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Die Templer und ihr Mythos
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Zahlreich sind die
Mythen, die sich um den Templerorden ranken. Seit dem
18. Jahrhundert bestimmen sie weitgehend das Bild des
Ritterordens in der Öffentlichkeit. Darum gelten
die Templer als der geheimnisvollste Orden des
Mittelalters, als eine Gemeinschaft, die eine dunkle
Seite verbarg. Doch entsprechen die vielen Behauptungen
auch den historischen Tatsachen? Gestützt auf die
zeitgenössischen Quellen untersucht Jörg Dendl
im neuen Saxa et Libri-Band eine Reihe der
Templer-Mythen, und hinterfragt ihren historischen
Gehalt. So wird dieser Band eine spannende Reise in die
Vergangenheit, auf der bisher vernachlässigte
Tatsachen der Geschichte des Templerordens zum Tragen
kommen. So konnten die Mitglieder des Templerordens vor
1128, dem Jahr der offiziellen Gründung, ausfindig
gemacht werden - und es waren mehr als die neun
Männer, von denen immer gesprochen wird. Auch wird
die Bautätigkeit der Templer am Südrand des
Tempelplatzes von Jerusalem vorgestellt und die
Frage betrachtet, ob das Aufkommen der Gotik mit den
Templern in Zusammenhang steht. Die zentrale Frage um
den Templerorden ist sicherlich der Vorwurf, sie
hätten insgeheim ein Idol namens "Baphomet" verehrt
- hier ergibt die Sichtung der vorliegenden Quellen aus
der Zeit vor dem Prozess eine Überraschung - der
Baphmet war allgemein bekannt! Dass sich hinter diesem
Namen der Prophet Mohammed verbarg, die Templer also als
heimliche Muslime angeklagt waren, wird anhand
zeitgenössischer Unterlagen nachgewiesen. Dass die
Geschichte des Endes des Templerordens auch noch eine
Überraschung birgt, zeigt sich bei der auch hier
vorgestellten
Episode "Der Schatz
des Visitators":
Die Suche nach dem legendären Schatz der Templer erwies sich bisher als erfolglos. Ein Hinweis auf einen tatsächlich verschwundenen Templerschatz findet sich allerdings in der Aussage des dienenden Bruders Jean de Châlons. Ende Juni 1308 wurde er von der päpstlichen Kommission in Poitiers als 46. Zeuge befragt. Er war seinen eigenen Angaben nach zunächst Präzeptor des Templer-Hauses in "Marmot" gewesen, zur Zeit seiner Verhaftung habe er als Präzeptor dem Haus von "Nemoris" (Namur?) vorgestanden. Bei der Vernehmung gab er an, einige der hochrangigen Ordensmitglieder hätten schon vorzeitig von der bevorstehenden Verhaftung erfahren. Zu diesem Kreis gehörte demnach Gérard de Villiers, der Präzeptor von Frankreich. Dieser habe sich mit 50 Pferden auf den Weg gemacht und stach, wie der Zeuge gehört haben wollte, mit 18 Galeeren in See. Weiter sagt Jean de Châlon aus: "... Bruder Hugues de Châlons machte sich mit dem gesamten Schatz des Bruders Hugues de Pairaud auf die Flucht." [Finke, Vol. II, Nr. 155, S. 339]
Unwahrscheinlich ist es
nicht, dass die Templer die Pläne des Königs
zu ihrer Verhaftung in Erfahrung bringen konnten. Der
Brief, mit dem Philipp IV. den Haftbefehl erteilte, war
am 14. September 1307 verfaßt worden, einen ganzen
Monat vor dem Verhaftungstermin. Schon in der Woche nach
dem 1. Oktober erschien Hugues de Pairaud vor dem Papst
und äußerte seine Bedenken wegen des Inhalts
des königlichen Briefes, und sprach davon, dass er,
wenn es möglich wäre, sein eigenes Leben und
das seiner Brüder retten wolle. [Schottmüller,
Vol. I, S. 128; Michelet, Vol. II, S. 373] Auch warnte
der Vorsteher des Temple in Paris alle dort
dienenden Brüder vor Aussagen, die dem Orden
Schaden zufügen könnten.
Etwa 30 namentlich bekannte Templer nutzten das Wissen um die drohende Verhaftung zur Flucht. Ungefähr die Hälfte von ihnen wurde später aufgegriffen und den Untersuchungskommissionen vorgeführt. Wir wissen von ihrer Flucht durch ihre Aussagen. [Michelet, Vol. I, S. 30.509, Vol. II, S. 1.33.144.147.157.159.241.263.265.266] Eine Liste nennt die Namen von zwölf Flüchtlingen, von denen zwei, Imbert Blanc und Pierre de Bouch, in späteren Protokollen als festgenommen genannt werden. Unter den Genannten finden sich weiterhin Hugues de Châlons und Gérard de Villiers, von dem es hier heißt, er habe "... vierzig Brüder bewaffnet ...". [Finke, II, S. 74 (Nr. 50, I)] Damit steht fest, dass zumindest der Schatz des Visitators Hugues de Pairaud tatsächlich mit unbekanntem Ziel verschwand.
Die Flucht dieser Templer war allem Anschein nach keine Kurzschlußhandlung, sondern Teil eines Plans mit dem Ziel, den französischen König zu ermorden. Eine kurze Notiz in derselben Handschrift, die auch die Liste der Flüchtlinge enthält, spricht von dieser Verschwörung. Es heißt dort: "Der Bruder Hugues de Châlons, Neffe des
Visitators, und Bruder Girardus de Monte Claro, Ritter
des Ordens oder Templer-Sekte, beabsichtigten zusammen
mit einigen ihrer Komplizen von der derselben Sekte, den
König zu töten." [Finke, II, S. 75 (Nr. 50,
II)]
Diese Notiz ist allerdings
der einzige Hinweis auf ein solches Komplott, keine der
weiteren erhaltenen Aussagen im Prozess deutet
Ähnliches an. Ein weiteres Indiz für ein
geplantes Vorgehen ist die Verwandtschaft zwischen
einzelnen der Flüchtlinge untereinander und mit
Hugues de Pairaud. Man kannte sich und war sich seiner
Vertrauten sicher. Auch wenn Jean de Châlons sagt,
Gérard de Villier habe 50 Pferde weggeführt,
die Liste der Flüchtlinge aber davon spricht, er
habe 40 Brüder bewaffnet, so ist zu erwarten,
daß beides zusammengehört. Der Visitator
rüstete offensichtlich eine bewaffnete Truppe aus,
die zu Pferd mit unbekanntem Ziel verschwand. Dass sie
sich tatsächlich einschifften, ist
unwahrscheinlich, der Zeuge sagte selbst, dies nur
gehört zu haben. Die achtzehn Galeeren wären
zweifellos aufgefallen, eine solche Flotte war
sicherlich aufsehenerregend. Zur Finanzierung des
Vorhabens hatte Hugues de Pairaud seinen Schatz,
vielleicht den Inhalt seines Bankguthabens im Temple von Paris,
den Mitverschwörern überlassen, der an einen
ebenfalls unbekannten Ort gebracht wurde. Barber, Malcolm, The Trial of the Templars,
Cambridge 1978 |
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