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Schiffe am Himmel
Sagen
von
fliegenden
Schiffe
und
ihre
Deutung
von Jörg Dendl |
Letztes Update:
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| Inhalt | |
|---|---|
| Wenn Schiffe fliegen | 17.05.2004 |
| Fliegende Schiffe im Mittelalter | 15.10.2005 |
| Fliegende Schiffe in Großbritannien | 04.10.2005 |
| Luftschiffsagen aus Deutschland | |
| 1) Das Schiffsmodell in der Kirche von Rambin | 15.10.2005 |
| 2) Das Luftschiff von Ankershagen | 17.05.2004 |
| 3) Der Anker von Angermünde | 15.10.2005 |
| 4) Das Luftschiff von Meesiger | 15.10.2005 |
| Die "Luftschiffwelle" in den USA | 19.12.2006 |
| Literatur | |
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Wenn Schiffe fliegen
Schiffe sind Wasserfahrzeuge, sie befahren Meere, schwimmen auf
Seen, werden benutzt, um Flüsse zu überqueren, das scheint
eine
Binsenweisheit zu sein. Und doch kennen schon die ätesten Sagen
Berichte von Schiffen, die durch die Luft fuhren. Weit bekannt ist das
Sonnenboot der Alten Ägypter. Mit diesem befuhr täglich der
Sonnengott
Re den Himmel, während er in der Nacht auf dem
Unterweltsfluß mit
diesem nach Osten zurückkehrte.
Und auch die antike Literatur bemächtigte sich es Motivs vom
wundersam
fliegenden Schiff. So läßt Lukian ein Schiff bis zum Mond
hinauf
fliegen.
Und die Fliegenden Schiffe blieben in der Sagenwelt der
europäischen
Vöker auch in den Jahrhunderten des Mittelalters erhalten. Und so
finden sich auch im Osten Deutschlands mehrere Zeugnisse für
solche
Sagen, die auffällige Parallelen zu Sagen aufweisen, die in
Irland,
Wales und England verbreitet waren. Diese Sagen sollen im folgenden
vorgestellt und ihr historischer Hintergrund beleuchtet werden.
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1) Antike Berichte über fliegende Schiffe
[In Vorbereitung]
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2) Fliegende Schiffe im Mittelalter
Die ältesten aufgezeichneten Sagen über fliegende Schiffe
stammen
aus Irland, wo diese Erzählungen den bekannten Belegen nach in
ihrem
Kern sogar in die vorchristliche Zeit hinabreichen.
In der "Chronica Gaufredi"
des
Klosterpriors Geoffroi de Vigeois (1140-1184) wird berichtet, im Jahr
1122 sei über London ein Luftschiff erschienen:
| 2.3) Geoffroi de Vigeois, Chronica Gaufredi |
|
"In Anglia wurde oben in der Luft ein Schiff
gesehen, das ganz wie ein Schiff auf dem Meer dahinfuhr. Nachdem es
mitten in der Stadt Anker geworfen hatte, wurde es von den Londoner
Bürgern aufgehalten. Einer der Seeleute schickte sich an, den
Anker zu
lösen, aber von der Überzahl zurückgehalten, gab er,
gleichsam ertränkt
durch das Wasser, seinen Geist auf. Die klagenden Seeleute
durchkreuzten nun, nachdem sie das Ankertau gekappt hatten, aufs neue
die Luft."
|
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Geoffroi de Vigeois,
Chronica Gaufredi coenobitae XL (1122), in: Nova bibliotheca
manuscripta, Philippe Labbé (Hg.), Paris 1657, lib. II, S.
299-300
(zit. n. Constance Ott-Koptschalijski, Fahren im Luftmeer, in: Fliegen
und
Schweben, Dieter R. Bauer/Wolfgang Behringer (Hg.), München
1997, S. 95
|
Die bekannteste
Version dieser Geschichte ist die Sage vom Luftschiff von
Cloena, die in der dänischen "Konungsskuggsjá" mitgeteilt
wird:
| 2.1) Konungsskuggsjá |
|
"Es ist da noch etwas, das wohl wunderbar
erscheinen dürfte und sich in der Burg zutrug, die Cloena
heißt. In
dieser Burg ist eine Kirche, die dem Andenken des Heiligen geweiht ist,
der Kiranus heißt. dort geschah es eines Sonntags, als das Volk
in der
Kirche war und die Messe hörte, daß von oben herab aus der
Luft ein
Anker herabsank, als wäre er aus einem Schiffe ausgeworfen, denn
es war
ein Tau daran. Die Spitze des Ankers hakte sich fest in dem Bogen
über
der Kirchentür und das ganze Volk ging hinaus aus der Kirche und
wunderte sich und sah in die Luft hinauf dem Tau folgend. Sie sahen ein
Schiff an dem Tau schwimmen und Männer darin. Dann sahen sie, wie
ein
Mann sich aus dem Schiffe über Bord schwang und hinunter nach dem
Anker
tauchte, um ihn freizumachen. Seine Haltung schien ihnen so zu sein in
der Bewegung der Arme und Beine wie die eines Mannes, der in der See
schwimmt. Und als er hinunter kam zum Anker, da versuchte er ihn
freizumachen. Nun liefen die Leute gleich hinzu und wollten den Mann
festhalten. Die Kirche, an der der Anker festsaß, ist mit einem
Bischofssitz verbunden. Der Bischof war zugegen, als dies geschah, und
verbot den Leuten, den Mann zu halten, denn der Bischof sagte, der Mann
würde den Tod davon haben, wenn man ihn im Wasser festhielte. Und
gleich, nachdem er frei war, da beeilte er sich, wieder hinauf zum
Schiffe zu kommen, und sobald er oben angelangt war, da kappten sie das
Tau, fuhren dann ihres Weges und verschwanden aus den Augen der Leute,
aber der Anker hat seitdem zum Zeugnis in dieser Kirche gelegen."
|
|
Konungsskuggsjá,
cap.
15
(
dt.
n.
Rudolf Meissner, Der Königsspiegel
Konungsskuggsjá
(dt.), Halle a.d.S.: Niemeyer 1944, , S. 77-78)
|
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Dieser Bericht wurde im 13. Jahrhundert niedergeschrieben, wobei davon auszugehen ist, daß er ursprünglich aus früherer Zeit stammt. Im Jahr 1211 legte Gervasius von Tilbury in seinem Werk "Otia imperialia" den folgenden Bericht nieder, der weitgehend mit der Geschichte in der Konungsskuggsjá übereinstimmt:
| 2.2.) Gervasius von Tilbury, Otia imperialia |
|
"Es begab sich zum Beweis
dafür, daß das obere Meer sich über uns befindet, in
unseren Zeiten
eine neuerlich verbreitete, aber dennoch wunderbare Sache. Als
nämlich
an einem Feiertag in Großbritannien das Volk nach der Messe die
Kirche
bei durch viele Wolken und dichtem Nebel getrübtem Wetter
verließ,
erschien ein Anker bei einem Grabstein, der in die Mauer des Umgangs
eingefügt war, mit einem Tau, das in der Luft hinaufragte. Da
staunte
das Volk, dann berieten sie sich untereinander über diese seltsame
Geschichte, und endlich schien sich der Anker zu bewegen, so als
würde
man sich anstrengen, den Anker herauszureißen. Als aber vieles
nutzlos
versucht worden war, hörte man eine Stimme in der dichten Luft wie
das
Rufen der angestrengten Seeleute beim Zurückziehen des
ausgeworfenen
Ankers. Ohne sinnloses Zögern in ihrer Arbeit, schickten die
Seeleute
hoffnungsvoll einen der ihren herab, der nach Kenntnis der Unsrigen an
dem Tau hängend ... durch das Abwechseln der Hände
herabstieg. Als er
schon den Anker herausgerissen hatte, wurde er von den Umstehenden
ergriffen und verstarb in den Händen derer, die ihn festhielten,
so als
hätte er auf dem Meer Schiffbruch erlitten und sei durch die
Feuchtigkeit unserer Luft erstickt worden. Aber die oben befindlichen
Seeleute durchschnitten nach einem Zeitraum von einer Stunde das Tau
und segelten unter Zurücklassung des Ankers davon."
|
|
Gervasius von Tilbury,
Otia imperialia, Lib. I, cap. XIIIl, in: Scriptores rerum
Brunivicensium ... cura Godefridus Guilielmi Leibnitii, Hannover:
Foerster 1707, S. 894; den Text übersetzte Annette Pohlke
|
Der Zusammenhang zwischen den Berichten der Konungsskuggsjá, des Geoffroi de Vigeois und des Gervasius von Tilbury ist unübersehbar. Anscheinend schöpften die Autoren aus einer gemeinsamen Quelle oder aber aus Sammlungen von alten Wundergeschichten, die gleichfalls diesen Bericht enthielten. Die markante Abweichung in den Wiedergaben, einmal entkommt der Matrose durch die Fürsprache des Bischofs, das andere Mal stirbt er in den Händen der Umstehenden, ist auffällig. Warum Gervasius und Geoffroi das Ende so schildern, kann nur vermutet werden. Die früheren Fassungen der Sage kennen den Tod des Luftschiffers nicht. Sollte diese Wendung des Geschehens von den christlichen Autoren eingeführt worden sein, so wohl um seine Meinung zu bestärken, das Schiff habe der Welt oberhalb der Lufthülle angehört.
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3) Spätere Berichte aus Großbritannien
1743 sah ein Farmer bei Holyhead, Anglesea, in einer
Höhe von
500 m über sich ein Postschiff durch die Wolken segeln. Daß
es sich
nicht um eine Luftspiegelung gehandelt haben kann, zeigte der von unten
sichtbare Kiel des Schiffes, das der Zeuge auf etwa 90 Tonnen
schätzte.
[Flying Saucer Review, Mai/Juni 1971, zit. n. Michell/Rickard,
1982,
S.
164]
In seinem Buch "Traditions and Hearthside Stories of West Cornwall"
zeichnete W. Bottrell mehrere Berichte über Phantomschiffe auf,
die
über Land segelten.
1835 berichtete ein Mann dem Autor Robert Hunt, Verfasser von
"Popular Romances of the West of England", er habe das auch von W.
Bottrell beschriebene Phantomschiff von Porthcurno gesehen, wie es
gegen den Wind und die Strömung in Parcurno einlief. Es kam oft in
der
Abenddämmerung und nahm seinen Weg über einen alten Wall
hinweg nach
Chapel-Curno, dann nahm es über Land seinen Kurs nach Chygwidden,
wo es
dann verschwand.
[Michell/Rickard, 1982, S. 166]
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Im Jahr 1913 erschien nach dem Tod von Lord Archibald Campbell eine Galeere mit drei Mann Besatzung, die über Loch Fyne bei Inveraray segelte. Das Schiff nahm schließlich seinen Kurs über Land hin zur dortigen St. Columban-Kapelle. Diese Erscheinung, die von Lord Halifax in seinem "Ghost Book" geschildert wird, soll beim Tod eines jeden führenden Campbell zu sehen sein. (Michell/Rickard, 1982, S. 164)
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4) Luftschiffsagen in Deutschland
4.1.) Das Schiffsmodell in der Kirche von Rambin
In der Kirche von Rambin befinden sich zwei Schiffsmodelle, das der
Fregatte "Venus", das im Jahr 1830 in die Kirche
gelangte und von dem Kapitän Michael Erdmann Sonntag angefertigt
worden
war, sowie das Modell der
Brigg "Christiana", das im Jahr 1824 von einem nicht mehr
feststellbaren Spender angefertigt und der Kirche gestiftet wurde. Mit
dem Modell der "Venus", dem größeren der beiden,
sind zwei
Volkssagen verbunden, die von einem fliegenden Schiff berichten:
Der Luftschiffer über Rambin
"Vor vielen, vielen
Jahren sahen
die Leute auf Rügen einmal einen
Luftschiffer auf seinem Schiffe durch die Wolken fahren. Gerade
über
Rambin warf er das Senkblei herab, und als dasselbe die Erde
berührte,
ergriffen es die Dorfbewohner und banden eine Korngarbe daran. Als der
Luftmann wieder in die Höhe zog und das Geschenk erblickte, erwies
er
sich den Rambinern dadurch erkenntlich, daß er ihnen ein Schiff
verehrte, welches in der dortigen Pfarrkirche aufgehängt wurde und
noch
heute zu sehen ist."
[Mündlich aus Rambin auf Rügen.]
[Ulrich Jahn, Volkssagen aus
Pommern und Rügen, Stettin 1886,
S. 43
(Nr. 56)]
Eine weitere Sage zeichnete Alfred Haas auf:
"Vor vielen Jahren
lebte ein alter
erfahrener Seemann,
der viele Meere befahren und fast aller Herren Länder kennen
gelernt
hatte. Als er eines Tages wieder auf See war, zog die Sonne gerade
Wasser an, und da sich sein Schiff im Bereiche ihrer Strahlen befand,
wurde dasselbe mit in die Höhe gezogen. So kam der Schiffer in
Gegenden, die ihm völlig unbekannt waren, und endlich
beschloß er, vor
Anker zu gehen. Er ließ die Ankerkette fallen, konnte aber keinen
Grund
finden; da ließ er eine zweite und endlich eine dritte Kette
ansetzen,
ohne besseren Erfolg damit zu haben. Wärend dessen war das Schiff
in die
Gegend gerade über Rambin gekommen, und als die Bewohner, die eben
mit
der Ernte beschäftigt waren, das Schiffsanker herunterkommen
sahen,
banden sie eine Korngarbe daran fest. Inzwischen ließ der
Schiffer das
Anker, da er keine Kette mehr anzusetzen hatte, wieder in die Höhe
winden; als er aber der Korngarbe ansichtig wurde, gelobte er, an der
Stelle ein Kloster zu gründen, wo ihm dieselbe aufgesteckt worden
war.
Das war nun in Rambin geschehen, und als der Schiffer später
wieder an
Land kam, erfüllte er sein Gelübde und baute das Rambiner
Kloster.
Zum Andenken an diese Tat wird noch
jetzt ein Schiffsmodell in der
Rambiner Kirche aufbewahrt."
[Mündlich aus Bergen, vgl. Jahn Nr. 56 und Blätter
für Pom. XXX [in der Vorlage unlesbar] IV, S. 56]
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| Die Kirche von Rambin (Photo: Sven Naether) | Modell der Fregatte "Venus" |
Hier in Rambin liegt bisher der einzige Fall einer Luftschiffsage
vor, bei der alle Hintergründe bekannt sind. Die Sage steht in
Verbindung mit einem Schiffsmodell, von dem das Jahr der Stiftung
bekannt ist. Dabei ist es interessant, dass der Volksmund, wie die
von
Jahn aufgezeichnete erste
Version zeigt, die Herkunft des Schiffsmodells selbst dem
"Luftschiffer" zuschrieb. Es waren lediglich 61 Jahre zwischen der
Anbringung des Schiffsmodells in der Kirche und der Aufzeichnung der
Sage vergangen, und schon hatte sich eine solche fantastische
Geschichte etablieren können.
Die zweite Version, zuerst veröffentlicht 1896,
also nur
zehn Jahre nach der Publikation der ersten Fassung der Sage, malt die
Geschichte des Luftschiffers wesentlich mehr aus. Hier wird nun nicht
nur "erklärt", wie das Schiff in den Himmel kam, sondern dieses
wundersame Ereignis wird auch noch mit der Gründung eines Klosters
in
Zusammenhang gebracht. Das Schiffsmodell ist nun nicht mehr ein
Geschenk des Luftschiffers, sondern bildete nach dieser Sage sein
Schiff nach. Es ist davon auszugehen, daß beide Versionen dieser
Sage
parallel in Umlauf waren, Jahns Version in Rambin selbst, die von Haas
in Bergen, darüber hinaus awaren ber auch noch die
tatsächlichen Hintergründe der Stiftung des Modells der
"Venus" bekannt.
Im Jahr 1926 berichtete Alfred Haas in seinem Aufsatz "Votivschiffe in
pommerschen Kirchen" (in: Pommersches Genossenschaftsblatt 24
(1926), S. 363-364) nach mündlichen Informationen,
dass dieses
Schiff von einem Seemann namens Sonntag angefertigt worden war, was
sich erst bestätigte, als bei der späteren Restaurierung der
Name
"Sonntag" auf einem am Kiel des Modells klebenden Papierstreifen
gefunden wurde. (Steusloff, 1981, S. 128)
Es bleibt zu dieser "Luftschiff"-Sage nur festzuhalten, daß sie
weder
in das Mittelalter hinabreicht, noch auf einer ungewöhnlichen
Sichtung
in Rambin beruht.
Die Geschichte von Rambin: Der auf slawische Ursprünge zurückgehende Ort Rambin auf der Insel Rügen wird als "Rabyn" zum ersten Mal im Jahr 1246 in einer Urkunde erwähnt. Im Jahr 1334 stiftete der Stralsunder Ratsherr Godeke (Gottfried) von Wickede das Hospiz St. Jürgen vor Rambin, damit dort Leprakranken geholfen werden konnte. [siehe die Homepage von Rambin] Das Krankenhospiz St. Georg war "... trotz der Angabe Steinbrücks (S. 123) nie ein Kloster, ... Da es später mit den aufgehobenen Klöstern in der Stadt unter der gemeinsamen Verwaltung des Rates stand, wurde es auch als Kloster bezeichnet, ..." [Hoogeweg, Bd. 2, 1925, S. 851] Damit steht fest, daß auch die "Klostergründung" aus der Sagenversion nach Haas keinen Rückhalt in den historischen Fakten hat.
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4.2.) Der Anker von Ankershagen
Mehrere Sagen berichten Wundersames davon, wie einst der Ort Ankershagen zu seinem Namen kam:
4.2.1) Wie der Name Ankershagen enstand
"Vor Zeiten lebte ein armer Schiffer, der seine Familie nur
kümmerlich von dem geringen Ertrag seines Gewerbes ernährte.
Die Zahl
der Kinder nahm zu, sein Verdienst aber mehrte sich nicht. Aus Not
schloß der Schiffer schließlich einen Pakt mit dem Teufel.
Nun hatte er
zwar vollauf zu leben, seine Seele jedoch war dem Bösen
verschrieben.
Nach einiger Zeit war dem Schiffer der Vertrag schon wieder leid
geworden, und er sah mit Zittern und Zagen der Stunge entgegen, in der
ihn der Teufel holen wollte. Eines Tages war es soweit. Als der
Schiffer aufs Meer hinausfuhr, brauste der Böse im Sturm daher,
packte
ihn mitsamt seinem Schifflein, blies ihn hoch bis in die Wolken und
jagte fort mit ihm über Wäder und Felder. In seiner
Herzensangst fiel
der Schiffer auf die Knie und sandte ein Gebet nach dem anderen zum
Himmel. Dann warf er als letzten Rettungsversuch seinen Anker aus. Und
so unglaublich es klingen mag: Der Anker hakte sich im Lattenwerk eines
Kirchendaches fest - andere behaupten, in den Ästen eines
mächtigen
Baumes.
Wie auch immer: Der Böse mochte toben wie er wollte, seine Macht
über
den Schiffer war gebrochen. Das Dorf, in dem sich dies ereignete,
nannte man zur Erinnerung Ankershagen"
[nach: Walter Nachtigall/Dietmar Werner (Hgg.), Der schweigsame Fischer und andere Volkssagen um Stände und Berufe aus dem Mecklenburgischen, Berlin: Vlg. Die Wirtschaft 1988, S. 130-131]
4.2.2) Der Anker in der Linde
"Ein Fischer, der an einem See in der Nähe des heutigen Ankershagen
lebte, verschrieb aus Not und Armut dem Teufel seine Seele, um damit
sein Leben zu bessern. Schließlich nahte der Termin, an dem er
dem
Bösen verfallen sein sollte. Am Abend vor dem
verhängnisvollen Tag band
er sich an seinen Anker. Er hoffte, daß ihn der Teufel damit
nicht
fortschleppen könnte. Doch er täschte sich. Der Teufel trug
ihn ohne
Mühe mitsamt dem Anker durch die Lüfte davon. Plötzlich
hemmte eine
Linde den Flug, wobei sich der Anker in ihren Stamm verkrallte. So sehr
sich der Teufel mühte, er konnte den Anker bis zum Morgengrauen
nicht
wieder lösen. Da war der Fischer gerettet. Die Linde steht noch
heute
im Pastorsgarten zu Ankershagen. Sie ist wohl die älteste und
dickste
in Mecklenburg. Sogar das Loch, das der Anker schlug, ist gut zu
erkennen.
Zum Andenken an die Begebenheit ließ man einen Anker an der
Kirchentür
anbringen. Der Name des Dorfes soll auch darauf zurückgehen."
[nach: Walter Nachtigall/Dietmar Werner (Hgg.), Der schweigsame Fischer und andere Volkssagen um Stände und Berufe aus dem Mecklenburgischen, Berlin: Vlg. Die Wirtschaft 1988, S. 105-106]
Die Geschichte von Ankershagen: In einer am 1. Mai 1266 ausgestellten Urkunde, die zur Weihung der am Ort befindlichen Kirche ausgestellt wurde, findet sich der früheste Beleg für den Ortsnamen Ankershagen. Der Name des Ortes enthält "hag" für "Wald", ein Hinweis darauf, daß für die Anlage des Dorfes Wald gerodet wurde. (Und nicht ein "Anker" Pate stand!) Im Jahr 1170 hatte der Herzog von Pommern das Land um die Havelquelle dem Bistum Havelberg geschenkt. Noch im 12. Jahrhundert wurde die romanische Kirche von Ankershagen errichtet, deren Erneuerung im gotischen Stil im 13. Jahrhundert nicht zum Verlust der romanischen Bausubstanz führte. [siehe die Homepage Ankershagen.de]
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4.3.) Der Anker von Angermünde
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Auch von der Sage um den Anker von Angermünde gibt es verschiedene aufgezeichnete Versionen.
4.3.1) Innerhalb der Sage "Das erkaufte Gewitter" findet sich folgende Fassung der Sage:
"Das sind schon ein paar hundert Jahre her, so erzählen sich
die
Leute, als eines Sommers Prenzlau seit langem keinen Regen mehr gehabt
hatte. Die Hitze war unausstehlich, kein Gewitter kühlte den Tag
ab und
spendete kein Naß der Erde. Da beschlossen die Prenzlauer, weil
sie
gehört hatten, in Angermünde gäbe es Gewitter zu kaufen,
einen Boten
hinzusenden, der für Geld und gute Worte ein Kalit voll Gewitter
kaufen
sollte.
Angermünde ist auch wirklich die rechte Stadt, um Gewitter zu
kaufen.
Sie hat sogar wegen eines Gewitters ihren Namen bekommen. Einstmals, so
berichtet die Sage, wollte tagelang ein Gewitter über
Angermünde nicht
weichen. Da gingen die Stadträte auf den Kirchturm, um
nachzusehen, ob
sich dort vielleicht das Unwetter verankert habe. Und richtig! Ein
Anker an einer unabsehbaren Kette hatte sich oben festgehakt. Mit
Mühe
schlug man die Kette entzwei, die, sobald sie los war, ins Endlose
verschwand. Der Anker blieb zurück, und er soll noch jetzt
irgendwo zu
sehen sein. Dann nannte man nach dieser Begebenheit die Stadt
Angermünde."
[Reinhard Heuer/Bernhard Mätzke, Die Uckermark - ein Heimatbuch, Prenzlau: Mieck 1926, S. 488-489]
Diese Wiedergabe der Sage vom "Luftschiff von Angermünde" ist bisher die älteste mir bekannte schriftlich aufgezeichnete Version dieser Sage. Aus der zitierten Veröffentlichung geht nicht hervor, auf welche Quellen sich die Autoren stützten oder ob sie die Sage aus mündlicher Tradition kennenlernten.
4.3.2) Die zweite Version erscheint aus der Sage vom erkauften Gewitter herausgelöst zu sein, zu groß sind die Übereinstimmungen:
"In der Kirche zu Angermünde ist ein Anker aufgehängt, von
dem
erzählt wird, dass er der Stadt den Namen gegeben hat.
Es geschah einst vor vielen hundert Jahren, daß über der
Stadt, die nun
Angermünde heißt, ein schweres Gewitter tagelang stand und
nicht wanken
und weichen wollte. Endlich kam den Bürgern die Sache doch zu
sonderbar
vor, und so schickte denn der Rat der Stadt den Türmer auf den
Kirchturm hinauf, damit er einmal nachsehe, ob das Gewitter sich
vielleicht an der Kirchturmspitze festgehakt hätte und darum nicht
weiterziehen könne.
Brummend machte der sich daran, die vielen Treppen des Turmes zu
ersteigen und räsonierte vor sich hin über den
närrischen Auftrag, den
der Rat erteilt hatte. Wer beschreibt aber des Mannes Erstaunen, als er
im Schalloch einen Anker hängen sah, von dem aus eine schwere
eiserne
Kette in die Wolken zu einem Schiff hinaufging. Eilends brachte er dem
Rat die seltene Kunde. Der rief den Schmied, der mit einem scharfen
Beile die Kette kappen mußte. Und von Stund an verzog sich das
Gewitter
in eine andere Gegend.
Den Anker aber hing man zum ewigen Gedächtnis in der Kirche auf,
und
nach ihm hat die Stadt ihren jetzigen Namen Angermünde erhalten."
[Wilhelm Jung, Märkische Sagen, Berlin o.J., S. 26-27]
4.3.3) Die dritte Version entspricht bis in einzelne Formulierungen hinein der zweiten Version, hängt mit dieser also fraglos direkt zusammen:"Alte Leute erzählen, daß einst vor vielen hundert Jahren
über der
Stadt, die heute Angermünde heißt, ein schweres Gewitter
tagelang stand
und nicht weichen wollte. Endlich kam die Sache den Leuten doch
sonderbar vor und der Rat schickte denTürmer auf den Kirchturm
hinauf,
damit er nachsehe, ob das Gewitter vielleicht an der Kirchturmspitze
sich festgehalten hätte und darum nicht weiterziehen könne.
Wer
beschreibt nun des Mannes Erstaunen, als er im Schalloch einen Anker
sitzen sieht, von dem aus eine schwere Kette in die Wolken zu einem
Schiff hinauf ging. Schnell wurde nun die Kette mit einem scharfen
Beile gekappt und von Stund an verzog sich das Gewitter in eine andere
Gegend.
Der Anker ist zum ewigen Gedenken in der Kirche aufgehängt worden
und
nach ihm hat die Stadt ihren jetzigen Namen Angermünde erhalten."
[Gerhart Hänsel, Sagensammlung des Kreises Angermünde, Kummerow 1975]
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Beim Vergleich der drei Versionen der Sage ist fraglos der
ältesten bisher aufgefundenen der Vorzug zu geben. Es ist dabei zu
bemerken, daß der Anker nach dieser ältesten Version der
Sage nicht
etwa in der Kirche, sondern an einem anderen Ort aufbewahrt worden sein
soll.
Die Geschichte von Angermünde:
Der Ort
wurde um 1230
von den Askaniern gegründet, doch findet sich der Ortsnamen erst
in
einer Urkunde von 1286, mit der Stolpe das
Angermünder
Stadtrecht erhielt. Die Kirche St. Marien ist ein
dreischiffiger gotischer Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert.
Die Hl. Geist-Kapelle wurde in der Mitte des 14.
Jahrhunderts errichtet.
Der Ort liegt südlich des Mündesee. Den Namen "Angermünde"
trug
der
Ort
allerdings
seit
seiner Gründung nach der Stadt Tangermünde
in der Altmark, weshalb er in einzelnen Quellen auch als "Neu-Angermünde"
erscheint,
was
anzeigt,
dass
zu
dieser Zeit noch an eine Verwechslung
mit Tangermünde zu denken war. [Sophie Wauer, Die Ortsnamen der
Uckermark (Brandenburgisches Namenbuch, Teil 9), Weimar: Böhlau
1996,
S. 56] Die in der Sage gelieferte Ableitung des Namenteils "Anger" von
"Anker" ist also unrichtig.
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Der Anker von Meesiger
In einem ungeklärten Zusammenhang mit der aus Angermünde in Brandenburg bekannten Sage steht eine inhaltlich weitgehend gleichlautende Sage aus dem Dorf Meesiger in Pommern.
4.4.1.)"Der Anker in der Kirche zu Angermünde"
"In Meesiger, im Kreise Demmin, erzählen die Leute, daß
einst vor
vielen hundert Jahren über der Stadt, welche jetzt Angermünde
heißt,
ein schweres Gewitter tagelang stand und nicht weichen wollte. Endlich
kam die Sache den Leuten doch zu sonderbar vor, und der Rat schickte
den Türmer auf den Kirchturm hinauf, damit er nachsehe, ob das
Gewitter
vielleicht an der Kirchturmspitze sich festgehakt hätte und darum
nicht
weiter ziehen könne.
Wer beschreibt nun des Mannes Erstaunen, als er im Schallloch einen
Anker sitzen sah, von dem aus eine schwere, eiserne Kette in die Wolken
zu einem Schiffe hinaufging. Allerdings hat man dies Schiff nicht sehen
können, aber was sollte es anders gewesen sein. Schnell wurde nun
die
Kette mit einem scharfen Beile gekappt, und von Stund an verzog sich
das Gewitter in eine andere Gegend.
Der Anker ist zum ewigen Gedächtnis in der Kirche aufgehängt
worden,
und nach ihm hat die Stadt ihren jetzigen Namen Angermünde
erhalten."
(Mündlich aus Meesiger, Kreis Demmin.)
[Ulrich Jahn, Volkssagen aus Pommern und Rügen, Stettin 1886, S.
44 (Nr. 57)]
Mit dieser im Jahr 1886 publizierten Version der Luftschiffer-Sage ist
auch die älteste bisher bekannte Fassung festgehalten.
4.4.2.Das Luftschiff über Angermünde
"Im Kreise Demmin lag früher die Stadt Meesiger. Vor vielen
hundert Jahren zog einst ein schweres Gewitter über diese Stadt,
stand
daselbst viele Tage lang und wollte nicht weiterziehen. Endlich kam den
Einwohnern die Sache doch zu seltsam vor, und der Rat schickte den
Türmer auf den Kirchturm hinauf, um nachzusehen, ob das Wetter
sich
vielleicht an den Kirchturmspitze festgehakt hätte und deshalb
nicht
weiterziehen könnte. Unwillig machte sich der Mann auf den
scheinbar
unnützen Weg und klomm mühsam die vielen Treppen zu dem
Glockstuhl
empor. Aber wer beschreibt sein Erstaunen, als er in einem Schalloch
einen großen Anker vorfand, von dem aus eine schwere Kette zu
einem
Schiffe in die Wolken hinaufreichte. Man hat allerdings das Schiff
nicht genau erkennen können, aber wohin sollte sonst die Kette
geführt
haben. Schnell wurden nun Handwerker herbeigeholt, die mit scharfen
Beilen die Kette kappten, und sofort zog das Gewitter nach einer
anderen Gegend ab.
Der Anker wurde zum Andenken an das seltsame Ereignis in der Kirche
aufgehängt, und nach ihm hat die Stadt ihren jetzigen Namen
Angermünde
erhalten."
[Oskar Ebermann, Sagen der Technik (Dürr´s Sammlung deutscher Sagen, N.R., Bd. 4), Leipzig: Hegel und Schade 1930, S. 33. Dabei verweist Ebermann auf Ulrich Jahn, Volkssagen aus Pommern und Rügen, Stettin 1886, als Quelle für seine Wiedergabe der Sage. In der 3. Auflage von 1943 (S. 69-70) weichen die Formulierungen an drei Stellen ab: "... [...] Unwillig machte sich der Mann auf den scheinbar unnützen Weg zu dem Glockenstuhl empor.Aber wer beschreibt sein Erstaunen, als er in einem Schalloch einen großen Anker vorfand, von dem aus eine schwere eiserne Kette zu einem Schiffe in die Wolken hinaufreichte. [...] Der Anker wurde zum Andenken an das seltsame Ereignis in der Stadt aufgehängt, und nach ihm hat sie ihren jetzigen Namen Angermünde erhalten." (Oskar Ebermann, Sagen der Technik (Dürrs Sammlung deutscher Sagen, Bd. 30), Leipzig: Hegel & Schade 3. Auflage 1943, S. 69-70).]
Ebermann gibt, wie schon bei der Sage über das Luftschiff von Rambin die Sagensammlung von Jahn als Quelle an, änderte aber auch hier wieder den Text stark ab.
Die Geschichte von Meesiger: Der Ort Meesiger, was auf das
slawische "Mesyggorje" (ein zwischen zwei Höhen liegender Ort)
zurückgeht, wird
erstmals 1230 als "Mesegorre" erwähnt. Mit einer Urkunde vom
21.
März 1255 schenkte Herzog Wartislaw III. von
Pommern-Demmin
(1210-17.5.1264) das Dorf dem Kloster Verchen. Der Ort Meesiger
trägt bis heute diesen Namen und es konnte keine
(auch
zeitweilige) Namensänderung festgestellt werden. Nach dem
30jährigen Krieg wurde die spätgotische Kirche des
Ortes
ursprünglich als vorläufige Wehrkirche errichtet, die bis
heute
überdauert hat. Der Ostgiebel ist in Fachwerk errichtet.
Vermutlich am
Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Turm aus Feld- und Backsteinen
errichtet.
Bei einem Vergleich dieser Version der Sage mit der Wiedergabe der Sage von Angermünde durch Heuer/Mätzke zeigen sich große Übereinstimmungen.
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Im November 1896 begann in den USA das, was später als die
"Luftschiff-Welle" in die Geschichte der paranormalen Phänomene
eingehen sollte. Am 17. November 1896
wurde über Sacramento (Calif.) zum ersten Mal ein "Luftschiff"
gesehen.
Hunderte von Personen waren Zeugen des langsamen Überflugs dieses
Objektes über der Stadt. Weitere Sichtungen folgten am 22. November erneut in Sacramento,
aber auch in San Francisco. Nach einer Pause wurde das Luftschiff am 2. Februar 1897 in Hastings
(Nebraska), dann am 5. Februar in Invale gesehen. Am 16. Februar wurde
es in Omaha schließlich sogar gelandet gesehen. [Blackjax]
Dann erschien am 7. März 1897 in der Salt
Lake Tribune ein Artikel mit dem Titel "Ein Meer über den
Wolken -
ein einst in England vorherrschender ungewöhnlicher Aberglaube".
Darin
wurde von dem Glauben an "Wolkenschiffe" berichtet. (Michell/Rickard,
1982,
S.
170)
Und
so
ist zu
erwarten, dass die in den nächsten Monaten folgenden
Zeitungsberichte
über "aktuelle" Luftschiffsichtungen mehr von den Einzelheiten in
diesem Artikel, als durch wahres Erleben inspiriert waren. So wurde in
diesem Artikel auch die hier schon besprochene Mitteilung über das
Erscheinen eines Ankers in den Otia imperialia
berichtet:
|
Ein Meer über den Wolken Ein einst in England verbreiteter außergewöhnlicher Aberglaube Die folgende Geschichte, erzählt von einem alten englischen Autor, illustriert den seltsamen Aberglauben, es gäbe einen Ozean über den Wolken: „Eines Sonntags, einem trüben, wolkigen Tag, kamen die Einwohner eines gewissen Dorfes aus der Kirche, als sie sahen, dass ein Schiffsanker an einem der Grabsteine angehakt war – das Ankertau, das straff gespannt war, hing aus der Luft herab. Die Leute waren erstaunt und während sie darüber beratschlagten, sahen sie plötzlich, wie sich das Seil bewegte, als wenn jemand sich abmühte, den Anker hinauf zu ziehen, und ein großes Geschrei wie das Rufen von Seeleuten wurde im
Himmel
gehört. Alsbald wurde ein Seemann gesehen, der das Ankertau
hinabglitt, um den Anker zu lösen. Als er ihn gerade gelöst
hatte,
ergriffen ihn die Dorfbewohner und in ihren Händen starb er
schnell,
gerade so als ob er ertränkt worden wäre. Etwa eine
Stunde
später, als die Seeleute oben nicht mehr von ihrem Kameraden
hörten,
durchschnitten sie das Ankertau und segelten davon. In
Erinnerung an dieses außergewöhnliche Ereignis machten
die
Einwohner des Dorfes aus dem Eisen des Ankers die Türangeln der
Kirchentüren.“ Im Weiteren wird festgehalten, dass diese
Türangeln „noch immer hier zu sehen sind,“ ein
Beweisstück
sehr ähnlich Münchhausens Seil an dem er einst zum Mond
hinaufkletterte. Wenn Du die Geschichte bezweifelst, wirst du mit dem
Seil konfrontiert. |
Schon
bald
folgten
Zeitungsberichte,
wonach
in
der aktuellen
"Luftschiffwelle" ebenfalls Anker von den Luftschiffen herabhingen. So
behauptete der in Iowa lebende Farmer Robert Hibbart, er habe in der
Nacht des 26. März 1897
nicht
nur ein Luftschiff gesehen, sondern
von diesem habe an einem Seil ein Anker herabgehangen. Dieser Anker
habe sich in seinen Kleidern verfangen, wodurch er mehrere Meter in
die Luft gehoben worden sei, bevor er auf die Erde zurückfiel.
Am 19. April 1897 meldete die Dallas Morning
News den Absturz eines Luftschiffes bei Aurora, Texas. Es
heißt in
diesem Bericht, der gefundene tote Pilot sei "kein Bewohner dieser
Welt" gewesen. Das Grab des Toten war lange Zeit noch auf dem Friedhof
der Stadt vorhanden.
Am 28. April 1897 hieß es in der Houston Daily,
bei dem
Ort Merkal
in Texas habe sich der Anker eines in der Luft schwebenden Schiffes an
einem Bahnübergag an einem Gleis verfangen. Am Ankertau stieg ein
Mann
herab, der einen hellblauen Matrosenanzug trug und von kleiner Gestalt
war. Bevor die Beobachter ihn erreichten, kappte er unter sich das Seil
und das Schiff segelte in Richtung Nordosten davon. Der
zurückgelassene
Anker wurde, so der Zeitungsbericht, in der Schmiede von Elliott &
Miller ausgestellt. (Michell/Rickard, 1982, S.
168-169) Die Ähnlichkeit dieses Berichts mit der Geschichte vom
Anker
in der Kirchentür aus den Otia imperialia ist
wohl
durch den einige Wochen früher publizierten Artikel in der Salt Lake Tribune besser zu erklären, als durch
eine
Wiederholung des Ereignisses nach einigen Hundert Jahren.
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Literatur
Hoogeweg, H., Die Stifter und Klöster der Provinz
Pommern,
Bd. 2, Stettin 1925
Michell, J./Rickard, R.J.M., Die Welt steckt voller
Wunder, Rastatt: Moewig 1982
Steusloff, Wolfgang, Votivschiffe - Schiffsmodelle in Kirchen
zwischen Wismarbucht und Oderhaff, Rostock: Hinstorff 1981
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