|
Von Agartha
und Shambhala
Ein
sagenhaftes Reich der Mythen und
Legenden
von Jörg Dendl |
Letztes Update:
|
| Inhalt | |
|---|---|
| Einleitung | 18.05.2004 |
| H. P.
Blavatsky |
18.05.2004 |
| Alexandre
S. Y. d'Alveydre |
18.05.2004 |
| Ferdinand Ossendowski und eine Flucht voller Wunder | 18.05.2004 |
| Sven Hedin - Die Antwort der Wissenschaft | 18.05.2004 |
| N. Roerich | 18.05.2004 |
| Literatur | 18.05.2004 |
| Zurück zur Startseite | |
Einleitung
Der asiatische Kontinent ist bekanntlich die größte
zusammenhängende Landmasse der Erde. Europa ist strenggenommen
sogar nur eine Art größere Halbinsel dieses Erdteils. Daher
ist es nicht verwunderlich, daß in den letzten Jahrhunderten das
Innere Asiens nur langsam bekannt wurde. Doch wenn auch Innerasien
mittlerweile als völlig bekannt gilt, letztendlich dank der weit
entwickelten Satellitentechnik, wollen die Gerüchte nicht
verstummen, irgendwo in den schwer zugänglichen Bergen dieses
Gebietes läge ein geheimnisvolles Land.
Die Nachrichten über ein nur schwer erreichbares Land im Inneren
Asiens, das nur Auserwählten Zugang gewährt, drangen seit der
Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder nach Europa. Einzelne Reisende
wurden ihren Mitteilungen nach an den verschiedensten Orten mit Sagen
und Legenden konfrontiert, die Andeutungen über seine Lage
machten. Der Name des Landes wechselte in den Berichten. So geht in
Rußland die Sage, irgendwo im Süden Sibiriens liegt das Land
'Belovodye' (Weißes Wasser). Die Inder berichteten
dagegen, ebenso wie die tibetischen Buddhisten von Shambhala,
einem unterirdischen Reich, dessen Zugänge irgendwo in den Bergen
des Himalaya zu suchen sind. Und in der Mongolei soll von Agartha
gesprochen werden, einem ebenfalls unterirdisch gelegenen Reich. Die
Gerüchte über ein geheimnisvolle Land regte James Hamilton
zu seinem Roman "Lost Horizon" an, der im Jahr 1933 erschien.
Insbesondere durch die schon 1937 erfolgte Hollywood-Verfilmung wurde
das darin geschilderte Fantasie-Land "Shangri-La" populär als Ort
ewiger Jugend und Freude.
Es stellt sich nun die Frage, wo das so wundersame Reich von Agartha zu
suchen ist. Einige Hinweise scheint es zu geben, werden doch sogar Orte
genannt, an denen sich Eingänge in jene mystische Region unter der
Erde befinden sollen. Aber auch die Hinweise aus anderen
Zusammenhängen lassen die Annahme zu, daß irgendein
geheimnisvolles Reich im Herzen Asiens existiert oder existierte.
So lebte nach den Sagen des alten chinesischen Volkes der Thai einst im
Kun Lun Shan, dem gewaltigen Gebirgszug, der sich von West nach Ost
durch Innerasien zieht, die Göttin Hsi Wang Mu. Dort, in der
unzugänglichen Bergeinsamkeit des tibetischen Hochgebirges, soll
sie ihre Wohnstatt gehabt haben. Ebenso, wie es nur wenigen Menschen
vergönnt gewesen sein soll, nach Agartha zu gelangen und von dort
wieder in die Regionen der Menschen zurückzukehren, war es nur
Auserwählten gestattet, zu der Göttin zu reisen. So soll Lao
Tse, der Begründer des Taoismus, mit der entrückt lebenden
Göttin gesprochen haben, die er in ihrem Bergversteck aufsuchte.
In seinem Buch "Phantastische Vergangenheit" schreibt der
bekannte französische Grenzwissenschaftler Robert Charroux:
"Eine seltsame Legende behauptet, daß Lhasa der weiße Pol
der Welt ist, während der schwarze Pol auf der Osterinsel liegen
soll. Die dort befindlichen riesenhaften Monolithen sollen die
schädlichen Wellen abfangen, um den Gegenpol Lhasa davor zu
schützen. Diese Statuen dürften gewissermaßen die
'mineralische Wesenheit' der magischen Kreise gewesen sein und fingen
die Gegenstöße auf, wenn die Zauberkünste der
Hexenmeister die Person, auf die sie gerichtet waren, nicht trafen. Auf
jeden Fall gibt es im Fernen Osten ein Mysterium, das seine Nahrung aus
der Sage von Agartha zieht. Die Existenz von Agartha wurde zuerst von
Saint Yves d'Alveydre, René Guénon und F. Ossendowski
behauptet. Es soll ein unter der Gebirgskette des Himalaja verborgenes
unterirdisches Heiligtum sein, wo die 'Meister der Welt' residieren und
ihr Amt ausüben." (Charroux,
1969, S. 141-142)
Die britische Autorin Jennifer Westwood sieht es nicht als
unmöglich an, daß ein solches Land in der Hochgebirgen
Asiens existiert. Sie schreibt: "In frühen buddhistischen
Schriften taucht es als Chang Shambala auf und wird als Quelle antiker
Weisheit beschrieben. Der Glaube an die Existenz dieser Stätte war
einstmals weit verbreitet - in China hieß es, im Kunlun-Gebirge
gebe es ein Tal, wo Unsterbliche in nichtgekannter Harmonie lebten,
während die indische überlieferung einen Ort Kalapa kennt, wo
'perfekte Menschen' weilten. In Rußland gab es die Sage, man
müsse den Weg der Tartarenhorden nur gänzlich in die Mongolei
zurückverfolgen, dann fände man Belovodye, wo die heiligen
Menschen getrennt vom Rest der Welt im Land der Weißen Wasser
wohnten. Shambala, heute Synonym für Shangri-La, lag angeblich im
Norden Tibets, wo offensichtlich unpassierbare Gebirge geheime
Täler umschlossen, die mit reicher Flora und Fauna gesegnet waren.
Hat dieses versteckte Paradies nun jemals existiert, oder war seine
Realität lediglich geistiger Natur?" Diese abschließende
Frage der Autorin wird die folgende Darstellung des Mythos vom
verwunschenen Land in Asien ständig begleiten müssen.
Wer sich auf den Mythos von Agartha einläßt, steht
zunächst vor dem Problem, überhaupt verwertbare Informationen
zu erhalten. In allzu vielen Publikationen des 19. und 20. Jahrhunderts
finden sich nur schwache Andeutungen, unbewiesene Behauptungen und
wiedersprüchliche Angaben zu Lage und Geschichte. Und mit der Zeit
beginnen sich die Nachrichten zu verdichten, sind
Veröffentlichungen zu finden, die in der Beschreibung des
großen Mythos deutlicher werden. Einzelne Autoren behaupten, auf
ihren Reisen dem Mythos sehr nahe gekommen zu sein. Sie sprachen mit
Menschen, die behaupteten, selbst in die Bereiche des unterirdischen
Reiches eingedrungen zu sein. Zwischen reiner Sensationsmache und
ernsthaften Berichten ist bei diesem Thema nicht zu unterscheiden. Es
ist nur möglich, den Mythos zu skizzieren, um ein Bild zu
entwerfen, das nur ein Abglanz sein kann. Die Entscheidung, an die
Wahrheit des Mythos von dem verwunschenen Reich in Asien zu glauben,
bleibt jedem überlassen.
Bevor die bekanntesten Darstellungen des Agartha/Shambhala-Mythos
vorgestellt werden, soll ein Blick in die populären, leicht
greifbaren Darstellungen geworfen werden, die den allgemeinen
Kenntnisstand repräsentieren. In den gängigen Lexika zur
Esoterik wird Agartha und/oder Shambhala erwähnt, doch mehr am
Rande. So schreibt Helmut Werner in seinem "Lexikon der
Esoterik" unter der Stichwort 'Agartha': "Ein geheimes
Königreich, in dem sich die geistigen Führer der Welt
treffen. Hat dieselbe Symbolfunktion wie Sambhala." Dagegen ist der in
demselben Lexikon zu findende Artikel zu Shambhala etwas
ausführlicher. Werner weist dort darauf hin, daß viele
Forscher bemüht seien, diesen mystischen Ort "... mit einem
modernen Distrikt oder einer Stadt in Einklang zu bringen, jedoch
vergeblich." Im weiteren führt der Lexikonartikel aus, Shambhala
werde in den Puranas und an anderer Stelle erwähnt. Nach
dem Glauben der Hindus soll von diesem Ort einst der Kalki Avatara der
Zukunft, eine Erscheinungsform des Gottes Vishnu, kommen. Die
Buddhisten glaubten, von dort komme der Maitreya-Buddha. Die
Begründerin der Theosophie, Helena Petrowna Blavatsky, sah
in Shambhala ein wirklich existierendes Land. Bis auf die allgemeinen
Hinweise auf die Puranas und Madame Blavatsky gibt Werner in seinen
Darstellungen allerdings keine Literatur an, die von Agartha oder
Shambhala berichtet.
Dem Geheimnis näher treten dagegen die Autoren Alberto Manguel
und Gianni Guadalupi in ihrem Lexikon literarischer
Stätten. Sie halten zwei sehr abweichende Lokalisationen von
Agartha fest: Tibet und Sri Lanka. Auch hätten Reisende dieses
Land durchzogen, ohne es zu wissen. Dann liefern sie eine Fülle
von unglaublichen Details über das versteckte Land: "Ohne
Bewußtsein haben sie vermutlich die berühmte
Universität des Wissens, Paradesa, angestarrt, wo die spirituellen
und okkulten Schätze der Menschheit aufbewahrt werden.
Unbewußt sind sie durch Agarthas königliche Hauptstadt
gegangen, die einen vergoldeten, mit den Figuren von zwei Millionen
Göttern geschmückten Thron beherbergt. Man mag den Besuchern
gesagt haben (aber sie erinnern sich nicht mehr), diese göttliche
Pracht halte unseren Planeten zusammen. Sollte ein gewöhnlicher
Sterblicher jemals einen dieser Götter erzürnen, würde
der himmlische Zorn sofort fühlbar: Die Meere würden
austrocknen und die Berge zu Wüstensand zermahlen werden.
Wahrscheinlich braucht amn nicht hinzuzufügen (auch das haben
Besucher gesehen und vergessen), daß Agartha eine der
weltgrößten Bibliotheken von steinernen Büchern besitzt
und daß in seiner Fauna Vögel mit scharfen Zähnen und
Schildkröten mit sechs Beinen vorkommen. Viele Einwohner haben
übrigens gespaltene Zungen. Das vergessene Agartha wird von einer
kleinen, aber schlagkräftigen Armee beschützt, den Templern
oder Konförderierten von Agartha." Als Grundlage dieser
Darstellung werden ein Werk des französischen Autors Alexandre
Saint Yves d'Alveydre von 1885 und das Buch vonFerdinand
Ossendowski "Tiere Menschen und Götter" von 1922
genannt. In der Darstellung von Manguel und Guadalupi sind allerdings
zahlreiche Informationen aus diesen grundlegenden Werken aus dem
Zusammenhang gerissen und vermischt worden. Dies wird sich zeigen, wenn
im folgenden näher auf diese beiden wichtigen Werke zum Mythos des
verwunschenen Landes in Asien eingegangen wird.
Für den britischen Autor Nevill
Drury ist Agartha "... der Name eines legendären Zentrums
esoterischen Wissens irgendwo unter den Himalayabergen und wird in der
okkultistischen Literatur oft als riesige Höhlenstadt und Sitz
eines geheimen 'Königs der Welt' beschrieben, der durch
unterirdische Höhlen (etwa Gänge im Gestein des
Drachensteingebirges) mit allen Erdteilen in Verbindung steht oder auf
telepathischem Wege die Geschicke der Welt beeinflußt. Diese
esoterische Legende ist vermutlich eine Aktualisierung der
mittelalterlichen Sage vom Reich des 'Priesters Johannes', eines fernen
christlichen Herrschers, der das Abendland von der Bedrohung durch den
Islam erretten könnte." [Drury,1988, S. 17] Durch seine Ansicht,
der Mythos von Agartha sei eine moderne Version der Sage vom 'Priester
Johannes', zeigt sich Drury als Skeptiker. Hatte doch das
europäische Mittelalter einst gehofft, von dem im Osten der
islamischen Reiche liegenden legendären christlichen
Königreich Hilfe in den Kreuzzügen zu erhalten. In seiner
Wortwahl zeigt Drury eine gewisse Distanz zu dieser Legende, da er ihr
offensichtlich kein hohes Alter zugesteht. Doch in mancher anderen
Publikation zu Agartha wird ein Szenario entworfen, das mit
ähnlichen Hoffnungen für das Europa des 20. Jahrhunderts
verknüpft wird. Agartha wird darin zum Hoffnungsträger
für eine kriegsmüde Menschheit auf eine friedliche Zukunft.
Helena Petrowna Blavatsky - das Reich der Mahatmas
[Ausführungen zu diesem Thema werden demnächst hier zu finden sein. J.D.]
Alexandre Saint Yves d'Alveydre - die Mission Indiens
Der schon genannte Alexandre Saint Yves d'Alveydre war der
erste europäische Autor, der sich intensiv mit dem Mythos von
Agartha beschäftigte. In seinem Buch "Mission de l'Inde en
Europe", das nie in deutscher Sprache erschien, schildert er seine
Erkenntnisse.
Robert Charroux zitiert folgenden Abschnitt aus dem Buch "La
Synarchie" von Jaques Weiss, in dem dieser eine Kurzfassung
der von Alexandre Saint Yves d'Alveydre in seinem Buch
vorgelegten Schilderung von Agartha wiedergibt:
[S. 142:] "Agartha ist die große asiatische Universität der
in die Geheimnisse Eingeweihten. Ihr 'Mahatma' (große Seele)
spielt die Rolle eines obersten geistigen Führers der Menschheit,
ohne sie sich anzumaßen.
Diese Rolle ist eine rein erzieherische und friedliche, obwohl Agartha
physikalische Kenntnisse zur Verfügung stehen, die es ihr
gestatten würden, unseren Planeten in die Luft zu sprengen, und
die Wissenschaft von der Seele ist dort gleich hoch entwickelt. Bis zum
19. Jahrhundert hat Agartha der Welt die Kenntnis von ihrer Existenz
vorenthalten.
Der Grund dafür? Ihre Wissenschaft hätte wie die unsere dem
übel, dem Antichrist und der Anarchie im Kampf gegen die
Menschheit die Waffen geliefert. Die Geheimhaltung wird erst dann
überflüssig sein und aufgehoben werden, wenn die von Moses
und Jesus aufgestellten Gebote von den Christen gehalten werden, d.h.
wenn die An-archie in der Welt durch die Synarchie abgelöst wird.
(Merkwürdig ist, daß diese Worte sich fast mit denen der
Marienerscheinung in dem portugiesischen Dorf [Fatima
J.D.] decken: 'Wenn man auf meine Bitte hört, wird Rußland
sich bekehren, und man wird Frieden haben.')
Wo liegt nun Agartha?
[S. 143:] Es ist nicht tunlich, genauere Angaben als die folgenden zu
geben: Vor der Ankunft Rams wurde das Hauptquartier von Agartha, das
sich in Ayodhya, der Sonnenstadt, befand, an einen anderen Ort verlegt.
Im Jahr 1800 v. Chr. siedelte das Heiligtum endgültig an einen Ort
im Himalaya über, der Millionen von Asiaten bekannt ist. Doch wird
man unter ihnen keinen finden, der diese neue Residenz verrät.
(Wir haben den 'Christus Rex' Serge Raynaud de la Ferrière -
Pontifex Maximus der Weltkirche, Höchster Regent von Agartha,
Direktor des ständig tagenden Weltbüros für kulturelle
Fragen usw. persönlich kennengelernt. Er verlegte den Eingang zu
Agartha in die Gegend des Klosters Chigatzeh und von Kwen Lun. Wir
haben auch den Prinzen Cherenzii Lind, Maha Cohan, sehr gut gekannt.
Auch er bezeichnete sich als den höchsten Regenten von Agartha und
versprach, uns in das nördlich von Lhasa gelegene, unterirdische
Heiligtum zu führen. Wir haben sogar die Ehre gehabt, von Agartha
wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt zu werden.)
In dem heiligen Gebiet von Agartha leben 20 Millionen Menschen (Nach
Angabe des Maha Cohan soll auch der Apostel Paulus noch heute im
Großen Rat Gottesdienst abhalten.) Es gibt dort kein
Gefängnis, nie wird die Todesstrafe verhängt. Die
Polizeigewalt liegt in den Händen der Familienväter.
Millionen Dwijas ('Wiedergeborene') und Yogis ('mit Gott Vereinte')
bewohnen die symmetrisch aufgeteilten Vororte von Agartha. Sie sind
meist in unterirdischen Bauten untergebracht.
Ihnen übergeordnet sind 5000 Pundits ('Gelehrte'), 365 Bagwandas
(Kardinäle) und schließlich die 12 Mitglieder des Hohen
Rates der Eingeweihten.
In den Bibliotheken ist seit 55700 Jahren alles Wissen und alle
Kunstfertigkeit der Menschheit in Dokumenten gesammelt worden. Sie
befinden sich in tiefen unterirdischen Gewölben. Auch die Profanen
dürfen sie benutzen.
Die eigentlichen Archive der Paradesa (Universität) sind in auf
Tausende von Kilometern sich erstreckenden Galerien untergebracht. An
dem Tag, da in Europa das anarchische Regime durch die dreieinige
Synarchie abgelöst wird, werden alle diese Kostbarkeiten allen
zugänglich sein.
Bis dahin aber gilt: Wehe den Vorwitzigen, die sich daranmachen
[S. 144:] würden, die Erde zu durchwühlen. Ihrer wartet eine
furchtbare Enttäschung und ein sicherer Tod. Nur der Pontifex
Maximus von Agartha und seine unmittelbaren Mitarbeiter kennen den
gesamten Katalog dieser planetarischen Bibliothek.
Die Fakire sind meistens ehemalige Schüler von Agartha, die ihre
Studien abgebrochen haben, bevor sie höhere Grade erreichten.
Keiner kann jedoch Originaltexte seiner Schulbücher mitnehmen. Er
muß sein Wissen allein im Gedächtnis aufbewahren.
Als im sechsten Jahrhundert v. Chr. Sakya Muni (Buddha) nach einem
Ausflug in seine Zelle zurückkehrte, stieß er einen
furchtbaren Schrei aus: Verschwunden waren die Studienhefte, auf die er
gerechnet hatte, um seine im geheimen vorbereitete revolutionäre
Bewegung zu vollenden.
Vergebens lief er zum höchsten Tempel, wo der Brahatma wohnt. Die
Pforten blieben unerbittlich verschlossen. Vergebens setzte er eine
ganze Nacht lang alle seine Kenntnisse der Magie ein. Die Hierarchie
hatte alles vorausgesehen und wußte alles.
Der Begründer des Buddhismus mußte fliehen und in aller Eile
seinen ersten Schülern diktieren, was er im Gedächtnis hatte
behalten können."
[zit. n.: Charroux, 1969, S. 142-144 (Die innerhalb des Zitats in runde Klammern gesetzten Abschnitte sind die Kommentare von Jaques Weiss.)]
[Weitere Ausführungen zu diesem Thema werden demnächst hier zu finden sein. J.D.]
Ferdinand Ossendowski - eine Flucht voller Wunder
In seinem Buch "Tiere, Menschen und Götter", das in weiten
Teilen seine Flucht aus dem revolutionären Rußland
schildert, teilt Ferdinand Ossendowski neben den Berichten über
Feuergefechte mit seinen Verfolgern, Räuberüberfälle und
Beschreibungen der atemberaubenden Landschaften Innerasiens auch
zahlreiche legendenhaft anmutende Nachrichten mit, die er zum Teil aus
dem Mund heiliger gelehrter Männer gehört haben will. So
wurde sein Buch zu einem wichtigen, wenn auch umstrittenen Quellentext
für das Agartha-Mysterium. Seine diesbezüglichen
Darstellungen beruhen, wie der Asien-Forscher Sven Hedin
nachweisen konnte, nicht auf selbst vor Ort in Erfahrung gebrachten
Nachrichten, sondern basieren auf dem schon vorgestellten Buch von A.
Saint Yves d'Alveydre. Aber gerade wegen dieses Umstands soll das
mittlerweile nahezu unbekannte Buch Ossendowskis hier in den
Abschnitten berücksichtigt werden, die Agartha betreffen. Im
folgenden Kapitel werden dann die Feststellungen Sven Hedins
referiert. So dürfte es dem Leser möglich sein, sich ein
eigenes Bild von dieser Problematik zu machen.
Im folgenden werden anhand seines Buches die Reisen Ossendowskis so
ausführlich wie nötig geschildert, um den geographischen Raum
abzustecken, den seine Darstellung umfaßt. Die einzelnen
Stationen dieser Reisen waren für ihn nac h seinen eigenen Worten
auch Stufen auf dem Weg zum Mysterium von Agartha. Abweichend von
Ossendowskis eigener Darstellung, die zunächst weitgehend eine
reine Reiseschilderung ist und erst in der letzten Kapiteln die
Berichte über Agartha wiedergibt, werden die Agartha-Berichte hier
in der zeitlichen Reihenfolge wiedergegeben, wie der Berichterstatter
sie hörte.
Ferdinand Ossendowski wurde im Jahr 1920 in der sibirischen Stadt
Krasnojarsk von den Wirren der Russischen Revolution von einer Stunde
auf die andere in eine abenteuerliche Flucht gezwungen. Zunächst
lebte er bis ins Frühjahr 1921 hinein als Jäger in einer
einsamen Hütte am Ufer des Jenissei. Als seine Lage auch hier
unsicher wurde, entschloß er sich, zusammen mit einem Agronomen,
den er kennengelernt hatte, in Richtung Süden zu fliehen.
"Da ich meine geographische Position in Sibirien gut kannte," schreibt
Ossendowski, "entschied ich mich dahin, daß der beste Weg zur
Sicherheit folgender sei: durch Urianhai nach dem nördlichen Teil
der Mongolei, der zum Quellgebiet des Jenissei gehört, und dann
quer durch die Mongolei hindurch nach dem Fernen Osten und dem Stillen
Ozean." [Ossendowski, 1923, S. 41]
Auf dem Weg durch die von der Kizill-Kaja-Bergkette durchkreuzten
Steppen von Minusinsk, wo sich auch zahlreiche Salzseen befinden,
stieß er auf eigenwillige Steinbauten. "Dies ist ein Land der
Gräber, das Land Tausender großer und kleiner Dolmen, der
Grabmäler seiner ersten Besitzer: Steinpyramiden bis zu zehn Meter
Höhe, die als Denkmäler von Dschingis Khan auf seinem
Eroberungswege und später von dem Krüppel Tamerlan-Timur
aufgerichtet wurden. Tausende dieser Dolmen und Steinpyramiden
erstrecken sich in endlosen Reihen in nördlicher Richtung."
[Ossendowski, 1923, S. 43-44], berichtet Ossendowski. Schließlich
gelangten die beiden Flüchtlinge an die Grenze von Urinhai. Mit
gefälschten Pässen ausgestattet, schmuggelten sie sich von
einer sowjetischen Poststation zur anderen, immer ihr Ziel, die
Südgrenze Rußlands, vor Augen. Sie machten Halt in der Stadt
Karatuz, durchzogen das Tal des Amyl und gelangten auf diese Weise sie
schließlich drei Tage später zum letzten russischen Dorf an
der Grenze. Am Amyl muß Ossendowski auch zum ersten Mal mit der
Legende von Agartha konfrontiert worden sein. Er schreibt:
"Alte Leute am Ufer des Amylflusses erzählten mir, daß einer
alten Legende zufolge ein gewisser mongolischer Stamm, um den
Anforderungen Dschingis Khans zu entgehen, sich in dem unterirdischen
Land verborgen habe. Ein Sojot, der aus der Nähe des Sees Nogan
Kul stammte, zeigte mir das rauchende Tor, das einen Eingang zum
Königreich Agarthi darstellen soll. Durch das Tor sei früher
einmal ein Jäger in das Königreich gekommen. Nach seiner
Rückkehr habe er zu erzählen begonnen, was er dort gesehen
hatte. Darauf hätten ihm die Lamas die Zunge ausgeschnitten, um
ihn daran zu hindern, das Mysterium preiszugeben. Als er alt geworden
sei, sei er dann zu der Eingangsstelle der Höhle
zurückgekommen und, angezogen durch die alten Erinnerungen, in dem
unterirdischen Königreich verschwunden." [Ossendowski, 1923, S.
345]
Weitere drei Tage später hatten sie den nördlichen
Rücken des Sajangebirges überschritten, durchritten den
Grenzfluß Algiak und verließen so Rußland. Der
weitere Weg führte sie zum Fluß Seybi, von wo aus sie in die
Bergkette des Hohen Daban hinaufritten. Ihren Weg richteten sie nun auf
den Kleinen Jenissei, den letzten großen Fluß vor der
eigentlichen Mongolei. Diesen Fluß von dreihundert Meter Breite
überwand Ossendowski mit seinem Pferd schwimmend, ein
lebensgefährliches Unterfangen in den reißenden Fluten des
eisigen Wassers. Die Schwierigkeiten des vor ihnen liegenden Weges
abschätzend, verzichtete Ossendowski nun darauf, seinen
ursprünglichen Plan zu verfolgen und das Tannu-Ola-Gebirge zu
überschreiten. So wandte er sich mit seinem Gefährten in
Richtung auf den Kosogol-See. Von dort aus wollte Ossendowski weiter
nach China. Die weitere Reise begann vielversprechend. Nur zwei Tage
brauchten die Reiter, um den Paß zwischen den Tälern des
Buret Hei und des Kharga zu erreichen. Am Fluß Oina wurden sie
von Sojoten aufgehalten, die ihnen untersagen wollte, in das Gebiet des
Fürsten von Soldjak einzureiten. Von einem alten Sojoten, dessen
Sohn Ossendowski mit einfachsten Mitteln von einem anhaltenden
Nasenbluten heilte, wurde die Gruppe nach Soldjak geführt. Der "Ta
Lama", der 'große Doktor', sollte seine Künste auch an der
Frau des Fürsten, die an einer Augenkrankheit litt, seine Kunst
zeigen. Zehn Tage verbrachte er in der Jurtenstadt Soldjak, dann brach
er mit einem vom Fürsten gestellten Führer nach Kosogol auf.
Schon der erste Tag der Reise brachte sie zum Heiligen See Teri Nor.
Dort erfuhr Ossendowski erstaunliches über dieses Gewässer.
"Unser Führer setzte uns auseinander, daß der See vor zwei
Jahrhunderten nicht bestanden und sich dort eine sehr starke
chinesische Festung befunden habe. Ein chinesischer Befehlshaber der
Festung habe einen alten Lama beleidigt, vom dem dann der Ort unter der
Prophezeiung, daß ihm völlige Zerstörung
bevorstünde, verflucht worden sei. Schon am nächsten Tage
hätte sich das Wasser aus dem Boden erhoben, die Festung
zerstört und alle chinesischen Soldaten verschlungen."
[Ossendowski, 1923, S. 86] Als Beweis verwies der Führe auf die
Gebeine von Menschen und Pferden, die bei Sturm an die Ufer des Sees
geworfen würden. Ossendowski weist noch darauf hin, daß der
See sich jährlich vergrößert und immer näher an
das ihn umgebende Gebirge herantritt. Die Ursache des Anwachsens des
Sees dürfte allerdings mehr in einer geologischen Besonderheit der
Gegend zu suchen sein, vielleicht auch in einem seit zweihundert Jahren
verstopften Abfluß des Sees, als in mysteriösen
Flüchen.
Auf dem weiteren Weg verlor der Führer die Orientierung in der
Gebirgslandschaft. Dieser wollte schon zum Ausgangspunkt
zurückkehren, da entdeckte ein Gefährte Ossendowskis
Markierungen, die den verlorenen Weg wiesen. Den übergang
über den Paß von Darkhat Ola mußte sich die Gruppe
gegen einen Trupp bolschewistischer Revolutionäre erkämpfen.
Glücklich über den Paß gelangt, erfuhren sie von mit
ihren Herden nach Nordwesten fliehenden Sojoten, daß
bolschewistische Truppen die russische Niederlassung von Khatyl am
Kosogol-See erobert und sich dann nach Muren Kure, südlich davon
gewandt hätten. In dieser Lage entschlossen sich Ossendowski und
seine Gefährten, zwischen diesen beiden Orten
hindurchzustoßen, um das weiter im Osten liegende Van Kure zu
erreichen. Sie erreichten den Kosogol-See, der nach der Worten
Ossendowskis im Krater eines erloschenen Vulkans liegt.
Schließlich führte sie ihr Weg zum Ufer des Uriflusses. Dort
erfuhren sie, daß ihnen der weitere Weg zum Stillen Ozean
verschlossen war. In den Gefechten zwischen den bolschewistischen
Truppen und den von Baron Ungern-Sternberg geführten
antibolschewistischen Einheiten, hatte der Baron zwei Niederlagen
hinnehmen müssen. Auch hatte die bolschewistische Propaganda bei
den chinesischen Behörden in Urga dazu geführt, daß
alle Ausländer als verdächtig angesehen wurden, zu den
Feinden der Bolschewiki zu gehören. Auch wurden aufgegriffene
Ausländer nach Rußland ausgeliefert. Unter diesen Gefahren
war es nicht möglich, den Weg wie geplant fortzusetzen. In dieser
Lage entschloß sich Ossendowski, den Weg nach Süden zu
wenden. Er plante, eine Durchquerung der Mongolei von Norden nach
Süden und einen schnellen Durchstoß durch das nur sechzig
Meilen breite Gebiet der chinesischen Provinz Kansu zu wagen, um so
nach Tibet zu gelangen. Von dort aus hoffte er mit englischer Hilfe
nach Indien gelangen zu können.
Die Strecke von 1100 Meilen legte die Gruppe Ossendowski zufolge in 48
Tagen zurück. Auf dem Weg stattete Ossendowski dem
Narbantschi-Kloster einen Besuch ab. Gastgeschenke wurden
überreicht und Ossendowski erhielt von dem Vorsteher des Klosters,
dem Hutuktu Jelyp Djarmsrap, einen Ring, der ihm geradezu als Paß
für Tibet dienen sollte. An diesem Ort sollte er Einzelheiten
über den Mythos von Agartha erfahren, die geradezu phantastisch
waren. Schließlich war Tibet erreicht. Am Ende dieses Weges war
Ossendowski von Fieber geplagt und fand Aufnahme und Hilfe im Kloster
Sharkhe. Fünf Tage nach dem erneuten Aufbruch gelangte die Gruppe
an den See Koko-Nor und zog dann weiter zum Tassoun-See.
Den folgenden Versuch, einen Paß in den Bergen des Ham-Shan zu
überschreien, bezahlten zwei Begleiter Ossendowskis mit dem Leben,
als eine Gruppe von vierzig tibetischen Anhänger der Bolschewisten
ihr Lager überfiel. Nach diesem Blutzoll zog Ossendowski mit den
übrigen Gefährten weiter bis zu den Quellen des Flusses
Ma-Tschu, nicht weit vom See Aroung-Nor. Hier fand die Flucht nach
Süden endgültig ihr Ende. Von ihren Verfolgern zu einem Kampf
gezwungen, der noch weiteren Mitgliedern der Gruppe das Leben kostete,
beschlossen die übrigen, sich wieder nach Norden zu wenden.
Sie kehrten zum Narbantschi-Kloster zurück, wo sie schon auf dem
Hinweg Aufnahme gefunden hatten. Und auch hier will Ossendowski wieder
Einzelheiten über den Mythos von Agartha in Erfahrung gebracht
haben. Der Hutuktu des Klosters berichtete ihm von den Wundern des
Königs der Welt.
"Erst dann begann ich zu verstehen, daß in dieser Legende, mag es
Hypnose oder Massenvision sein, nicht nur Mysterium, sondern auch
realistische und mächtige Kraft verborgen liegt, die befähigt
ist, die Entwicklung des politischen Lebens Asiens zu beeinflussen."
[Ossendowski, 1923, S. 345], schreibt Ossendowski. Er war
offensichtlich zutiefst beeindruckt von der Vision, die der gelehrte
Abt vor ihm ausbreitete. Von dieser Zeit an begann Ossendowski, der
bisher nur bruchstückhafte und an Märchen gemahnende
Nachrichten über Agartha erfahren hatte, sich gezielt nach dem
geheimnisvollen Reich zu erkundigen.
Die Gruppe Ossendowskis mußte nun Pläne für die
Weiterreise machen. Die russischen Offiziere, die die Kämpfe
überlebt hatten, schlossen sich antibolschewistischen Truppen an.
Ossendowski und der ihn begleitende Agronom richteten dagegen ihre
Blicke wiederum nach Osten. Hier sahen sie die Möglichkeit, ihre
bisher vergebliche Flucht fortzusetzen. Einige Zeit verbrachten sie in
Uliassutai, der Hauptstadt der westlichen äußeren Mongolei.
Zunächst saßen sie dort fest, denn "Im Westen wüteten
die chinesischen Verwaltungsbeamten und ihre Truppen, und im Osten war
ein Krieg ausgebrochen." [Ossendowski, 1923, S. 124] Dem russischen
General Baron Ungern war es zwar schon am 3. Februar 1921 gelungen Urga
zu erobern, nachdem er zweimal zurückgeschlagen worden war, aber
davon wußte Ende März in Uliassutai noch niemand, so auch
nicht Ossendowski. Doch langsam sickerten Gerüchte über die
neue Lage durch. So kamen die in Uliassutai ansässigen Nichtrussen
überein, Kundschafter auszusenden. Dies waren Ossendowski und der
Agronom, die von einem alten Mongolen namens Tzeren begleitet wurden.
Diesen hatte ihnen Fürst Chultun Beyle zur Verfügung
gestellt. Sie brachen in Richtung Kobdo auf. Am See Baga Nor nahmen sie
nach einem zweitägigen Ritt, der sei 170 Meilen weit gebracht
hatte, Aufenthalt in einer Jurte. In dieser Nomadenbehausung will
Ossendowski eines der beeindruckendsten mystischen Erlebnisse seiner
gesamten Reise gehabt haben.
Als er mit seinen Begleitern bei der Jurte eingetroffen war, hatte
recht überstürzt ein geheimnisvoller Mann, dessen Ausstattung
einen hohen Rang anzeigte, den Ort verlassen. Die Bewohner der Jurte
hatten dem Reisenden keine Auskunft über dessen Namen geben
wollen. Doch dieses Rätsel sollte sich bald in einzigartiger Weise
aufklären.
Der geheimnisvolle Reiter erschien wieder in der Jurte. Man unterhielt
sich über die Lage in der Mongolei. Als der Fremde vom geplanten
Ziel Ossendowskis erfuhr, behauptete er, er habe Informationen, die
eine Weiterreise nach Kobdo, die überaus gefährlich sei,
unnötig machen würde.
Schließlich kommt Ossendowski auf seinen gescheiterten Versuch zu
sprechen, durch Tibet zu ziehen. Da gab sich der Geheimnisvolle als
Tushegoun Lama zu erkennen. Der Name des Mannes weckte Erinnerungen in
Ossendowski. "Wie viele außerordentliche Erzählungen hatte
ich schon über diesen Mann gehört. Er ist ein russischer
Kalmück, der infolge der Propaganda, die er für doe
Unabhängigkeit des Volkes der Kalmücken trieb, zur
Regierungszeit des Zaren die Bekannschaft vieler russischer
Gefängnisse machen mußte und der aus demselben Grund von den
Bolschewiki verfolgt wurde. Er entkam nach der Mongolei und erlangte
hier sofort großen Einfluß unter den Mongolen. Das war kein
Wunder; denn er ist ein enger Freund und Jünger des Dalai Lama in
Potala (Lassa) und der gebildetste aller Lamaisten, ein berühmter
Heilkundiger und Doktor." [Ossendowski, 1923, S. 134-135] Die Macht und
der Einfluß, die dieser Lama ausüben konnte, beruhten seinen
eigenen Angaben nach auf "seinem großen Wissen in den Dingen des
Mysteriums". Allerdings scheint auch eine außerordentliche
Grausamkeit, mit der er Verfehlungen unnachgiebig mit dem Tode
bestrafte, nicht unbeteiligt an seinem eigenen Mythos gewesen zu sein.
Zu guter Letzt bewies dieser Lama Ossendowski seine Macht. Ossendowskis
Worte schildern eindringlich, was in der vom Wind umheulten Jurte
geschah:
"Er stand auf, streifte die Aermel seines gelben Gewandes in die
Höhe, ergriff sein Messer und schritt zu dem Schafhirten
hinüber.
'Mischik, steh auf' befahl er.
Als der Hirte aufgestanden war, knöpfte der Lama schnell den Rock
des Mannes auf und entblößte dessen Brust. Ich konnte noch
nicht verstehen, was er vorhatte, als der Tushegoun plötzlich mit
aller Kraft sein Messer in die Brust des Hirten hineinstieß. Der
Mongole stürzte zu Boden, den ganzen Körper mit Blut bedeckt.
Auf dem gelben Seidengewande des Lamas nahm ich einen Blutspritzer
wahr.
'Was haben sie getan?' rief ich aus.
'Pst, ruhig,' flüsterte er, indem er mir ein völlig
weiß gewordenes Gesicht zuwandte.
Mit wenigen Messerschnitten öffnete er die Brust des Mongolen. ich
sah die langsam arbeitende Lunge des Hirten und die Bewegungen seines
Herzens. Der Lama rührte diese Organe mit seinem Finger an, doch
schien kein Blut mehr zu fließen, auch war das Gesicht des Hirten
vollkommen ruhig."
Ossendowski schloß seine Augen, als der Lama nun auch noch den
Leib des Hirten öffnen wollte.
"Als ich sie kurz danach wieder ein wenig öffnete, war ich noch
mehr verwundert, denn ich sah, daß der Hirt mit noch immer
offenem Rock, aber heiler Brust dalag und sich in einem ruhigen Schlafe
befand, während der Tushegoun Lama am Feuer saß, seine
Pfeife rauchte und in tiefen Gedanken in die Flammen starrte."
[Ossendowski, 1923, S. 136]
Der Lama lehnte es ab, was er getan hatte, ein Wunder zu nennen. Als
Ossendowski seinen Begleiter nach dem Geschehen fragte, reagierte
dieser kaum. Da dämmerte dem Zeugen des unvorstellbaren
Geschehens, daß er von dem Tushegoun Lama hypnotisiert worden
war.
Beim Abschied am nächsten Tag bezeichnete der Lama seine
Vorführung als "flüchtige Demonstration". Dann wies er auf
die Kräfte des Heiligsten Tashi Lama hin, auf dessen Befehl hin
sich die "Lampen und Lichter vor der alten Statue Buddhas
entzünden". "Aber es gibt noch einen mächtigeren und
heiligeren Mann ..." fügte er geheimnisvoll hinzu. Und mit seiner
darauf folgenden Frage rührte Ossendowski das größte
mystische Rätsel Zentralasiens an.
Ossendowski glaubte diesen heiligen Mann zu kennen. "Das ist der
König der Welt in Agarthi?" fragte er seinen Gegenüber.
Der Tushegoum Lama war erstaunt, daß sein Gesprächspartner
vom König der Welt gehört hatte. Er fügte hinzu,
daß er der einzige lebende Mensch sei, der jemals in Agartha
gewesen sei und den heiligen Namen des Königs der Welt kenne.
Deshalb sei er, der sonst nur ein Krieger und Rächer sei, vom
Dalai Lama ausgezeichnet worden. Dies sollte Ossendowskis dichteste
Berührung mit dem Mythos von Agartha gewesen sein. Kein
Europäer sollte jemals wieder auf einen Mann treffen, der selbst
in Agartha gewesen zu sein behauptete.
Der Weg führte Ossendowskis kleine Gruppe weiter in
nördlicher Richtung durch das Tal des Boyagol-Flusses, auf die
Tarbagatai-Berge zu. Sie gelangten zum Tal des Adair-Flusses und
erreichten schließlich Kathyl am Kosogol-See. Dort erwarteten die
Kundschafter schlechte Nachrichten. Es hieß, bolschewistische
Truppen seien im Anmarsch. Sie wandten sich nach Muren Kure und kehrten
unter weiteren Abenteuern nach Uliassutai zurück. Die Stadt trafen
sie in größter Unruhe an. Die Chinesen hatten in den zwei
Wochen der Abwesenheit Ossendowskis insgesamt elf Boten nach Urga
gesandt, aber keiner war zurückgekehrt. Die in der Stadt
anwesenden Ausländer fühlten sich von den Chinesen bedroht,
die mittlerweile sogar die Bauern der Umgebung bewaffneten.
Ausschreitungen und Pogrome gegen die in Kobdo ansässigen Russen
ließen Schlimmes auch in Uliassutai befürchten. Der
Höhepunkt der Bedrohung war schließlich erreicht, als ein
Chinese offen die Entwaffnung der Russen in der Stadt forderte. Doch
die Befürchtungen zerstreuten sich, als die Nachricht in die Stadt
gelangte, der russische General Baron Ungern habe Urga erobert. Der
'Lebende Buddha', Bogdo Hutuktu, war wieder der Khan. Nach
längeren Verhandlungen zwischen den Mongolen, die nun die Oberhand
hatten, und den Chinesen, kam man überein, daß der von den
Chinesen verjagte Sait namens Chultun Beyli wieder in sein altes Amt
eingesetzt wurde. Wieder war Ossendowski gezwungen, die Stadt zu
verlassen, wiederum nicht zur eigenen Sicherheit. Er folgte Chultun
Beyli, der sich zum Kloster Narabantschi begeben hatte, das von den
Truppen des russischen Obersten Domojiroff und dem Mongolen Hun Bolon
bedroht wurde. Es gelang Ossendowski die vertrackte Lage zu
klären.
Während seines nunmehr dritten Aufenthalts in diesem Kloster
sollte Ossendowski ein weiteres Wunder erleben. Und er will nun auch
noch mehr über Agartha erfahren haben. Er wurde vom Hutuktu in ein
Gebäude des Klosters gebracht, in dem einst der Dalai Lama und
Bogdo Khan gewohnt hatten. Darin zeigte man ihm ein prächtig
ausgestattetes Schlafzimmer. In diesem Zimmer hatten sich einmal auf
Geheiß eines Fremden alle Gelongs (Priester) und Getuls
(Mönche dritten Ranges) versammeln müssen. Daraufhin gab sich
der Fremde als der Tashi Lama zu erkennen.
"Er war der Mann, dem die ganze Welt gehört und der in alle
Mysterien der Natur eingedrungen ist.", schreibt Ossendowski.
[Ossendowski, 1923, S. 206] Nach einem Gebet machte er Prophezeiungen
für die nächsten fünfzig Jahre und verschwand, ohne eine
Spur zu hinterlassen. Nachdem Ossendowski dies erfahren hatte, sollte
er selbst ein weiteres Mal mit einem Mysterium konfrontiert werden.
Seinem Bericht zufolge sah er hinter einer goldenen Buddhastatue in
einer Vision seine Familie. Nachher ließ er sich diese Vision,
deren Zeugen auch seine Begleiter geworden waren, verbriefen.
An diesem Ort werden wohl auch die Gespräche über Agartha
stattgefunden haben, die Ossendowski im Anschluß an seinen
Reisebericht schildert. Neben Fürst Chultun Beyli und einem
Gelong, der diesem sehr nahe stand, berichtete auch Baron Ungern von
dem geheimnisvollen Reich, was Ossendowski in einer umfangreichen
Passage schildert:
"[S. 345:]'Alles in der Welt,' sagte der Gelong, 'befindet sich
beständig in einem Zustand der Wandlung und des
[S. 346:] Uebergangs - die Völker, die Wissenschaft, die
Religionen, die Gesetze und die Sitten. Wie viele große
Kaiserreiche und glänzende Kulturen sind schon untergegangen! Das,
was allein unverändert bleibt, ist das Böse, das Werkzeug der
bösen Geister. Vor mehr als sechzigtausend Jahren verschwand ein
Heiliger mit einem ganzen Menschenstamm unter dem Erdboden, um sich
niemals wieder an der Erdoberfläche zu zeigen. Viele Leute haben
indessen seitdem dieses Königreich besucht, Sakkia Mouni, Undur
Gheghen, Paspa, Khan Baber und andere; aber niemand weiß, wo sich
das Königreich befindet. Die einen sagen in Afghanistan, andere in
Indien. In ihm ist das Volk gegen das Böse geschützt,
Verbrechen gibt es nicht innerhalb seiner Grenzen. Die Wissenschaft hat
sich in ihm ruhig entwickelt, nichts ist in ihm durch Zerstörung
bedroht. Das unterirdische Volk hat das höchste Wissen erreicht.
Das Land unter der Erde ist jetzt ein großes Königreich. Zu
ihm gehören Millionen von Menschen. Sein Herrscher ist der
König der Welt. Dieser kennt alle Kräfte der Welt und vermag
in den Seelen der Menschheit und in dem großen Buch ihres
Geschickes zu lesen. Unsichtbar regiert er über die achthundert
Millionen Menschen, die auf der Erdoberfläche leben. Sie sind
jedem seiner Befehle unterworfen.' Fürst Hultun Beyli fügte
hinzu: 'Dieses Königreich ist Agarthi. Es erstreckt sich über
alle unterirdischen Gänge der Welt. Ich hörte, wie ein
gelehrter Lama aus China dem Bogdo Khan erzählte, daß die
unterirdischen Höhlen in Amerika von der ehemaligen
Bevölkerung dieses Kontinents bewohnt seien. Alle unterirdischen
Völker und unter der Erde befindlichen Räume werden von
Herrschern regiert, die dem König der Welt untertan sind. Darin
liegt nichts allzu Wunderbares. Sie wissen ja,
[S. 347:] daß es früher in den beiden größten
Ozeanen des Ostens und Westens zwei Kontinente gegeben hat, die unter
der Wasseroberfläche verschwanden. Deren Bevölkerung
gehört jetzt zu dem unterirdischen Königreich. In den
Höhlen unter der Erdoberfläche herrscht ein besonderes Licht,
dem es zu danken ist, daß dort Getreide und Pflanzen wachsen und
die Menschen ein langes, von Krankheiten freies Leben führen
können. Es gibt dort mancherlei verschiedenartige Völker und
Stämme. Ein alter buddhistischer Brahmane von Nepal führte
den Willen der Götter aus, indem er einem alten Königreich
Dschingis Khans - Siam - einen Besuch abstattete. Dort traf er einen
Fischer, der ihm befahl, in seinem Boot Platz zu nehmen und mit ihm auf
das Meer hinauszufahren. Am dritten Tag erreichten sie eine Insel, auf
der der Brahmane Menschen vorfand, die zwei Zungen hatten und deshalb
zwei verschiedene Sprachen sprechen konnten. Diese Menschen zeigten ihm
ganz sonderbare Tiere, Schildkröten mit sechzehn Füßen
und mit einem Auge, riesige Schlangen mit sehr schmackhaftem Fleisch
und Vögel, die Zähne hatten, so daß sie für die
Inselbevölkerung Fische fangen konnten. Diese Leute erzählten
ihm, daß sie von dem unterirdischen Königreich
emporgestiegen seien, und beschrieben ihm gewisse Teile desselben.' "
[Ossendowski, 1923, S. 345-347]
Nach all diesen eindringlichen Erlebnissen, die am Rande der
Wirklichkeit zu liegen scheinen, kehrte Ossendowski wieder nach
Uliassutai zurück. In den Tagen nach seiner Ankunft kam es zu
einer Lage, die befürchten ließ, daß sich unter den
anwesenden russischen Truppen bald auch hier Soldatensowjets bilden
würden. Da beschlossen die in der Stadt anwesenden Nichtrussen,
die Stadt zu verlassen. Ossendowski, der Agronom und zwei polnische
Soldaten wollten über Zain Shabi nach Urga reisen. Etwa sechzig
Meilen vor Zain trennte sich die Gruppe. Ossendowski ritt, nur von
einem mongolischen Führer begleitet, allein weiter. Bis zum
Sonnenuntergang dieses Tages hatte er die Stadt erreicht. Dort
erwartete ihn die unangenehme Aufgabe, 200 Meilen nach Van Kure zu
reisen, wo er obert Kazagrandi treffen sollte, den er eigentlich in
Zain zu treffen gehofft hatte. In Van Kure traf er schließlich
auf Kazagrandi und auch Baron von Ungern traf dort ein. Von diesem mit
seinem eigenen weißen Kamel ausgestattet, wurde Ossendowski in
Richtung Urga weitergeschickt. Endlich erreichte er das Ziel der Reise:
Urga, die Stadt, in der Bogdo Khan, der Lebende Buddha, seinen Sitz
hatte. Hier traf er auch wieder auf Baron Ungern. Diesem verdankte
Ossendowski eine Begegnung mit dem Lebenden Buddha, bei der er Zeuge
der Niederschrift einer Prophezeiung des heiligen Mannes wurde. Doch
diese klang "... sehr verwirrt und nichts weniger als klar ...".
[Ossendowski, 1923, S. 298] Es ist die Geschichte eines alten Lamas,
der einen Korb mit Steinen trägt. Ein weißer Reiter will ihm
die Last abnehmen, doch ist sie zu schwer. Ein roter Reiter
stößt ihm die Last von der Schulter, worauf die Steine sich
als Diamanten entpuppen, die sich aber nun nicht mehr in den Korb legen
lassen. Schließlich erscheint ein alter, schwächlicher Lama,
der die Diamanten in den Korb legt und mit dem anderen Lama davonzieht,
während die Reiter ergebnislos gegeneinander kämpfen. Die
Deutung dieser Vision liegt sicherlich in der politischen Lage der
Mongolei, um die sich die weißen (zaristischen) wie die roten
(bolschewistischen) Armeen stritten. Die Hoffnung war, daß sich
die Mongolen aus eigener Kraft zu helfen wüßten, ohne auf
die eine oder andere Seite angewiesen zu sein.
Und Ossendowski konnte in den folgenden Tagen auch selbst mit dem
Lebenden Buddha sprechen. Dabei ließ er auch diese Gelegenheit
nicht aus, weitere Erkundigungen über Agartha einzuziehen. Doch
der Herrscher selbst beantwortete eine erste Frage nach der Legende vom
König der Welt nur mit eisigem Schweigen. Dagegen fand er bei
einem Lama, der die Bibliothek der lebenden Gottheit betreute, mehr
Verständnis für sein Interesse. Geradezu unheimlich ist, was
dieser Mann über den König der Welt zu berichten wußte:
"[S. 352:]Das ganze Jahr hindurch leitet der König der Welt die
Arbeiten des Pandits und Goros von Agarthi. Nur gelegentlich begibt er
sich zu der Tempelhöhle, in der der einbalsamierte Körper
seines Vorgängers in einem Sarg aus schwarzem Stein liegt. Diese
Höhle ist immer dunkel. Aber wenn der König der Welt sie
betritt, dann erscheinen Flammenstreifen auf ihren Wänden und aus
dem Sargdeckel treten Flammenzungen hervor. Der älteste Goro
[Oberpriester; J.D.] steht mit bedecktem Haupt und bedecktem Gesicht
und mit Händen, die über der Brust gefaltetet sind, vor dem
König der Welt das. Dieser Goro entblößt niemals sein
Gesicht, denn sein Kopf ist ein nackter Schädel mit lebenden Augen
und redender Zunge. Er steht in Verbindung mit den Seelen aller, die
dahingegangen sind.
Der König der Welt betet eine Zeitlang. Dann tritt er an den Sarg
heran und streckt seine Hand aus. Darauf brennen die Flammen noch
heller. Die Feuerstreifen an
[S. 353:] den Höhlenwänden verschwinden und kommen wieder.
Sie zeigen Unterbrechungen und bilden so mysteriöse Zeichen des
Vatannan-Alphabets. Von dem Sarg ergießen sich durchsichtige
Bänder eines kaum erkenntlichen Lichtscheines. Diese werden von
den Gedanken des Vorgängers des Königs der Welt gebildet.
Bald ist der König der Welt auf diese Weise von einem
Strahlenglanz eingehüllt. Feurige Buchstaben schreiben auf den
Wänden die Wünsche und Befehle Gottes nieder. In diesem
Augenblick steht der König der Welt in Berührung mit den
Gedanken aller Männer, die das Los und Leben der Menschheit
beeinflussen, mit den Königen, Zaren, Khanen, kriegerischen
Führern, Hohenpriestern, Männern der Wissenschaft und allen
anderen starken Persönlichkeiten. Er versteht ihre Gedanken und
Pläne. Wenn diese Gott gefällig sind, so wird der König
der Welt sie fördern. Wenn sie aber Gott mißfallen, dann
vereitelt sie der König. Diese Macht ist Agarthi durch die
mysteriöse Wissenschaft des Om verliehen worden, mit dem wir alle
unsere Gebete beginnen. Om ist der Name eines alten Heilige, des ersten
Goro, der vor dreihundertdreißigtausend Jahren lebte. Er war der
erste Mensch, der Gott kannte und der die Menschheit Glauben und
Hoffnung und den Kampf mit dem Bösen lehrte. Darauf gab ihm Gott
die Macht über alle Kräfte, die die sichtbare Welt
beherrschen. " [Ossendowski, 1923, S. 352-353]
Ossendowski ließ nicht locker. So wollte er von dem Bibliothekar
auch wissen, wieviele Menschen jemals in Agartha waren.
"[S. 356:]'Sehr viele,' antwortete dieser. 'Aber sie alle haben geheim
gehalten, was sie dort sahen. Nachdem die Olets Lassa zerstört
hatten, drang eine ihrer Abteilungen in den Bergen des Südwestens
in das Randgebiet von Agarthi ein. Hier lernten die Olets einige der
geringeren mysteriösen Wissenschaften kennen und brachten sie mit
sich auf die Erdoberfläche zurück. Das ist der Grund, warum
Olets und Kalmücken so geschickte Zauberer und Propheten sind.
Auch aus den Gebieten des Ostens drangen einige Stämme schwarzen
Volkes in Agarthi ein und lebten dort mehrere Jahrhunderte hindurch.
Später wurden sie aus dem Königreich ausgewiesen und kehrten
auf die Erde zurück. Sie besaßen nun das Geheimnis der
Wahrsagungen durch Karten, Gräser und den Linien der Hand. Diese
Leute sind die Zigeuner ... Irgendwo im Norden Asiens gibt es einen
Stamm, der jetzt ausstirbt und der auch von den Höhlen von Agarthi
kam. Er ist besonders befähigt, die Geister der Toten
zurückzurufen, wenn sie durch die Luft schweben.' Der Lama
schwieg. Dann fuhr er, als wenn er meine Gedanken beantworten wollte,
fort: 'In Agarthi schreiben die gelehrten Panditas alle Wissenschaften
unseres Planeten und der übrigen Welten auf Steintafeln nieder.
Die gelehrten chinesischen Buddhisten wissen das. Ihre Wissenschaft
steht am höchsten und sie ist die reinste. Einmal in jedem
Jahrhundert versammeln sich einhundert Weise Chinas an
[S. 357:] geheimer Stelle am Strande des Meeres. Aus der Tiefe des
Meeres kommen dann einhundert ewig lebende Schildkröten heraus.
Auf deren Schalen schreiben die Chinesen die Entwicklung der
göttlichen Wissenschaft während des Jahrhunderts nieder.'
[...] 'Mehrere Male haben die Hohepriester von Lassa und Urga Boten zum
König der Welt entsandt,' sagte der Lama-Bibliothekar, 'aber diese
konnten ihn nicht finden. Nur ein gewisser tibetanischer Führer
fand nach einer Schlacht mit den Olets eine Höhle, deren Eingang
die Inschrift trug: 'Dies ist das Tor von Agarthi.' Aus der Höhle
trat ein gutaussehender Mann heraus, der dem Tibetaner eine goldene
Tafel mit mysteriösen Inschriften überreichte und sagte: 'Der
König der Welt wird vor allem Volk erscheinen, wenn die Zeit
für ihn gekommen sein wird, um die guten Menschen der Welt gegen
die schlechten zu führen. Doch diese Zeit ist noch nicht gekommen.
Die schlechtesten Menschen sind noch nicht geboren worden.'"
[Ossendowski, 1923, S. 356-357]
Auch Baron Ungern konnte sich dem Mysterium von Agartha nicht
entziehen. Ferdinand Ossendowski berichtet: "Dchiang Dchün Baron
Ungern hat zweimal den jungen Fürsten Poulzig auf die Suche nach
dem König der Welt entsandt. Das erste Mal kehrte der Prinz mit
einem Brief vom Dalai Lama in Lhassa zurück. Als der Baron ihn ein
zweites Mal aussandte, kam er nicht wieder." [Ossendowski, 1923, S.
357] In den grausamen Kriegswirren der Zeit ist es natürlich nicht
unwahrscheinlich, daß der ausgesandte Fürst in irgendeinem
Feuergefecht gefallen ist. Doch im Gedanken an die anderen Berichte
über in Agartha eingedrungene Menschen dachte wohl auch
Ossendowski daran, daß Poulzig einen Eingang in das unterirdische
Königreich fand, und nicht zur Oberwelt zurückkehren wollte.
Baron Ungern war es schließlich, der Ossendowski die Weiterreise
nach Osten ermöglichte. Am 20.5.1921 verließ er Urga und
richtete seinen Weg in Richtung auf die nächste Station der
Ostchinesischen Eisenbahn. Nach einem Kamelritt von zwölf Tagen,
der ohne Zwischenfälle verlief, erreichte er bei Hailar die
Bahnstrecke. Von dort aus reiste er nach Peking. In diesen
ungestörten Tagen der Reise lauschte Ossendowski weiteren
Erzählungen vom Reich Agartha aus dem Munde eines Turguten-Lamas,
der ihn bis Peking begleitete.
"[S. 347:]'Die Hauptstadt von Agarthi ist von Städten umgeben, die
von Hohepriestern und Männern bewohnt sind. Sie erinnern einen an
Lassa, wo der Palast des Dalai Lama, der Potala, die Spitze eines
Berges darstellt, der mit Klöstern und Tempeln bedeckt
[S. 348:] ist. Der Thron des Königs der Welt ist von Millionen
inkarnierter Götter umringt. Diese sind die Heiligen Panditas. Der
Palast selber wird eingefaßt von den Palästen der Goro, die
alle sichtbaren und unsichtbaren Kräfte der Erde der Hölle
und des Himmels beherrschen und für das Leben und Sterben der
Menschen alles tun können. Wenn unsere wahnsinnige Menschheit
einen Krieg gegen das unterirdische Königreich beginnen sollte, so
wäre dieses imstande, die ganze Oberfläche unseres Planeten
in die Luft zu sprengen und sie in eine Einöde zu verwandeln. Die
Bewohner von Agarthi können Meere trocken legen, Kontinente in
Ozeane verwandeln und Berge zu Wüstenstaub machen. Unter dem
Befehl des Königs der Welt können Gräser und Büsche
entstehen, werden alte und schwache Menschen wieder jung und
kräftig und werden die Toten wieder zum Leben erweckt. In Wagen,
die uns fremd sind, rasen die Bewohner des unterirdischen
Königreichs durch die engen Spalten im Inneren unseres Planeten.
Einige indische Brahmanen und tibetanische Dalai Lamas haben bei ihren
mühevollen Versuchen, die Spitzen von Bergen zu erreichen, die
noch nie ein menschlicher Fuß betreten hat, auf den Felsen
Inschriften und in dem Schnee Fuß- und Wagenspuren entdeckt. Der
gesegnete Sakkia Mouni hat auf einer Bergspitze Steintafeln gefunden,
die Worte trugen, die nur er im hohen Alter verstehen konnte. Danach
ist er zum Königreich Agarthi vorgedrungen, von wo er
Bruchstücke des heiligen Wissens, die in seinem Gedächtnis
haften geblieben waren, mit auf die Welt brachte. In Agarthi leben in
Palästen, die aus wunderbaren Kristallen gebaut sind, die
unsichtbaren Herrscher über alle frommen Menschen, der König
der Welt oder Brahytma, der mit Gott sprechen kann, so wie ich jetzt
mit ihnen spreche,
[S. 349:] und seine beiden Gehilfen, Mahytma, der die Zwecke aller
zukünftigen Ereignisse kennt, und Mahygnga, der die Ursachen
dieser Ereignisse beherrscht. Die Heiligen Panditas studieren die Welt
und alle ihre Kräfte. Gelegentlich treten die gelehrtesten unter
ihnen zusammen und senden ihre Boten an Stellen, an die menschliche
Augen niemals gedrungen sind. Dieser Vorgang ist von einem Tashi Lama
beschrieben worden, der vor achthundertfünfzig Jahren gelebt hat.
Das Verfahren ist folgendes: Die höchsten Panditas bedecken ihre
Augen mit einer Hand, die andere Hand legen sie unter den Hinterkopf
jüngerer Männer, die sie so in tiefen Schlaf versetzen. Dann
waschen sie die Körper der Schlafenden mit einem Aufguß aus
Gras, machen sie gegen jeden Schmerz unempfindlich und härter als
Stahl, wickeln sie in magische Tücher ein und binden sie. Dann
beten sie zu dem Großen Gott. Die versteinerten Jünglinge
liegen mit offenen und wachsamen Augen da. Sie hören, sehen und
behalten alles, was um sie vorgeht. Darauf tritt ein Goro an sie heran
und heftet einen langen, festen Blick auf sie. Langsam erheben sich
sodann ihre Körper von der Erde und verschwinden im Luftraum. Der
Goro sitzt währenddessen da und starrt mit festem Blick in die
Richtung, in die er die Boten entsandt hat. Unsichtbare Fäden
verbinden seinen Willen mit ihnen. Einige von ihnen bewegen sich unter
den Sternen und beobachten die dortigen Ereignisse, die unbekannte
Bevölkerung der Sternenwelt, ihr Leben und ihre Gesetze. Sie
hören, was die Sternenmenschen zu sagen haben, lesen deren
Bücher, verstehen ihr Geschick und Leid, ihre Heiligkeit und ihre
Sünden, ihre Frömmigkeit und ihre Uebel. Andere der Boten
kommen in Berührung mit den Flammen und sehen dort, wie das wilde
Feuer entsteht, das ewig kämpft, die
[S. 350:] Metalle in der Tiefe der Planeten zerschmilzt und
zerschlägt, das Wasser für die Geiser und die heißen
Quellen kocht, Felsen zerbricht und durch die Berglöcher
Lavaströme über die Erdoberfläche gießt. Andere
wiederum stürmen mit den unendlich kleinen, durchsichtigen
Luftwesen dahin und dringen in die Mysterien ihrer Existenz und in die
Zwecke ihres Lebens ein. Andere tauchen in die Tiefe der Meere unter
und beobachten das Königreich der weißen Wasserwesen, die
über die ganze Erde angenehme Wärme tragen und die Winde,
wellen und Stürme beherrschen ... In Erdeni Dzu hat es einmal
einen Pandita Hutuktu gegeben, der von Agarthi gekommen war. Als er
starb, erzählte er von der Zeit, in der er nach dem Willen der
Goro auf einem roten Stern im Osten gelebt, auf dem eisbedeckten Ozean
getrieben und zwischen den stürmischen Feuern der Tiefe der Erde
geschwebt hatte.'" [Ossendowski, 1923, S. 347-350]
Diese phantastischen Berichte sollen mit Ossendowskis eigenen Worten
geschlossen werden, mit denen er das Geheimnis von Agartha
beschwört: "Das sind die Erzählungen, die ich in den
mongolischen Jurten der Fürsten und in den lamaistischen
Klöstern gehört habe. Alle diese Geschichten wurden im
feierlichen Ton vorgetragen, in einem Ton, der Widerspruch
ausschloß. Mysterium!" [Ossendowski, 1923, S. 350]
Eine Flucht quer durch das Herz Asiens war beendet. Und Ferdinand
Ossendowski war dem Mysterium von Agartha so nahegekommen, wie kaum ein
zweiter Mensch seiner Zeit. Doch sind seine Behauptungen wahr?
Sven Hedin - die Einwürfe eines Wissenschaftlers
[Ausführungen zu diesem Thema werden demnächst hier zu finden sein. J.D.]
Nicholas Roerich - Shambhala, die verwunschene Welt
Der bekannteste Exponent des Rätsels von Shambhala ist bis heute der russische Maler und Schriftsteller Nicholas Roerich. Im Jahr 1923, Ossendowski hatte im Jahr zuvor in den USA den Bericht über seine abenteuerliche Flucht veröffentlicht, begann nach jahrelangen Verzögerungen Roerichs erste große Asien-Expedition. Auf seinen folgenden zahlreichen und ausgedehnten Expeditionsreisen durch das Herz Asiens stieß er immer wieder auf diesen Mythos. In verschiedenen Büchern teilt er Einzelheiten aus seinen Gesprächen mit gelehrten Buddhisten und Hindus mit, die ihm von Shambhala berichteten. "Auf die Frage, ob Shambala ein realer Ort sei, erhielt er von einem Lama 1928 die Antwort, es sei das allmächtige himmlische Reich. Ein anderer Lama erzählte ihm, Shambala sei eine prächtige Stadt im Herzen von Agarthi, wo der 'König der Welt' regiere. Roerich ließ sich überzeugen, daß Agarthi durch unterirdische Tunnel mit allen Ländern der Erde verbunden sei." schreibt Jennifer Westwood, Roerichs Äußerungen über Shambhala extrem verkürzend. Daher ist es unumgänglich, sich Roerichs eigenen Worten zuzuwenden, um zu beurteilen, was er über Shambhala dachte und wußte.
(wird weitergeführt ...)
Literaturliste
Charroux, Robert, Phantastische
Vergangenheit, München: Herbig 21969
Hedin, Sven, Das enthüllte "Mysterium
der Mysterien". Ossendowski als Nachschreiber, in: Ossendowski und
die Wahrheit, Leipzig: F. A. Brockhaus 1925, S. 78-109
Drury, Nevill, Agarthi, in: Drury, Nevill
(Hg.), Lexikon des esoterischen Wissens, München: Knaur
1988
Ossendowski, Ferdinand, Tiere,
Menschen und Götter, Frankfurt a.M.: Societas-Druckerei 1923
[1922]
Roerich, Nicholas, Altai-Himalaya, New
York: Stokes 1929
Roerich, Nicholas, Shambhala, New York:
Stokes 1930
Werner, Helmut, Agartha, in: Helmut Werner (Hg.), Lexikon
der Esoterik, Wiesbaden: Fourier 1991, S. 15
Werner, Helmut, Shambhala, in: Helmut Werner (Hg.), Lexikon
der Esoterik, Wiesbaden: Fourier 1991, S. 582
Westwood, Jennifer, Sagen, Mythen, Menschheitsrätsel,
Gütersloh: Bertelsmann o.J.
![]() |
Die dendlon.de-Tour | ![]() |
| Menue Links Verlag Jörg Dendl Update-Info |
| Zurück zum Seitenanfang | Zurück zum Inhaltsverzeichnis | Zurück zur Startseite |