ausfälle der Belagerten zu behaupten. Endlich traf am 20. April 1191 König Philipp II. Augustus von Frankreich ein, Richard Löwenherz folgte am 8. Juni 1191. Mit der Unterstützung durch die französischen Belagerungsmaschinen gelang es den Kreuzfahrern, am 12. Juli 1191 die Kapitulation der Stadt zu erzwingen. Richard Löwenherz setzte seine Kämpfe gegen das von Auflösung dezimierte Heer Saladins fort, wobei es ihm gelang, den für eine spätere Rückeroberung Jerusalems so wichtigen Hafen Jaffa am 7. September 1191 zu erobern. Doch diese Hafenstadt ging schon im Sommer 1192 wieder verloren. Richards Auseinandersetzungen mit Saladin endeten in einem Waffenstillstand über drei Jahre, der am 2. September 1192 geschlossen wurde. Schon am 9. Oktober 1192 kehrte Richard Löwenherz dem Hl. Land den Rücken.

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Der Kreuzzug Kaiser Heinrichs VI. (1195-1197)

Kaiser Heinrich VI. (Ks. 1190-1197) trat nicht allein als Herrscher das Erbe seines Vaters Friedrich I. Barbarossa (Ks. 1152-1190) an. Auch als Kreuzfahrer wollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten. Das Kreuzzugsprojekt gehörte dabei zu seinem Projekt, die Kaiserherrschaft zu einer Weltmonarchie zu machen. Dabei stand er bei seiner Kreuznahme in äußerster Machtfülle. König Richard I. Löwenherz hatte England von ihm zu Lehen nehmen müssen, auch unterwarf sich Leo II. von Kleinarmenien als Lehnsmann Hinzu kam die Krönung Heinrichs VI. zum König des süditalienischen Normannenreiches im Jahr 1194 und die Verlobung seines Bruders Philipp von Schwaben mit Irene, der Tochter des Basileus Isaak II. Angelos. Diese Verbindung sollte mit in die Katastrophe des Vierten Kreuzzugs führen. König Amalrich I. von Zypern (Kg. 1194-1205) huldigte dem Kaiser. so musste sich Heinrich VI. auf dem Weg zum Weltreich sehen.
Am Osterfest des Jahres 1195 nahm Heinrich VI. das Kreuz. Dieser Entschluß wurde von Papst Cölestin III. (PM 1191-1198) in einem Brief vom 27. April 1195 an den Kaiser ausdrücklich gelobt. Ein Kreuzzugsaufruf des Papstes folgte noch im Juli 1195. Doch während die Kreuzpredigt in Deutschland die Menschen zur Teilnahme an diesem Zug aufrief, kühlte das Verhältnis zwischen Kaiser und Papstab. Im Jahr 1196 verweigerte er Heinrich VI. eine Unterredung.
Im Mai 1197 sammelten sich die ersten Kreuzfahrer auf Sizilien. Sie wurden bei der Niederwerfung eines vom Papst unterstützten Aufstands der normannischen Barone Siziliens eingesetzt, kämpften also gegen Christen, der erste deutliche Mißbrauch eines Kreuzzugsheeres. Die von Heinrich von Brabant geführten Truppen trafen schließlich im August 1197 in Akkon ein. Als König Heinrich I. von Jerusalem (Kg. 1192-1197) am 10. September 1197 durch einen Fenstersturz zu Tode kam, übernahm Heinrich von Brabant im Königreich Jerusalem die Regierungsgewalt. Noch im gleichen Jahr heiratete Isabella I., die Witwe König Heinrichs I., den König von Zypern, der nun als Amalrich II. (1197-1205) König von Jerusalem wurde.
Am 20. September 1197 traf ein weiteres deutsches Heer unter der Führung von Erzbischof Konrad von Mainz ein. Schon im folgenden Monat konnten diese Truppen die von den Muslimen schon aufgegebenen Städte Sidon und Beirut besetzen (24. Oktober 1197), womit die Landverbindung zwischen Akkon und der Grafschaft Tripolis wiederhergestellt war. Die im November 1197 folgende Belagerung von Toron führte nicht zum Erfolg. Zwar war die Stadt zunächst zur Übergabe bereit, doch verlangten die Kreuzfahrer die bedingungslose Kapitulation. Dies hätte für die muslimischen Verteidiger maßlose Greuel bedeutet. Als schließlich auch noch ein Entsatzheer aus Ägypten herannahte, erfuhren die Belagerer, daß Kaiser Heinrich VI. schon im September in Messina am Sumpffieber gestorben war. Diese Nachricht und die Bedrohung durch das muslimische Heer bewog sie zur Aufgabe der Belagerung. Am 2. Februar 1198 war das ägyptische Heer heran, doch das schlachtbereite deutsche Heer wurde kopflos, als Gerüchte umgingen, die Barone seien geflohen. In aller Eile brachen die Truppen nach Tyros auf, von wo sie sich schon wenige Tage später nach Europa einschifften. Der einzige Erfolg dieses Kreuzzuges blieb die Rückeroberung Beiruts.

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Der Vierte Kreuzzug (1198-1204)

Der Vierte Kreuzzug bedeutete für die gesamte Kreuzzugsbewe­gung den absoluten Tiefpunkt. Als Papst Innozenz III. (PM 1198-1216) den Stuhl Petri bestieg, war ein neuer Kreuzzug eines sei­ner vordringlichen Ziele. am 15. August 1198 proklamierte er mit der Kreuzzugsbulle "Post miserabile Ierusolimitane" einen neuen Kreuzzug, wobei er sich gezielt an die hohe Geistlichkeit, den Hochadel und die italienischen Seestädte wandte. Abgeleitet von seinem päpstlichen Machtanspruch über alle weltliche Gewalt, wollte er auch die Lei­tung des Kreuzzuges für sich beanspruchen. Ziel des Kreuzzuges soll­te die Wieder­herstellung des Königreiches Jerusalem sein. So rief Innozenz III. noch im August 1198 zu einem neuen Kreuz­zug auf. Briefe gingen an die französische hohe Geistlich­keit, den Hoch­adel, sowie an die italienischen See­städte, auf de­ren Trans­portkapazitäten der Kreuzzug angewiesen war. Um Geld für sein Unter­nehmen zu beschaffen, erhob Innozenz III. eine Steuer auf geist­liche Einkommen, doch wehrten sich insbe­sondere die Zis­terzienser dagegen.
Anlässlich eines Turniers im November 1199 in der Champagne kamen erste Truppenkontingente zusammen. Graf Theobald von der Champagne, Graf Ludwig von Blois und Gottfried von Ville­hardouin nahmen das Kreuz. Hinzu traten Graf Balduin von Flan­dern und Hennegau und weitere nordfranzösische Adlige. Eine Gesandtschaft reiste nach Italien, um mit den Seestädten wegen des Transports der Truppen zu verhandeln. Schließlich schlossen sie mit dem Dogen von Venedig einen Vertrag, nach dem Vene­dig Schiffsraum und Verpflegung für 33500 Mann für ein Jahr be­reitstellte und sich selbst mit 50 Kriegsschiffen am Kreuzzug be­teiligte. Dafür verlangten die Venezianer 85000 Mark Silber, doch die Gesandten rechneten mit einer höheren Zahl an Teilnehmern, als dann tatsächlich zusammen kamen.
Ein geheimes Zusatzab­kommen be­stimmte Ägypten zum Ziel des Kreuzzuges, da hier das Machtzentrum der Ajjubiden war, das ausgeschaltet werden musste, bevor man an eine Rückeroberung Jerusalems denken konnte. Die Masse der Kreuzfahrer glaubte allerdings weiterhin, ihr Zug richte sich direkt gegen das Heilige Land.
Da sich Teile des Heeres in Marseille einschifften, brachen nur die Nordfranzosen und eine kleine deutsche Abteilung unter Abt Martin von Pairis nach Venedig auf. Hier gerieten die 11000 Kreuzfahrer in arge Geldnot. Die Venezianer bestanden auf die Entrichtung der vereinbarten Summe, die aber für 33500 Mann kalkuliert war. Den Kreuzfahrern wurde der Erlass ihrer Schulden in Aussicht gestellt, wenn sie halfen, die von Venedig abgefallene dalmatische Stadt Zara zu erobern. Die Kreuzfahrer waren geteil­ter Meinung, doch setzten sich die Befürworter dieser Lösung auch gegen den Einspruch des Papstes durch und am 24. No­vember 1202 wurde Zara erobert.
Das Kreuzheer überwinterte in Zara. In dieser Zeit erschienen Boten im Auftrag König Philipps von Schwaben (Kg. 1198-1208) und des byzantinischen Prinzen Alexios Sie schlugen den Kreuz­fahrern vor, dem byzantinischen Thronanwärter zum Kaiserthron zu verhelfen, dessen sich sein Onkel Alexios III. durch die Abset­zung und Blendung des eigenen Bruders, Isaak II. Angelos, be­mächtigt hatte. Alexios machte große Versprechungen. Während der Doge von Venedig sofort einverstanden war, stimmten nur die mächtigsten der französischen Kreuzfahrer dem Vorschlag zu. Im Heer herrschte Unzufriedenheit über das Vorhaben, so dass zahl­reiche Kreuzfahrer abreisten. Den Rest über­zeugte man mit dem Hin­weis auf den rechtmäßigen Thronanspruch des Alexi­os und ver­sprach den Kämpfern reiche Beute in Konstantinopel. Der Papst protestierte erst, als die Kreuzfahrer im April 1203 Zara längst verlassen hatten.
Am 24. Juni 1203 legten die Schiffe der Kreuzfahrer vor Chalkedon an, im Angesicht von Konstantinopel. Der erste Angriff am 17. Juli 1203 wurde von der Warägergarde zurückgeschlagen, allerdings floh Alexios III. nun aus der Stadt. Alexios IV. (Bas. 1203-1204) bestieg den byzantinischen Kai­serthron. Doch konnte er weder seine Versprechungen erfüllen, noch seine eigene Bevöl­kerung beruhigen, die vor Hass auf die Franken brannte. In einem Aufstand fiel der Kaiser im Januar 1204 von Mörderhand. Ihm folgte Alexios V. Dukas Murtzuphlos (Bas. 28.1.-13.4.1204).
Die Kreuzfahrer hatten nur noch die end­gültige Vernichtung des Byzantinischen Reiches im Sinn. Noch bevor sie den Kampf aufnahmen, legten sie untereinander ver­traglich die Verfassung des von ihnen neu zu gründenden Staa­tes fest und teilten die Beute. Das Ende kam schnell. Am 12. April 1204 gewannen die Kreuz­fahrer die Mauern Konstantinopels und stürmten am nächsten Tag die Stadt. Drei Tage wüteten sie in der reichsten und größten Stadt der Mittel­meerwelt. Eine gewaltige Beute wurde zusam­mengerafft, jeder be­diente sich nach seinem Gutdünken aus den Schatzkammern. Selbst Kleriker griffen zur Gewalt, um an die Schätze heranzukommen. Die Beute wurde vertragsgemäß ge­teilt, Schätze im Wert von 500000 Mark Silber gingen allein an die Venezianer. In die Schatzkammern Europas wanderten die wertvollsten Reliquien der Christenheit, aber auch antike Kunst­schätze, so die „Pferde von San Marco“ wur­den ver­schleppt.
Zum ersten lateinischen Kaiser von Byzanz wählte man Bal­duin von Flan­dern (Ks. 1204-1205). Er erhielt ein Viertel des Reiches, wäh­rend der Rest unter den Venezianern und den Kreuzfahrern ver­teilt wurde. Venedig kontrollierte von nun an den Seeweg nach Kon­stantinopel. Der vierte Kreuzzug endete mit einem Erfolg für Venedig, doch war das eigentliche Ziel vergessen.
Wer als Kreuz­fahrer mit Jeru­salem als Ziel vor Augen losgezogen war, erwarb sich nun im By­zantinischen Reich eine Herrschaft. Am päpstlichen Hof sah man einen fränkischen Staat anstelle des schismatischen griechischen Kaiserreiches als viel­versprechende Chance für die Sache des Heiligen Landes an. Auch die Kirchenunion wurde formell vollzo­gen. Das Lateinische Kaiserreich sollte aber nur eine kurze Exis­tenz haben. Schon am 25. Juli 1261 er­oberte Kaiser Michael VIII. Palaiologos (Bas. 1259-1282) die Stadt zu­rück. Noch einmal hat­te das byzantinische Reich eine Gnadenfrist, bis es 1453 von den Osmanen erobert wurde.

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Die Kinderkreuzzüge (1212)

In der allgemeinen Kreuzzugsbegeisterung der ersten Jahre des 13. Jahrhunderts soll es im Jahr 1212 zu den Kinderkreuzzügen gekommen sein. Durch die unsichere Quellenlage gilt es als umstritten, ob diese "Kreuzzüge" überhaupt stattgefunden haben.

Für Frankreich ist belegt, dass auf einen Aufruf des Papstes Innozenz III. hin Prozessionen stattfanden, zu denen sich zehntausende von Menschen zusammenfanden. Bei diesen Prozessionen betete man für die Befreiung des Hl. Grabes, sie hatten aber nichts mit einem Aufbruch zu einem Kreuzzug zu tun.

Unzuverlässige Berichte existieren über eine Kreuzzugsbewegung in Frankreich, die von einem Hirsten namens Stephan angeführt worden sein soll. Er behauptete, Visionen zu haben und wies einen Brief Christi an König Philipp II. August vor. Allerdings hatte der König nicht die Absicht, diese Bewegung zu billigen, sondern schickte den jugendlichen Propheten wieder weg und ließ seine Anhängerschar zerstreuen. Wenn in späteren Chroniken berichtet wird, die jugendlichen Kreuzfahrer seien trotzdem nach Marseille marschiert, so ist dies wohl ein Phantasieprodukt. Jedenfalls wurde weiter behauptet, die Kinder seien in der Hafenstadt zwielichtigen Händlern in die Hände gefallen, die ihnen eine kostenlose Überfahrt versprachen, die hilflosen Kreuzfahrer aber dann an der nordafrikanischen Küste als Sklaven verkauften. Angeblich kam erst nach vielen Jahren einer der Teilnehmer wieder zurück und berichtete vom Schicksal der Kinder.

Aus Deutschland führte Nikolaus von Köln eine große Schar jugendlicher Kreuzfahrer über die Alpen. Ostern oder Pfingsten 1212 hatten sie sich gesammelt, brachen Anfang Juli auf und erreichten am 25. August 1212 Genua. Trotz der hohen Verluste bei der Überquerung der Alpen sollen noch etwa 7000 Teilnehmer in Italien angekommen sein. Sie erwarteten, das Meer würde sich vor ihnen teilen, damit sie trockenen Fußes ins Hl. Land ziehen könnten. Als nichts geschah, zerstreuten sich die Teilnehmer. Es gibt Berichte, nach denen eine Gruppe Pisa auf zwei Schiffen verließ, doch wohin, ist nicht bekannt. Nikolaus kehrte nicht um, während sein Vater in der Heimat von Eltern umgebracht wurde, die ihre Kinder verloren hatten. Teile dieser jungen Kreuzfahrer gelangten schließlich bis nach Rom. Beeindruckt von ihrem Glauben lobte sie Innozenz III. mit den Worten: "Diese Knaben beschämen uns. Sie ziehen aus, um das Heilige Land zu erobert, und wir schlafen." Was aus dem Teilnehmern wurde, ist nicht bekannt.

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Der Fünfte Kreuzzug (1217-1221)
gegen Damiette

Nochmals warb Papst Innozenz III. im Frühjahr 1213 mit seiner Kreuzzugsbulle "Quia maior" für einen Kreuzzug, doch erst auf dem Laterankonzil von 1215 wurde auf dieser Grundlage die Durchführung eines Kreuzzuges beschlossen. Dieser Fünfte Kreuzzug (1217-1221) brach im August 1217 von Split aus auf. Geführt wurde dieser Zug von Herzog Leopold VI. von Österreich und König Andreas von Ungarn. Die in Akkon angelandeten Truppen unternahmen zwar einige Aktionen gegen die Sarazenen, konnten aber keinen entscheidenden Erfolg erringen. Erst nach dem Eintreffen weiterer Verbände wurde ein Feldzug gegen die ägyptische Stadt Damiette beschlossen. Ende Mai 1218 wurde das Lager der Kreuzfahrer gegenüber der Stadt aufgeschlagen. Der strategisch wichtige "Kettenturm" konnte am 24. August 1218 erobert werden. Die weiteren Kämpfe zogen sich hin. 

Das Heer wurde durch den Legaten Pelagius gespalten, es war aber möglich, einen Angriff des Sultans al-Kamil auf das Lager abzuwehren. Schließlich konnten die Kreuzfahrer am 5. Februar 1219 Damiette einkreisen. Der Sultan bot in dieser Situation die Rückgabe Jerusalems an, was aber an Pelagius scheiterte. Daraufhin nahm der Sultan den Kampf wieder auf. Die Lage in Damiette wurde aber unhaltbar, sodass die Kreuzfahrer die Stadt am 5. Februar 1219 besetzen konnten. Nun versuchten sie sich an weiteren militärischen Operationen in Ägypten. Im August 1221 vereinigten sich aber die drei aiubidischen Brüder und schnitten das Frankenheer von Damiette ab. Am 27. August 1221 erzwang al-Kamil die Räumung Ägyptens und konnte am 8. September 1221 als Sieger in Damiette einziehen.

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Der Sechste Kreuzzug:
Kaiser Friedrich II. im Hl. Land (1228-1229)

Der Sechste Kreuzzug (1228-1229) war der Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. Schon im Jahr 1225 hatte er dieses Unternehmen gelobt, doch hielten ihn die politischen Umstände immer wieder von der Ausführung des Vorhabens ab. Große Hoffnungen wurden in die Hochzeit des Kaisers mit Isabella von Brienne, der Erbin der Krone des Königreichs Jerusalem, gesetzt. Doch dauerte es bis 1228, daß Friedrich II. aufbrach. Am 29. September 1228 wurde er durch Papst Gregor IX. (PM 1227-1241) gebannt. Dies hielt den Kaiser aber nicht davon ab, am 28. Juni 1228 ins Hl. Land aufzubrechen. Gleich nach der Landung bemühte sich Friedrich II. um eine politische Lösung der Jerusalem-Frage. Schließlich schloß er am 18. Februar 1229 einen Friedensvertrag mit Sultan al-Kamil, der ihm Jerusalem überließ. Am 18. März 1229 ging Friedrich II. in der Grabeskirche unter der Krone Jerusalems. Die politische Lage in Italien zwang den Kaiser aber, am 1. Mai 1229 das Hl. Land überstürzt zu verlassen.
Da Konrad, Friedrichs Sohn, noch ein Kleinkind war und auch Friedrich II. als Regent nicht im Lande war, setzte er als Statthalter Richard Filangeri ein. Dieser hatte jedoch erhebliche Schwierigkeiten, seinen Posten zu übernehmen. Hatte er zunächst versucht, in Zypern zu landen, und war dort abgewiesen worden, so gelang es ihm schließlich, in Tyrus anzulanden.

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Der "Kreuzzug der Barone" (1239-1241)

Im Vertrag von San Germano von 1230 hatte Papst Gregor IX. den von Friedrich II. mit Sultan al-Kamil auf 10 Jahre geschlossenen Waffenstillstand schließlich doch anerkannt. Es war damit zu rechnen, dass es mit dem Auslaufen des Vertrages im August 1239 wieder zu Kampfhandlungen im Hl. Land kommen würde. Papst Gregor IX. rief daher schon im Jahr 1234 zu einem neuen Kreuzzug auf. Im September diesen Jahres ging ein Brief an die Engländer, die Franzosen wurden im November zum Kreuzzug aufgerufen. Die Kreuzpredigt war ein großer Erfolg, so dass der Papst darauf dringen mußte, nicht vor dem Juli 1239 die Kreuzfahrt anzutreten. Die Finanzierung des geplanten Unternehmens sollte über Sondersteuern und Kollekten gesichert werden.

Insbesondere von den französischen Barone, die sich an dem Aufstand gegen die Regentschaft von Blanka von Kastilien beteiligt hatten, wurde erwartet, dass sie sich zur Buße an dem neuen Kreuzzug beteiligten. Und tatsächlich rekrutierte sich ein großer Teil des Heeres aus diesem Umfeld.

Im Frühjahr 1239 wurden in Lyon beachtliche Truppen für dieses neue Unternehmen zusammengezogen. An der Spitze dieses Kreuzzuges stand König Thibaut I. von Navarra (Kg. 1234 - 1253). Des weiteren hatten sich dem Unternehmen Herzog Hugo IV. von Burgund, die Grafen Peter von der Bretagne, Heinrich II. von Bar, Amalrich VII. von Montfort und andere Herren angeschlossen. Als wegen seines erneuten Zerwürfnisses mit dem Papst Friedrich II. dem Kreuzzug seine Unterstützung verweigerte und insbesondere die italienischen Häfen schließen ließ, konnten die Franzosen nicht wie geplant durch Italien ziehen und in Brindisi zur See gehen. Helfend griff hier König Ludwig IX. von Frankreich ein, der den noch im Bau befindlichen Hafen von Aigues-Mortes den Kreuzfahrern zur Verfügung stellte, von denen dann aber ein Großteil doch von Marseille aus in See stach.

Am 1. September 1239 traf Thibaud I. in Akkon ein, der Rest der zuvor im Sturm zersreuten Flotte folgte in den Tagen danach. Die Kreuzfahrer erschienen als eine willkommene Verstärkung der Truppen des Königreichs Jerusalem. Das Reich war in einer politisch angespannten Lage. Nominell war Konrad II., der Sohn Friedrichs II., König von Jerusalem, für den sein Vater die Regentschaft führte. Doch während der kaiserliche Statthalter Richard Filangieri in Tyrus saß, hatten die Barone des Königreichs Jerusalem in Akkon eine eigene Herrschaft über das Reich organisiert.

Ein in Akkon abgehaltenes Konzil bestimmte Thibaud I. als ranghöchsten Kreuzfahrer zum Anführer des Kreuzzuges. Auch erklärten sich die Templer, Johanniter und Deutschherren zur Unterstützung bereit. Dagegen war die Entscheidung über ein Angriffsziel schwierig. Im Reich der Ayyubiden herrschte seit dem Tod von Sultan al-Kamil Chaos. Seine Verwandten kämpften um die Vorherrschaft. Als derzeit gefährlichster Gegner galt as-Salih Ayyub, der kurz zuvor Jerusalem überfallen hatte und sich mit einem Heer bei Nablus festgesetzt hatte. In Kairo regierte al-Adil Abu Bakr II., der aber Damaskus nicht unter Kontrolle hatte, das abgefallen war. Schließlich konnte noch im September as-Salih Ismail sich Damaskus bemächtigen. Dies war der Anlaß für an-Nasir Dawud, der die Stadt für sich wollte, sich dem Sultan anzuschließen. Dabei gingen der September und Oktober mit fruchtlosen Debatten im Konzil der Kreuzfahrer hin. Erst am 2. November 1239 wurde beschlossen, nach Süden zu marschieren, um Askalon wieder zu befestiegen. Die eigentliche Absicht war, nach der so erfolgten Sicherung des Reiches gegen Ägypten, den Angriff auf Damaskus zu wagen.

Mangelnde Führungsqualitäten Thibauds I. und die im Heer herrschende Disziplinlosigkeit sollten zum Mißerfolg des gesamten Unternehmens führen. Nachdem Peter Mauclerc mit seinen Leuten eine Karawane überfallen und ausgeplündert hatte, wollten die übrigen Barone nicht nachstehen. Sie hatten von einem bei Gaza lagernden Heer des Sultans erfahren und stießen mit lediglich 400 Rittern dorthin vor, obwohl vorgesehen gewesen war, das Kreuzfahrerheer geschlossen nach Askalon zu führen.

Am 13. November 1239 kam es zur Schlacht bei Gaza. Das kleine Kreuzfahrerkontingent wurde vernichtet, Graf Heinrich II. von Bar fiel, viele andere Ritter, auch Graf Amalrich VII. von Montfort, gerieten in Gefangenschaft. Bei Eintreffen des Hauptheeres der Kreuzfahrer unter Thibaut I. zogen sich die Ayyubiden nach Gaza zurück. Von einer Verfolgung der Feinde rieten die Großmeister der Ritterorden ab, fürchtend um das Leben der Gefangenen. So marschierten die restlichen Kreuzfahrer zunächst nach Askalon, lagerten dort, marschierten dann aber über Jaffa nach Akkon zurück. Der einzige Erfolg dieses Kreuzzugs war, dass es durch den Rückzug des ayyubidischen Heeres kein Eingreifen des Sultans in Syrien gab.

Den einheimische Baronen und den Ritterorden war dieser ergebnislose Feldzug wahrscheinlich sehr recht. Einige von ihnen waren in dieser Zeit mehr an ihrer Auseinandersetzung mit dem kaiserlichen Statthalter in Tyrus interessiert und ebenso an einer Wahrung ihres Besitzstandes. Die Muslime wegen einiger weniger Gefangener zum Kampf herauszufordern, paßte nicht in ihre Politik.

In dieser Situation besetzte An-Nasir Dawud, der Herr von Krak, Jerusalem. Am 7. Dezember 1239 erzwang er auch die Übergabe des Davidsturms, der Zitadelle von Jerusalem. Die fränkische Besatzung durfte abziehen, dann zerstörte an-Nasir die Befestigungen Jerusalems und ging selbst nach Krak zurück.

Im Frühjahr 1240 bat der Emir von Hama, al-Muzaffar Mahmud, König Thibaud I. um Waffenhilfe bei der Eroberung von Damaskus. Der König ging darauf ein und marschierte mit seinen Truppen nach Tripolis. Doch unter dem Druck der Emire von Homs und Aleppo mußte der Emir mußte seine Absichten fallen lassen. Unverrichteter Dinge zog das Kreuzfahrerheer im Mai 1240 wieder nach Akkon zurück.

Militärisch war dieser Kreuzzug bis dahin ohne Ergebnis gewesen, doch nun sollte sich auf diplomatischem Wege  Erfolge einstellen. Der Rückzug des Sultans nach Ägypten hatte die Hoffnungen an-Nasirs auf die Herrschaft über Damaskus vereitelt. So schloß dieser ein Bündnis mit seinem bis dahin von ihm selbst eingekerkerten Feind as-Salih Ayyub, um gemeinsam gegen den Sultan vorzugehen. Sie waren schon  auf dem Marsch nach Kairo, als Sultan al-Adil Abu Bakr II. gestürzt wurde. So konnte sich as-Salih Ayyub als neuer Sultan etablieren. Nun sah sich as-Sahil Ismail als Herr von Damaskus bedroht, das der Sultan seinem Helfer an-Nasir Dawud versprochen hatet. As-Salih ging nun mit König Thibaud I. ein Bündnis ein. Dabei wurde von den Kreuzfahrern die Sicherung der Grenze nach Äygpten garantiert, während der Emir im Gegenzug den Franken die Burgen Safed und Beaufort und ihr Umland übergab. Die Templer erhielten Safed, Beaufort ging an Balian von Sidon. Dieser Vertrag löste den Widerstand der Johanniter aus. Sie selbst versprachen dem Sultan von Ägypten das Ende des Bündnisses mit as-Sahil Ismail und die eigene Neutralität in diesem Konflikt, wofür der Sultan die Gefangenen von Gaza freiließ und den Johannitern Askalon überließ. Noch weitere Gebietsgewinnen machten die Franken, als an-Nasir sich vom Sultan lossagte. Nun gegen zwei Feinde aus den eigenen Reihen stehend, suchte er einen Ausgleich mit den Franken und überließ ihnen den Ostteil Galiläas, sowie die Burgen von Tiberias und auf dem Berg Tabor.

Der Abschluß der zweiseitigen Verträge führte zu weiteren Verstimmungen unter den Kreuzfahrern. Die Mehrzahl der einheimischen Barone und die Templer beharrten auf dem Vertrag mit Damaskus, während sich die Johanniter auf dem von ihnen geschlossenen Vertrag mit Kairo bestanden. König Thibaud I. wandte sich schließlich von dem von ihm selbst ausgehandelten Vertrag mit Damaskus ab, um die Johanniter zu untersützen. Dem gab er dadurch Ausdruck, dass er mit seinem Heer nach Askalon zog, um dort die Befestigungen zu erneuern. Von hier aus machte er zusammen mit Peter Mauclerc noch eilig einen Pilgerbesuch in Jerusalem, um sich dann im September 1240 mit dem größten Teil seines Heeres in Akkon einzuschiffen.

Im Hl. Land blieben der Herzog Hugo IV. von Burgund und der Graf von Nevers, die erst 1241 zurück in die Heimat reisten. Die im Vertrag ausgemachten Gebietsabtretungen und die Freilassung der Gefangenen überwachte der noch 1240 mit einer englischen Kreuzfahrerkontingent ins Hl. Land gekommene Richard von Cornwall. Er kümmerte sich auch um die Wiedererrichtung der Zitadelle von Askalon und die Beisetzung der in der Schlacht von Gaza gefallenen Kreuzfahrer. Erst im Juni 1240 hatten sich die englischen Kreuzfahrer nach Frankreich in Marsch gesetzt und waren schließlich im Oktober in Akkon eingetroffen. Im Gegensatz zu Thibaut I. konnte sich Richard der Unterstützung von Kaiser Friedrich II. sicher sein, dessen Schwager er war. In Askalon bestätigte er bei einem Treffen am 23. April 1241 mit Unterhändlern des ägyptischen Sultans den schon früher ausgehandelten Vertrag. Nachdem Richard in Askalon einen Gefolgsmann der kaiserlichen Partei als Statthalter eingesetzt hatte, widmete er sich dem Ausgleich zwischen den uneinigen christlichen Konfliktparteien im Hl. Land. Nachdem die letzten Gefangenen von den Muslimen freigegeben worden waren, verließ Richard von Cornwall am 3. Mai 1241 das Hl. Land.

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Der Verlust Jerusalems (11. Juli 1244)

Der Sohn Friedrichs II., der Erbe der Krone Jerusalems, wurde am 25. April 1243 volljährig und damit als Konrad II. König von Jerusalem. Er sandte eine Gesandtschaft ins Hl. Land, um von seinen Untertanen den Treueid zu fordern. Die Staufergegner erklärten unumwunden, den Eid nur Konrad selbst leisten zu wollen, von dem sie verlangten, er solle ins Hl. Land kommen. Da mit seinem Kommen nicht zu rechnen war, bedeutete das die endgültige Loslösung von der staufischen Herrschaft. Die Regentschaft wurde sogleich Königin Alice von Zypern und ihrem Gemahl Graf Radulf von Soissons übertragen. Die Aufständischen stürmten daraufhin Tyrus, den letzten Rückhalt der staufischen Macht. Richard Filangeri, den Friedrich II. als Statthalter eingesetzt hatte, floh über See nach Apulien, wurde aber vom Sturm wieder an die Küste Syriens gespült. Hier nahm man ihn fest. Mit der Drohung, Richard zu hängen, erreichten die Belagerer, dass sein Bruder Lothar die Zitadelle von Tyrus aufgab. Mit ihren letzten Getreuen zogen die Brüder Filangeri nach Europa ab. Robert sollte sein Versagen als Statthalter in einem Kerker Friedrichs II. büßen.

Die im Hl. Land herrschenden Fürsten und Ritterorden gingen nun daran, die Regierung nach ihrem Gutdünken einzurichten. In dieser Situation ging ein verlockendes Angebot von an-Nasir Daud von Kerak ein. War es bis dahin unmöglich erschienen, mit den Muslimen Syriens zum Frieden zu kommen, bot er nun freimütig an, Jerusalem vollständig den Christen zu überlassen. Die muslimischen Geistlichen sollten vom Tempelberg vertrieben werden. Auch die Fürsten Ismail von Damaskus und Ibrahim von Homs erjklärten sich bereit, an die Seite der Franken zu treten. Hintergrund dieses plötzlichen Gesinnungswandels war die Sorge der syrischen Ayyubiden um die Expansionsbestrebungen des Sultans Ayyub von Ägypten. Dem wollten sie entgegentreten. Und die Fanken - allen voran die Templer - sahen in diesem christlich-muslimischen Bündnis die willkommene militärische Basis für einen erfolgreichen Waffengang mit Ägypten. Um nun der Abwendung der Christen von ihrer zuvor ägyptenfreundlichen Politik entgegen zu wirken - und sich vor allem gegen an-Nasir von Kerak als Unterstützer dieses Vorhaben zu behaupten - machte auch Ayub von Ägypten dasselbe Angebot. So gelang es den Templern bei den geführten Verhandlungen mit Zustimmung aller muslimischen Verhandlungspartner tatsächlich die Rückgabe des Tempelbergs an die Franken zu erreichen. Den diplomatischen Erfolg teilte der Großmeister der Templer Ende des Jahres in einem Brief an den englischen Templer-Präzeptor Robert von Sandford mit, in dem er auch davon spricht, Jerusalem werde nun auch wieder befestigt. Er jubelt: "there should be rejoicing among angels and men, that the holy city of Jerusalem is now inhabited exclusively by Christians, all the Saracens have been expelled, and that in all the holy places, restored and cleansed by the prelates of the church, where for fifty-six years the name of God had not been invoked, now, God be praised, the divine mysteries are celebrated daily." [Matthew Paris, Chronica Maiora ] Tatsächlich sollten die Templer sich ihres Besitzes nur kruz erfreuen, nachdem sie den Tempelplatz im Dezember 1243 wieder in Besitz genommen hatten, ging er ihnen im August 1244 wieder verloren. Als Kaiser Friedrich II. von dem Abkommen der Templer mit de Muslimen erfuhr, drohte er, dem Orden sämtliche Besitzungen in Sizilien und Deutschland zu entziehen. In einem weiteren Brief an Richard von Cornwall beklagte sich der Kaiser bitter darüber, dass der Ritterorden ein Bündnis mit den Muslimen geschlossen habe, was ihm selbst gerade von Seiten der Templer einst vorgeworfen worden war.

Als es 1244 zum offenen Krieg zwischen Ismail von Damaskus und Sultan Ayyub kam, stellten sich die Franken - maßgeblich auf Drängen der Templer - auf die Seite des Damszeners. Das Bündnis wurde in Akkon besiegelt, auf Seiten der Muslime von al-Mansur Ibrahim, dem Fürsten von Homs. Den Franken wurde hier ein Anteil an Ägypten versprochen, sollte Ayyub besiegt werden.

Angesichts des ihm feindliche Bündnisses glaubte Sultan Ayyub ohne weitere Verstärkungen nicht auskommen zu können. Und so holte er einen Bundesgenossen heran, wie er wilder und grausamer nicht sein konnte. Sein Ruf ging an die choresmischen Söldner, die seit dem Untergang des Choresmier-Reiches im Jahr 1220 ihre Dienste bereitwillig jedem anboten, der sie rief. Seit 1241 waren sie in der Landschaft zwischen Edessa und Haran ansässig. Und sie folgten der Aufforderung Ayyubs. Willig setzten sich die Heimatlosen in Marsch und fielen in das Gebiet vo Damaskus und in Palästina ein. 10.000 Reiter verwüsteten zunächst die Umgebung von Damaskus, plünderten die Dörfer und verwüsteten das Land. Damaskus selbst unbehelligt lassend, stürmten die Horden weiter nach Galiläa, wo sie Tiberias eroberten, um dann über Nablus nach Jerusalem vorzustoßen.

Nun erst die drohende Gefahr erkennend, machte sich der Patriarch Robert gemeinsam mit den Großmeistern des Templerordens und der Johanniter in aller Eile daran, die Besatzung Jerusalems zu verstärken. So wurden die von den Templern gerade erst wieder instand gesetzten Befestigungen bemannt. Doch weder Patriarch Robert noch die Großmeister blieben in der Stadt.

Am 11. Juli 1244 erstürmten die Choresmier Jerusalem. In den Straßen kam es zu heftigen Kämpfen, doch die Christen konnten nicht verhindern, dass die Choresmier im armenischen St. Jakobs-Kloster alle Mönche und Nonnen töteten. Der fränkische Statthalter wagte einen Ausfall aus der bis dahin gehaltenen Zitadelle und fiel, wie auch der Präzeptor der Johanniter, in den Kämpfen. Doch hielt die Besatzung der Zitadelle weiter aus, wenn auch die Lage verzweifelt war. Da aber von den Franken keine Hilfe zu erhoffen war, wandte man sich an an-Nasir von Kerak. Dieser aber - den Christen nur notgedrungen durch Vertrag verbunden - sandte lediglich eine kleine Abteilung, die nur für sicheres Geleit sorgen konnte. So verliessen die letzten Christen die Heilige Stadt am 23. August 1244.

Auf dem Marsch nach Jaffa nochmals zurückblickend, erblickten die Abziehenden über den Mauern Jerusalems fränkische Fahnen. Sie glaubten, es sei nun doch noch christliche Hilfe erschienen, kehrten um und wurden unter den Mauern Jerusalems von den Choresmiern niedergemacht. Nur 300 Mann entkamen nach Jaffa, von den 6000, die zur Verteidigung der Heiligen Stadt aufgebrochen waren.

Auch in der Stadt wüteten die Choresmier ohne Gnade. Sie töteten alle Priester, die in der Hl. Grabeskirche die Messe zelebrieren wollten, schändeten die Gräber der Könige von Jerusalem und steckten die Kirche in Brand. Auch andere Kirchen wurden ein Raub der Flammen. Erst nach der völligen Plünderung der Stadt zogen die Choresmier schließlich nach Gaza weiter. 

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Die Schlacht von La Forbie (17.-18.10.1244)

Nach ihrem Überfall auf Jerusalem marschierten die Choresmier nach Gaza, um sich hier mit dem Heer des ägyptischen Sultans zu vereinigen. Angesichts des Verlusts von Jerusalem und der Verstärkung des Heeres der Ägypter waren die Franken entschlossen, gemeinsam mit den Feinden des Sultans ins Feld zu ziehen. Und so wurde ein gewaltiges Heer zusammengezogen. Neben die Franken traten die Herren von Damaskus, Aleppo, Homs und Kerak. Insgesamt waren 12.000 Mann unter Waffen bereit, sich den mit 11.000 Mann zahlenmässig unterlegenen Truppen des Sultans von Ägypten zu stellen.  Das Aufgebot des Königreichs Jerusalem belief sich auf 1.000 Ritter, die von 6.000 Mann zu Fuß unterstützt wurden. Walter IV. von Brienne führte das Heer, das neben dem Aufgebot des Königreichs Jerusalem aus Kontingenten der Templer, der Johanniter, des Deutschen Ordens und des Lazarus-Ordens bestand. Der Emir von Homs, al-Mansur, und der Emir von Aleppo, an-Nasir Yusuf, führten die muslimischen Abteilungen, deren Kern 4.000 Beduinen-Reiter bildeten.

Bei Gaza trafen die Verbündeten auf das von Baibars befehligte Heer Ägyptens. So, wie die Lage war, erschien es al-Mansur naheliegend, zur Befestigung des Lagers zu raten, da er damit rechnete, dass die choresmischen Truppen noch immer einer Belagerung ausweichen würden. Doch Walter IV. von Brienne wollte in die Offensive gehen. Er schlug den Rat des Moslems aus und stellte sein Heer für die Schlacht auf. Walter selbst übernahm mit seinen Truppen den rechten Flügel, der bis ans Meer reichte, an-Nasir Yusuf bildete mit seinen Truppen das Zentrum der Schlachtreihe, während al-Mansurs Männer notgedrungen den linken Flügel bildeten.

Am Morgen des 17. Oktober begann die Schlacht, die zwei Tage dauern sollte. In den harten Kämpfen des ersten Schlachttages verschob sich die Schlachtlinie zwar mehrmals, doch kam es zu keiner Entscheidung. Als aber Baibars am nächsten Morgen die Choresmier auf das Zentrum des Heeres der Verbündeten, die Truppen aus Aleppo, warf, kam das Ende. In wütenden Attacken vernichteten die Choresmier zunächst das Zentrum ihrer Gegner, dann wandten sie sich gegen die linke Flanke, die Truppen aus Homs. Nur 280 Mann sollten mit Emir al-Mansur, der von der Schlacht abgeraten hatte, das Feld verlassen.

Nun standen die Franken allein und waren eingeschlossen. Das Heer wurde vernichtet. Es fielen 5.000 Mann. Von den Ritterorden überlebten nur 33 Templer, 27 Johanniter und drei Ritter des Deutschen Ordens, keiner der Lazarusritter überlebte die Schlacht. 800 Mann gingen als Gefangene nach Ägypten, darunter auch Walter IV. von Brienne und andere hohe Würdenträger.

Die Ägypter konnten ihren Sieg allerdings nicht wirklich ausnutzen. Askalon konnten sie nicht erobern, hier hielt die Besatzung stand. Und wenn auch das Königreich Jerusalem durch die entstandenen Gebietsverluste erheblich geschwächt war, ebenso die Ritterorden wegen der hohen Verluste nur unter Schwierigkeiten ihre Burgen bemannen und halten konnten, so war der Sultan aber doch nicht in der Lage, zu diesem Zeitpunkt der Christenherrschaft im Hl. Land ein Ende zu setzen. Die Heilige Stadt war allerdings verloren. Nie wieder sollte Jerusalem unter christlicher Herrschaft stehen.

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Der Siebte Kreuzzug (1248-1254)
König Ludwigs IX.

Als Papst Innozenz IV. (PM 1243-1254) im Jahr 1245 für einen neuen Kreuzzug warb, hatte er zunächst keinen Erfolg. Schon im Dezember 1244 hatte allerdings König Ludwig IX. d. Hl. von Frankreich das Kreuz genommen. Das Heer sammelte sich in Aigues-Mortes und am 25. August 1248 brach Ludwig IX. zusammen mit seinem Bruder Karl von Anjou zu Schiff auf.  Die Flotte segelte zunächst nach Zypern, wo der Hafen von Limassol am 17. September 1248 erreicht wurde. Die Insel wurde zum Sammelpunkt der Kreuzfahrer. Hier stießen Ritter aus allen christlich beherrschten Gebieten des östlichen Mittelmeeres hinzu. Auch die Ordensritter der Templer, Johanniter, des Deutschen Ordens und des Lazarusordens schlossen sich auf Zypern dem Kreuzzug an. Das Heer umfasste modernen Schätzungen zufolge etwa 15000 Mann.

Zu dieser Zeit operierte Sultan as-Salih Ayyub mit seinen Truppen im Raum von Gaza. Nicht die Christen waren das Ziel dieses militärischen Vorgehens, sondern Homs, das der Vetter des Sultans, an-Nasir Yusuf gewaltsam an sich gebracht hatte. Sobald der Sultan vom Eintreffen der Kruzfahrer auf Zypern erfuhr, brach er die Belagerung von Homs ab und marschierte nach Ägapten zurück.

Währenddessen waren die Kreuzfahrer zu einer Überwinterung auf Zypern genötigt. Das winterliche Wetter erlaubte ihnen die Überfahrt an die Küste des Heiligen Landes nicht. Dabei brachten Epidemien Verluste mit sich. 260 Ritter starben während der neun Monate auf der Insel.
König Ludwig IX. nutzte die Zeit des Wartens für diplomatische Aktivitäten. So empfing er die Gesandten des mongolischen Feldherrn Iltschikadai. Die Erwartungen an die Mongolen waren hoch, planten diese doch nach den Informationen der Gesandten einen Angriff auf Bagdad für den Sommer des Jahres 1249. Schließlich brachte Ludwig im Januar 1249 eine Gesandtschaft auf den Weg. Der Franziskaner André de Longjumeau sollte sich auf den Weg zum Großkhan machen und dessen Pläne in Erfahrung bringen.

Erst im April 1249 gab König Ludwig IX. das eigentliche Angriffziel bekannt. Der Kreuzzug richtete sich gegen Ägypten.  Es ist nicht auszuschliessen, dass dieser Entschluss mit der Erwartung des Angriffs der Mongolen auf Bagdad zusammenhing. Am 19. Mai 1249 stach die Kreuzfahrerflotte endlich in See.

Erst auf hoher See gab der König bekannt, dass sich der Angriff gegen Damiette richten sollte, wo mehr als 20 Jahre zuvor der V. Kreuzzug gescheitert war.  Am 5. Juni 1249 landete das Kreuzfahrerheer am Nilufer gegenüber von Damiette. Die Landung konnte auch ein Mamluken-Heer unter Fahkr ad-Din Yusuf nicht verhindern, das die Christen bei nur geringen eigenen Verlusten schlugen. Die Reste des Heeres flohen auf das Ostufer des Nils und bezogen bei der Stadt Achmoum-Tanah Stellung, wo auch Sultan as-Salih sein Heer versammelt hatte. Die Besatzung von Damiette, die wohl auf eine Verstärkung durch die Truppen Fahkr ad-Din Yusufs gehofft hatte, zog sich nun auch zum Hauptheer zurück und hinterließ die Stadt ohne militärischen Schutz. So konnten die Kreuzfahrer Damiette am 6. Juni 1249 kampflos besetzen - das erste Kriegsziel war ohne Aufwand erreicht.

Nach dem Verlust Damiettes, der Schlüsselstellung für den Weg nach Kairo, zog sich der Sultan mit seinen Truppen nach al-Mansura zurück, um dort sein Heer zu ordnen und weiter zu verstärken. Ludwig IX. beging nun den schweren taktischen Fehler, dem abrückenden Mamluken-Heer nicht sofort nachzusetzen. Noch hätte er vor dem sommerlichen Nilhochwasser bis nach Kairo vorstossen können. Doch blieben die Kreuzfahrer für fünf Monate in Damiette, ohne weitere Angriffe vorzutragen. Stattdessen wartete Ludwig IX. auf Verstärkungen, mit denen sein Bruder, Graf Alfons von Poitiers erst am 24. Oktober 1249 eintraf. In der Zwischenzeit unternahmen die Truppen des Sultans immer wieder Überfälle auf die Christen.

Alfons von Poitiers hatte nicht nur frische Truppen, sondern auch eine gut gefüllte Kriegskasse mitgebracht. Im Kriegsrat wurden nun zwei Alternativen diskutiert. Zur Debatte stand neben einem direkten Vorstoß auf Kairo und einem sofortigen Angriff auf das Hauptheer der Mamluken der Plan, Alexandria zu erobern. Dieses Vorgehen versprach Erfolg, denn die Kreuzfahrer wären mit Sicherheit früher in der nur wenig befestigten Hafenstadt gewesen als der Sultan. Doch Robert von Artois bestand auf dem Vorstoß in Richtung Kairo. Er hoffte auf die Vernichtung des Mamluken-Heeres und damit das Ende der Bedrohung für die Kreuzfahrer.
So brachen die Kreuzfahrer auf und quälten sich vom 20. November bis zum 20. Dezember 1249 entlang des nun von der Nilüberschwemmung schlammigen Ufers nach al-Mansura. Die Truppen lagerten sich am Nilarm Bahr as-Saghir gegenüber dem Feldlager der Mamluken.

Sultan as-Salih war am 23. November 1249 gestorben, für seinen noch in Syrien weilenden Sohn Turan Schah (Slt. 1249-1250) hatte dessen Mutter die Regentschaft an sich gebracht, bis der Sohn eintreffen sollte. Bis in den Februar hinein  versuchten die Kreuzfahrer vergeblich, den Nilarm zu überwinden, doch alle Bemühungen wurden von den muslimischen Truppen zunichte gemacht. Erst durch den Verrat eines Einheimischen erfuhren die Kreuzfahrer von einer begehbaren Furt, über die sie am 8. Februar 1250 gegen die Mamluken vorstießen.  Die berittene Vorhut, bestehend aus Kontingenten unter der Führung von Robert von Artois, des Templergroßmeisters Guillaume de Sonnac, des Hospitaliter-Vizemeisters Jean de Ronay und des Engländers William Longspée of Salisbury, sollte für die Deckung der nachfolgenden Truppen sorgen. Doch Robert von Artois nutzte die Gelegenheit zu einem Überraschungsangriff auf das Feldlager der Ägypter. Durch das Überraschungsmoment war der Erfolg leicht errungen. Fakhr ad-Din fiel und die geschlagenen Truppen flohen nach al-Mansura. Von seinem schnellen Sieg leichtsinnig gemacht, setzte sich Robert von Artois erneut über die Befehle des Königs hinweg. Mit seiner Reiterei drang er in al-Mansura ein, doch die Stadt entpuppte sich als Falle. Nur wenige Kreuzfahrer entkamen dem Kampf in den engen Gassen, darunter mit Mühe auch der Großmeister der Templer.
König Ludwig IX. hielt trotz der nun massiert vorgetragenen Angriffe der Muslime seine Truppen zusammen. Unter ständigen Angriffen marschierten die Christen bis zu der Stelle, wo die bisher zurückgelassenen Armbrustschützen mit Booten übersetzten und nun wirksam gegen die muslimischen Bogenschützen eingesetzt werden konnten. Die Ägypter zogen sich nun nach al-Mansura zurück, während die Kreuzfahrer ihr Lager aufschlugen.

Am 11. Februar 1250 erfolgte ein schwerer Angriff der Mamluken. Zwar konnten die Kreuzfahrer diesen Überfall zurückschlagen, doch waren ihre Verluste immens. Auch fiel der Großmeister der Templer, Guillaume de Sonnac. Das Lager der Kreuzfahrer wurde nun belagert. Als der neue Sultan Turan Schah am 28. Februar 1250 in al-Mansura eintraf, zerstoben auch alle Hoffnungen der Christen auf eine Auflösung des Mamluken-Heeres durch einen ausbrechenden Bürgerkrieg. Nun wurde der Belagerungsring durch die Abriegelung der Nilkanäle geschlossen, es gab keinen Ausweg mehr. König Ludwig IX. mußte seine Stellung aufgeben und zog sich wieder in seine alte Stellung auf der anderen Seite des Nilarms zurück.
 
Der französische König hoffte auf eine diplomatische Einigung, bot Damiette als Tauschobjekt gegen Jerusalem an. Doch der Sultan war sich bewußt, in welcher prekären Lage die Kreuzfahrer waren, und lehnte Verhandlungen ab. So brachen die Kreuzfahrer am 5. April 1250 ihr Lager ab und machten sich in Richtung Damiette auf den Marsch. In dieser Lage waren die Truppen dem Angriff hilflos ausgeliefert, den Rukn ad-Din Baibars am 6. April 1250 gegen sie vortrug. Bei Fariskur siegten die Mamluken über die Kreuzfahrer, König Ludwig IX., seine Brüder und ein großer Teil des Heeres gingen in Gefangenschaft.

Turan Schah hielt ein furchtbares Strafgericht, Tausende der Gefangenen wurden geköpft, nur die Großen verschont. König Ludwig IX. wurde in Ketten gelegt und nach al-Mansura geschafft. 1.000.000 Goldbezanten verlangte der Sultan als Lösegeld für den König. Dem gefangenen König gelang es aber, den Sultan umzustimmen, so dass gegen die Person des Königs Damiette zurückgegeben und gegen 500.000 Goldbezanten sein Gefolge freigelassen werden sollte. Die Ermordung Turan Schahs durch die Mamluken veränderte die Lage zu Gunsten Ludwigs IX. Nun waren die neuen Machthaber bereit, den König und sein Gefolge gegen 200.000 Goldbezanten und die Rückgabe Damiettes freizugeben. Gegen weitere 200.000 Goldbezanten sollten auch die übrigen Gefangenen freigelassen werden, die von Turan Schah für die Sklavenmärkte bestimmt worden waren. Es war den Mamluken wichtig, mit den Franken zu einem guten Einvernehmen zu kommen, da sie zu diesem Zeitpunkt noch die Ayyubiden in Syrien zu fürchten hatten.
 
Am 8. Mai 1250 traf Ludwig IX. in Akkon ein, von wo aus er das Hl. Land regierte, bis er am 24. April 1254 die Heimreise antrat. Karl von Anjou reiste am 10. August 1250 zusammen mit Alfons von Poitiers zurück nach Frankreich.

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Der "Hirtenkreuzzug" (1251)

Der sogenannte "Hirtenkreuzzug" von 1251 wurde wohl durch die Nachricht vom Scheitern des Kreuzzuges gegen Damiette ausgelöst. Die sich "Pastoreaux" (Hirtenknaben) nennenden Mitglieder dieser sich in Nordfrankreich bildenden Bewegung rekrutierten sich vor allem aus Bauern und Tagelöhnern. Als Anführer trat ein gewisser "Meister von Ungarn" auf, wohl ein ursprünglich aus Ungarn stammender Mönch. Er behauptete, einen Brief der Hl. Jungfrau Maria zu besitzen. In diesem Brief, so heißt es, habe gestanden, den Unschuldigen und Demütigen stehe die Rückeroberung Jerusalems zu, "... denn an dem Waffenstolz des französischen Adels habe Gott keinen Gefallen gefunden ..." [Matthäus von Paris, Historia minora]. In diesem Sinne stellten sich die Pastoreaux auch gegen den Klerus. Sie trugen Priestergewänder, erteilten die Absolution und bezeichneten alle, die sich ihnen anschließen wollten mit dem Kreuz.

Die Bewegung wuchs auf etwa 60.000 Mitglieder an, die vor allem aus Brabant, dem Hennegau, Flandern und der Picardie stammten. Im Mai zogen sie nach Paris. Hier traf sich der "Meister von Ungarn" mit Königin Blanka von Kastilien, der Mutter König Ludwigs IX. Doch völlig unvoreingenommen trat sie dem Anführer der Pastoreaux nicht entgegen. So wurde den Kreuzfahrern der Übertritt auf das linke Seine-Ufer, wo die Universität lag, verwehrt.

Bei ihrem Abzug von Paris teilten sich die Pastoreaux auf. Ein Teil zog nach Rouen. Hier vertrieben sie nicht nur den Bischof, sondern vergriffen sich auch an Priestern, die in die Seine geworfen wurden. Auch in Tours wütete diese Gruppe, wo sie die Klöster angriffen. Die zweite Abteilung, die der "Meister von Ungarn" selbst führte, erreichte am 11. Juni Orleans. Auch sie führten Angriffe gegen den dortigen Klerus; der Bischof, aber auch Angehörige des Franziskanerordens und der Dominikaner waren ihre Ziele, wie auch die Studenten der Universität. Ihr weiterer Weg führte sie über Amiens nach Bourges, wo sie nun auch die dort ansässigen Juden angriffen.

Schließlich gab Königin Blanka den Befehl, gegen die Pastoreaux vorzugehen. Den überall im Land verstreuten Gruppen war leicht beizukommen, nur die bei Bourges gesammelten Massen mußten mit Waffengewalt niedergezwungen werden. Der "Meister von Ungarn" wurde in diesen Kämpfen getötet.

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Die Mongolen
und die
Schlacht bei Ain Dschalut (03.09.1260)

Während das Vordringen der Mongolen in Europa schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts zum Stehen gekommen war, hatten sie ihre Feldzüge im Süden wesentlich erfolgreicher fortgesetzt. Der Mongolen-Khan Baitschu war 1242 in das Reich des Seldschuken-Sultans Kaikhosrau II. (Slt. 1237-1245) eingedrungen. Die Stadt Erzurum wurde im Frühjahr erobert. Als sich am 26. Juni 1243 das Heer der Seldschuken den Mongolen entgegenstellte, ging die Schlacht zu Ungunsten der Türken aus. Der Sultan mußte sich unterwerfen und die Herrschaft der Mongolen anerkennen. Somit hatten sie ihre Macht auch über Kleinasien ausgedehnt.

Durch die Niederwerfung des Seldschuken-Sultanats war in erster Linie das Königreich Kleinarmenien bedroht. Der armenische König Hethum I. (Kg. 1226-1269) zog die einzige mögliche Konsequenz: die bedingungslose Unterwerfung. Das Kapitulationsangebot unterbreitete der auch als Chronist bekannte armenische Konstabler Smpad dem Großkhan. Und aus Samarkand sandte er im Jahr 1248 einen Brief nach Zypern, in dem er als Augenzeuge von den durch die Mongolen angerichteten Zerstörungen berichtete. So beeindruckt, machte sich Hethum I. im Jahr 1254 selbst auf die Reise nach Karakorum, wo Mönge Khan mit dem Armenier eine Allianz schloß. So hatte der armenische König die Vernichtung seines Reiches verhindern können. Es war nun zwar nur ein Teil des mongolischen Reiches, aber die Armenier blieben unbehelligt. Hethum I. versprach den Mongolen Hilfe bei ihrem geplanten Vorgehen gegen Vorderasien. Die armenische Kirche rechnete sich darüber hinaus gute Chancen einer Bekehrung der Mongolen zum Christentum aus. Doquz Khatun, die Frau des Khans, war eine nestorianische Christin. Als Aleppo von den Mongolen belagert wurde, standen die Armenier als treue Helfer an ihrer Seite.

In der Zwischenzeit war den Kreuzfahrerstaaten mit dem Vordringen der Mongolen die Hoffnung entstanden, dass sich hinter dem Rücken der islamischen Feinde ein neuer Verbündeter finden ließe. Doch die hochgespannten Erwartungen erwiesen sich als falsch. Die christlichen Armenier waren als Bundesgenossen ausgefallen. Auch war den Kreuzfahrern von Papst Alexander IV. (PM 1254-1261) verboten worden, sich mit den heidnischen Mongolen zu verbünden. Als sich Bohemund VI. von Antiochia und Tripolis diesem Verbot widersetzte und ein Bündnis mit den Mongolen einging, wurde er sofort exkommuniziert. Andererseits konnte sich das Königreich Jerusalem auch nicht entschließen, sich vertraglich an die Ayyubiden zu binden. Vergeblich bemühte sich Sultans Saif-ed-Din Kutuz (Slt. 1259-1260) um ein Bündnis mit den christlichen Herrscher, doch diese lehnten dieses Ansinnen unter dem Einfluß des Großmeisters des Deutschen Ritterordens ab. Doch wurde dem Heer des Sultans der Durchmarsch bewährt, als er gegen die Mongolen marschierte.

So zog das mamlukische Heer, verstärkt um eine Einheit der Choresmier und ein Kontingent des Emirs von Kerak in die Schlacht. Alles in allem marschierten etwa 10.000 Mann durch Syrien. Es herrschte ungefähr Gleichstand mit dem Heer der Mongolen. Der mongolische Feldherr Hülegü, ein Enkel Dschingis Khans, hatte sein Heer entscheidend geschwächt, da er bei seinem Abzug den großen Teil seiner Truppen mit zurück in die Mongolei genommen hatte. Auf Seiten der Mongolen kämpften unter dem neuen Feldherrn Kitbuqa auch Einheiten aus Georgien, Armenien und der Rumseldschuken, aber auch ayyubidische Syrer.

Als Sultan Kutuz in Akkon erfuhr, dass das mongolische Heer sich daran machte, in Galiläa einzudringen, setzte er sein Heer in Marsch. Er rückte über Nazareth nach Südosten vor und erreichte am 2. September Ain Dschalut.

Der mongolische Feldherr hatte - wohl vertrauend in die bisherigen Erfolge - die Lage falsch eingeschätzt. Kaum wurde sein Heer am 3. September 1260 der Vorhut der Mamluken ansichtig, stürmte es auf diese los. Doch hatte Qutuz seine Streitkräfte so aufgestellt, dass die Hauptstreitmacht verborgen blieb. Nach kurzem Gefecht wandte sich die Vorhut zur geplanten Flucht und verleitete die Mongolen zur Verfolgung. Nun stürmte das restliche mamlukische Heer heran und konnten die Feide umzingeln. In dieser Lage kämpften die Mongolen mit solcher Macht, dass es ihnen beinahe gelungen wäre, aus der Umklammerung auszubrechen. Nur das beherzte persönliche Eingreifen von Qutuz konnte das Blatt wenden, und nach stundenlangem, hartem Gefecht wandten sich die Mongolen zur Flucht. Dabei gelang es der schweren Reiterei der Mamluken sogar, die bis dahin unbesiegten mongolischen Reiter zu schlagen. Kitbuqa geriet in Gefangenschaft und wurde enthauptet.

Dem Triumph folgte ein beispielloser Siegeszug. Schon fünf Tage nach der Schlacht war Sultan Qutuz in Damaskus, es folgten die Rückeroberung von Homs und Hama, wo die ayyubidischen Emire wieder eingesetzt wurden. Noch im gleichen Monat konnte auch Aleppo zurückgewonnen werden. Doch konnte Qutuz seine Erfolge nicht geniessen. Kaum von diesem gewaltigen Feldzug zurückgekehrt, wurde er von Baibars ermordet, der an seiner Stelle Sultan wurde. Die Mamluken hatten nun die Macht übernommen. 

Das Königreich Jerusalem war ohne eigenes Zutun gerettet, zeigte aber starke Auflösungserscheinungen. Die Einzelinteressen überwogen, wodurch keine einheitliche Politik mehr zustande kam. Der Umsturz in Ägypten sollte das Schicksal des fränkischen Staates besiegeln.  Nach sorgfältigen Vorbereitungen schlug Sultan Baibars im Jahr 1263 gegen das Königreich Jerusalem los.

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Die Mamluken


                                                                   In Vorbereitung

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Der Achte Kreuzzug
Ludwig IX. vor Tunis

und der
Kreuzzug des Prinzen Edward
(1270 / 1270 - 1272)

Schon am 24. März 1267 hatte Ludwig IX. d. Hl. unter dem Eindruck der Ereignisse im Hl. Land erneut das Kreuz genommen. Dieser Achte Kreuzzug (1270), den er in den folgenden drei Jahren gewissenhaft vorbereitete, hatte jedoch keinen Erfolg.
Inzwischen war Karl von Anjou, der Bruder des Königs, König von Sizilien geworden und betrieb eine expansive Politik im östlichen Mittelmeer. Dabei konnte ihm nicht recht sein, dass sein königlicher Bruder einen neuen Kreuzzug ins Heilige Land führte, war er doch vertragliche Bindungen mit den Mamluken eingegangen. Und seine Politik richtete sich gegen Byzanz, mit dem Ludwig IX. in gutem Einvernehmen stand. So war es im Interesse Karls von Anjou, Einfluss auf das Ziel des Kreuzzuges zu nehmen.

Ursprünglich hatte Ludwig IX. geplant, seinen Kreuzzug gemeinsam mit Prinz Eduard Plantagenet durchzuführen, mit dem er sich im August 1269 in Paris traf, um das gemeinsame Vorgehen abzustimmen. Dabei wurde der Plan gefasst, am 15. August 1270 von Aigues-Mortes aus in See zu gehen. Doch diesem Vorhaben griff Ludwig IX. vor, indem er schon am 2. Juli 1270 in See stach. Am 13. Juli 1268 teilte der König seinem in Caligari auf Sardinien versammelten Heer mit, er werde zunächst nach Tunis ziehen, um dort den Sultan zu bekehren. Seine Hoffnung begründete sich wohl darauf, dass Sultan Muhammad I. al-Mustansir schon zuvor durch Gesandtschaften an Karl von Anjou und Ludwig IX. seine Absicht, den Glauben zu wechseln, mitgeteilt hatte. Doch mit einiger Sicherheit handelte es sich nur um ein diplomatisches Taktieren.

Am Tag der Ankunft des Kreuzzuges vor Tunis, dem 17. Juli 1270, gelang es dem Admiral Florent de Varennes, eine Landzunge vor dem Hafen der Stadt im Handstreich zu besetzen, doch der König befahl die Räumung und besetzte am folgenden Tag ungehindert das Gebiet erneut. Der Sultan hatte zwar Truppen in Tunis zusammengezogen, die Verteidigung war aber trotzdem schwach. Doch Ludwig IX. sah von einer sofortigen Aufnahme der Belagerung ab und besetzte zunächst einmal Karthago. Hier wurde das Feldlager errichtet, von dem aus der Angriff gegen Tunis vorgetragen werden sollte. Hier brach eine Seuche aus, an der Ludwig IX. am 25. August 1270 starb. Der gerade mit seinen Truppen eingetroffene Karl von Anjou zog die Entscheidungsgewalt über den Kreuzzug an sich. Schließlich beendete am 30. Oktober 1270 ein Vertrag diesen Kreuzzug. Darin gewährte der Sultan den Christen freien Handel, sowie das Aufenthaltsrecht für christliche Priester und Mönche in seinem Reich. Auch nahm der Sultan die Tributzahlungen an Karl von Anjou wieder auf. So waren die früheren Verhältnisse wiederhergestellt. 

Prinz Eduard Plantagenet von England, der spätere König Edward I., hatte schon am 24. Juni 1268 gemeinsam mit anderen großen englischen Fürsten das Kreuz genommen, nachdem der "Second Barons War" beendet worden war. Sein Vater, Heinrich III. hatte zwar 1250 die Kreuzfahrt gelobt, war aber nie aufgebrochen. Erst Ende August 1270 stach der Prinz von Bordeaux aus in See. Nach der Umrundung der Iberischen Halbinsel gelangte er nach Karthago, wo er am 10. November 1270 eintraf und nun vom Tod des französischen Königs erfuhr. Am folgenden Tag verlließen die französischen Einheiten Tunis, um zunächst auf Sizilien zu überwintern und dann nach Hause zurück zu kehren.

Auch Prinz Eduard führte sein Heer zur Überwinterung nach Sizilien, um im folgenden Jahr nach einem kurzen Aufenthalt auf Zypern am 9. Mai 1271 in Akkon einzutreffen. Als Sultan Baibars, der zu dieser Zeit Tripolis belagerte, vom Eintreffen der englischen Kreuzfahrer erfuhr, brach er die Belagerung ab und schloß mit Bohemund VI. von Antiochia-Tripolis einen auf 10 Jahre befristeten Separatfriedensvertrag. Prinz Eduard selbst vereinbarte mit dem Il-Khan der Mongolen, Abaqa, ein Bündnis gegen die Mamluken.

Mit König Hugo III. von Zypern hatte der englische Prinz zunächst langwierige Auseinandersetzungen wegen des Führungsanspruchs im Kreuzheer, die er aber für sich entscheiden konnte. Auch entsetzte er sich über die Geschäfte, die Venezianer und Genuesen mit den Mamluken machten, ohne sie unterbinden zu können.

Nachdem Sultan Baibars mit einem Angriff auf Zypern gescheitert war, landeten weitere englische Kräfte in Akkon. Mit dem so verstärkten Heer wagte Prinz Edward den Angriff auf die Festung Qaqun bei Caesarea, doch reichten die Truppen nicht aus, die Burg zu erobern. Als es nun Sultan Baibars auch noch gelang, die Mongolen bis hinter den Euphrat zurück zu treiben, mußte die Belagerung aufgegeben werden. Es folgten Verhandlungen und am 22. Mai 1272 wurde mit dem Sultan ein zehnjähriger Waffenstillstand vertraglich besiegelt. Die Franken hatten eine Gnadenfrist und Baibars konnte sich der für ihn wichtigeren Aufgabe der Abwehr der Mongolen widmen.

Bei einem Attentat verwundet, mußte Prinz Edward weiter in Akkon bleiben, nutzte die Zeit aber auch, um die Stadtbefestigungen ausbauen zu lassen. Im Zuge dieser Bauarbeiten entstand der "Turm der Engländer" am äußeren Mauerring. Am 24. September 1272 verließ Prinz Edward das Hl. Land. Sein Engagement hatte den Franken zu einen Aufschub verholfen, ihre Lage aber nicht verbessert.

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Das Ende des Königreiches Jerusalem

Dem Königreich Jerusalem waren nach der Abreise von Prinz Edward noch 19 Jahre vergönnt. Zu neuerlichen Kreuzzügen kam es nicht mehr, wenn auch Papst Gregor X. sich darum bemühte. Endpunkt seiner Bemühungen war das Konzil von Lyon im Jahr 1274. Der Papst hatte zuvor um Pläne für den zu unternehmenden Kreuzzug gebeten, doch die erhaltenen Schriftstücke zeigen nur die Kritik an Ablaßhandel und dem Mißbrauch von Kreuzzugssteuern, sowie dem mangelnden Glauben an die durch eine Kreuzfahrt zu erwerbenden geistlichen Verdienste. Das Konzil beschloß neben der Kirchenunion mit Byzanz, dass der Kampf gegen Sultan Baibars gefördert werden sollte. Hierzu wurde eine neue Kreuzzugssteuer für die kommenden sechs Jahre ausgeschrieben. Auch ließen sich die in Lyon erschienenen Gesandten der Mongolen taufen - ein leiser Hoffnungsschimmer, dass diese im Rücken der Muslime entlastend für die Franken wirken könnten. Nach dem Konzil ließ der Papst überall in Europa, im Norden selbst in Finnland und sogar auf Island und Grönland das Kreuz predigen. Doch wenn auch eine Reihe von großen Fürsten das Kreuz nahmen, brachen sie doch nicht ins Hl. Land auf. Als Gregor X. 1276 starb, waren die folgenden schnellen Wechsel auf dem Stuhl Petri nicht dazu angetan, das Kreuzzugsprojekt wieder mit Leben zu füllen, auch war das Papsttum mehr an den auf die Sizilianische Vesper folgenden Kriegen in Europa interessiert als am Schicksal des Hl. Landes.

Im Jahr 1277 starb Sultan Baibars. Es folgte eine Zeit der inneren Kämpfe im Mamlukenreich, hinzu kam die weiterhin andauernde Bedrohung durch die Mongolen. Diese Situation hätte den Franken im Hl. Land eine Atempause verschaffen können. Doch auch in den verbliebenen Kreuzfahrerstaaten machten innere Streitigkeiten ein Vorgehen gegen den geschwächten Feind unmöglich.  1279 schwang sich Qalawun zum Sultan Ägyptens auf. Erst nach weiteren inneren Kämpfen und seinem folgenden Sieg über die Mongolen bei Homs im Jahr 1281, begann er entgegen allen bestehenden Verträgen mit den Franken einen rücksichtslosen Feldzug, dem in schneller Folge alle fränkischen Besitzungen zum Opfer fielen. Schließlich eroberte er 1289 Tripolis, um dann im November  1290 von Kairo aus gegen Akkon vorzurücken. Sein Tod am 10. November 1290 führte aber nicht zu einem Abbruch des Unternehmens, das von seinem Sohn, Sultan al-Ashraf Chalil, weitergeführt wurde.

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Die Eroberung von Akkon (06.03. - 28.05.1291)

Die ersten Truppen der Mamluken trafen am 6. März 1291 vor Akkon ein, am 6. April begann die Belagerung. Die christlichen Truppen in der Stadt wurden nochmals verstärkt, als am 4. Mai König Heinrich II. von Zypern ein Heer heranführte. Am 15. Mai 1291 fiel die Mauer, der König floh in der Nacht, was eine panische  Massenflucht - insbesondere der Nichtkämpfer - auslöste. Der 18. Mai 1291 brachte den Belagerten schließlich das Ende, während die Templer noch bis zum 28. Mai 1291 in ihrem Haus aushielten, wo sie unter heftiger Gegenwehr niedergemacht wurden. Tyrus kapitulierte am 19. Mai 1291.

Den letzten fränkische Stützpunkt, die Insel Ruad, räumten die Templer im Jahr 1303. Mit dem völligen Untergang der Kreuzfahrerstaaten war die Zeit der Kreuzzüge ins Hl. Land zuende.

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Das Königreich Zypern

Das Heilige Land war für die Christen verloren, doch existierte das Königreich Jerusalem nominell weiter. Im Jahr 1191 hatte Richard I. Löwenherz (Kg. 1189-1199) die bis dahin byzantinische Insel Zypern "im Vorübergehen" in den Besitz der Kreuzfahrer gebracht. Von dieser Zeit an spielte die Insel eine zentrale Rolle in der weiteren Geschichte der Kreuzfahrerstaaten, war sie doch eine überaus günstige Ausgangsbasis für den Handel und militärische Unternehmungen. Beherrscht wurde Zypern von der Familie Lusignan, die einen Freistaat nach europäischem Muster errichtete. Anfänglich blieb die Krone Jerusalems in der Familie, bis sie über die weibliche Erblinie an Konrad II. (Kg. 1228-1254), den Sohn Kaiser Friedrich II., und damit an die Staufer gelangte. Allerdings kam auch sein Sohn  Konradin (Kg. 1254-1268) nie ins Heilige Land. Nach der Hinrichtung Konradins konnte sich Hugo III. von Zypern (Kg. v. Zypern 1267-1284) als Hugo I. (Kg. 1269-1284) gegenüber Karl von Anjou, der die Kronansprüche Maria von Antiochia abgekauft hatte, als König von Jerusalem durchsetzen. Nur ein Jahr herrschte sein Sohn, Johann I. (1284-1285), auf den sein Bruder Heinrich II. (Kg. 1285-1324) folgte. Unter seiner Herrschaft kam es zur Eroberung von Akkon, das Königreich Jerusalem hatte kein Territorium mehr. Doch weiterhin trugen die Könige Zyperns in Personalunion die Krone Jerusalems.
Auf Zypern hatten die Könige eine wesentlich stärkere Stellung gegenüber dem Adel, als es in Westeuropa üblich war. Burgen standen nur dem König und den Ritterorden zur Verfügung.
Im 14. Jahrhundert erlebten die Könige Zyperns zunächst den Höhepunkt ihrer Macht. Der Türkengefahr trat Hugo IV. (Kg. 1324-1359) erfolgreich entgegen. Sei Nachfolger Peter I. (Kg. 1359-1369) wurde sogar auf dem Festland militärisch aktiv. In Kilikien unternahm er Eroberungszüge und wurde schließlich im Jahr 1368 zum König von Kleinarmenien gewählt, das im Abwehrkampf gegen die Mameluken stand. Doch das Land war für die Christen nicht zu retten, im Jahr 1393 starb der letzte einheimische christliche König. Als Titularkönigtum blieb das Land zwar weiter mit Zypern verbunden, aber tatsächlich stand es unter der Herrschaft der Mameluken. Peter I. unternahm auch noch einen Kreuzzug, der sogar von einem geringen Erfolg gekrönt war. Jahrelang reiste er durch Europa, um für die Wiedereroberung des Heiligen Landes zu werben, und schließlich wurde auch im Jahr 1368 tatsächlich Alexandria erobert. Das Unternehmen scheiterte aber an der Beutegier der Teilnehmer, die nur ihre neuen Besitztümer in Sicherheit bringen wollten. Die Herrschaft Peters I. endete mit einer Revolution der Barone. Er hatte nicht nur Nichtadelige in Kronämter eingesetzt, sondern auch die Rechte des Adels durch die Einbehaltung von Steuern und die Beschäftigung von Söldnern beschnitten. Peter II. (Kg. 1369-1382) sah sich mit dem Verfall seines Reiches konfrontiert. Der Verlust Famagustas an die Genuesen traf ihn schwer, war die Stadt doch das Wirtschaftszentrum der Insel. Die Rückeroberung der Stadt war von nun an das zentrale Ziel der Könige von Zypern. Die beiden letzten Könige des 14. Jahrhunderts, Jakob I. (Kg. 1382-1398) und Janus (Kg. 1398-1432), mussten den weiteren Niedergang ihrer Macht hinnehmen. Von der mamelukischen Eroberung Zyperns im Jahr 1426 an war das Königreich ein Vasallenstaat der Mameluken und musste Tribute entrichten. Im Schatten der muslimischen Oberhoheit existierte das christliche Königreich noch bis 1489, um dann an Venedig zu fallen, dessen Nachfolge 1571 die Osmanen antraten.
Lange nach dem Ende der Kreuzfahrerstaaten im Hl. Land kam es nochmals zu einer militärischen Auseinandersetzung, die als Kreuzzug geführt wurde. Seit König Sigismund von Ungarn 1387 den Thron bestiegen hatte, bemühte er sich um einen Kreuzzug gegen die Osmanen. P

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Die Schlacht bei Nikopolis (1396)

Lange nach dem Ende der Kreuzfahrerstaaten im Hl. Land kam es nochmals zu einer militärischen Auseinandersetzung, die als Kreuzzug geführt wurde. Seit König Sigismund von Ungarn 1387 den Thron bestiegen hatte, bemühte er sich um einen Kreuzzug gegen die Osmanen. Papst Bonifatius IX. (PM 1389-1404) und sogar der Gegenpapst Benedikt XIII. (PM 1394-1423) unterstützten ihn, so dass sich schließlich ein Heer von 8000 burgundischen Kreuzfahrern, darunter 1000 Ritter, in Buda versammelte. Auch zogen auch die Burggrafen Johann III. und Friedrich VI. von Nürnberg mit großen Scharen dorthin. Geführt wurde das Heer von Johann Ohnefurcht und Marschall Boucicaut. Die westeuropäischen Heere vereinten sich mit der ungarischen Armee und gemeinsam marschierte man nach Bulgarien, wo die Kreuzfahrer am 10. September 1396 Nikopolis (h. Nikopol) erreichten. Es begann eine Belagerung, die zwei Wochen andauerte, die aber auch nach dem Eintreffen der Johanniter nicht von Erfolg gekrönt war.

Da traf das Heer des osmanischen Sultans Bayezid I. (Slt. 1389-1402) zusammen mit den Panzerreitern seines serbischen Vasallen Stefan Lazarevic bei Nikopolis ein. So standen die gegnerischen Heere am 25./26. September 1396 zur Schlacht bereit. Die französischen Ritter beanspruchten für sich das Recht, als erste in die Schlacht reiten zu dürfen. Als die Ritter vorrückten, versuchte König Sigismund, mit seiner Infanterie zu folgen. Der Sultan nahm seine leichte Reiterei zurück und ließ die Ritter von seinen Bogenschützen unter Beschuß nehmen, die hinter in den Boden gerammten Pfählen verschanzt waren. Die Ritter ließen sich dadurch dazu verleiten abzusitzen und zu Fuß gegen die Bogenschützen und die nahebei befindlichen Janitscharen vorzugehen, was den Truppen des Sultans einige Verluste brachte. Doch dann setzte Bayezid I. die schwere Reiterei der Siphai gegen die Ritter ein. Ohne Pferde hatten die Franzosen keine Chance gegen die anstürmenden Feinde und wurden niedergemacht. Währenddessen desertierten die Truppen aus Siebenbürgen und der Walachei, denen König Sigismund schon vor der Schlacht kein großes Vertrauen entgegengebracht hatte. Das ungarische Heer war nun den Angriffen der Siphai schutzlos ausgesetzt, die auch von den serbischen Reitern unterstützt wurden. Das osmanische Heer siegte.

König Sigismund und der Großmeister der Johanniter, Hermann II. von Cilli, flohen über die Donau, während auch viele einfache Kämpfer versuchten, sich allein in die Heimat durchzuschlagen. Von den Gefangenen konnten nur die großen Adeligen auf Gnade hoffen, so wurden Johann Ohnefurcht und Jean II. Le Maingre freigekauft. Doch zwischen 300 und 3000 Mann fielen einem Massaker der Osmanen zum Opfer.

In den Jahren nach der Schlacht bei Nikopolis blieben die Balkanländer in ihrem Abwehrkampf gegen die Osmanen auf sich gestellt, da die Westeuropäer mehr mit inneren Schwierigkeiten beschäftigt waren. Aber die Osmanen konnten ihren Sieg nicht nutzen, bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts sollte es dauern, bis sie wieder - und dieses Mal sehr erfolgreich - in die Offensive gehen konnten.

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Der "letzte Kreuzzug" (1444)

Auf dem Kirchenkonzil von Florenz kam es zu einer letzten Kirchenunion zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche, die mit der Bulle "Laetentur coeli" am 6. Juli 1439 verkündet wurde. Kaiser Johannes VIII. (Bas. 1425-1448) war auf diese Union eingegangen, da er sich durch sein Nachgeben in der Unionsfrage militärische Hilfe des Westens gegen die Osmanen erhoffte. So wurde im Gefolge dieser Verhandlungen durch Papst Eugen IV. (PM 1383-1447) noch im Jahr 1440 zum Kreuzzug aufgerufen. Der Zeitpunkt schien günstig, mußten die Osmanen zu dieser Zeit doch einige Rückschläge hinnehmen. Die Belagerungen von Belgrad (1440) und Hermannstadt (1442) waren gescheitert, dann gingen die Serben unter Skanderbeg 1443 in den Aufstand. Insbesondere der Woiwode Johann Hunyadi hatte in diesen Jahren schwere Kämpfe gegen die Osmanen geführt, an deren Ende die Macht der Osmanen auf dem Balkan weitgehend gebrochen war. Anfang des Jahres 1444 bemühte sich nun Kardinal Giulinao Cesarini, der im Auftrag des Papstes als Legat nach Ungarn gekommen war, bei ihm darum, den Krieg fortzusetzen. Doch bot Sultan Murad II. (Slt. 1421-1451) gerade in dieser Situation Frieden an. Im Feldlager bei Szeged beschwor König Wladyslaw III. (Ulazlo I. v. Ungarn; Kg. 1434/1440-1444), von Hunyadi bestärkt, einen 10jährigen Friedensvertrag. Der Sultan zog sich nach Kleinasien zurück. Nur zwei Tage nach dem Vertragsschluß hatte aber Kardinal Cesarini erfahren, dass von Venedig aus eine Flotte ins östliche Mittelmeer ausgelaufen war. Diese sollte in der Lage sein, den Sultan an einer Überquerung des Bosporus zu hindern, der sich wieder nach Kleinasien zurückgezogen hatte. Der Kardinal beschwor den König, sich seines Eides zu erinnern, der ihn verpflichtete, sich mit seinem Landheer an einem Kreuzzug zu beteiligen, wenn die Flotten des Westens gegen die Osmanen zur See vorgehen sollten. Kardinal Cesarini entband König Wladyslaw III. auch von der Beeidigung des Friedensvertrages, dem Kreuzzug stand nichts mehr im Wege. Nun drang das Heer polnischer und ungarischer Kreuzfahrer, das schon im Jahr 1443 von der serbischen Stadt Smederevo abmarschiert war, um das von den Osmanen bedrohte Konstantinopel zu entsetzen, weiter vor. Doch der serbische Despot Durad Brankovic schied aus seinem Bündnis mit den Kreuzfahrern aus und setzte den Sultan von der drohenden Gefahr in Kenntnis.

Den Kreuzfahrern gelang es, die Festung Schumen zu zerstören und ihren Marsch weiter fortzusetzen. Sultan Murad II. setzte über den Bosporus, was die Kreuzfahrerflotte aus burgundischen und venezianischen Galeeren nicht hatte verhindern können, und marschierte den Kreuzfahrern entgegen. Im Heer der polnisch-ungarischen Kreuzfahrer herrschten Spannungen. König Wladyslaw III. stand mittlerweile gegen seinen Reichsverweser Johann Hunyadi. Am 10. November 1444 trafen die Heere - 30.000 Kreuzfahrer und 60.000 Osmanen - bei Warna in Bulgarien aufeinander. In der sich entwickelnden Schlacht konnte die Reiterei der Kreuzfahrer nicht nur die osmanischen Plänkler überwinden, sondern sogar die schweren Panzerreiter, die Siphai, zurückschlagen.  Eine Wende nahm die weitgehend gewonnene Schlacht, als sich König Wladyslaw III. - unzufrieden mit dem bisher erreichten - dazu hinreissen ließ, selbst einen weiteren Reiterangriff gegen die Osmanen zu führen. Das Pferd des Königs stürzte und er selbst wurde unmittelbar darauf getötet. Es folgte eine Panik im Heer, die eine kopflose Flucht auslöste. Die Osmanen nutzten die heillose Verwirrung im Heer der Christen aus und trugen den Sieg davon. Während der ungarische Reichsverweser Hunyadi entkam, blieb Kardinal Cesarini verschollen. Der Kreuzzug war gescheitert.

Johann Hunyadi führte den Kampf gegen die Osmanen fort, wurde aber zusammen mit den Albanern im Jahr 1448 in der zweiten Schlacht auf dem Amselfeld vernichtend geschlagen.


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Nach dem Fall von Konstantinopel (1453)

Das Pontifikat des ersten Borgia-Papstes Calixtus III. (Alonso Borja; PM 1455-1458) begann unter dem Eindruck der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453. Der Papst selbst hatte keine große Meinung von den unter dem Pontifikat seines Vorgängers in Rom angehäuften Kunstschätzen und war bereit, diese zu Geld zu machen, um einen Kreuzzug zu finanzieren. Doch sollten seine Bemühungen nicht von dem erhofften Erfolg gekrönt sein.



  
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