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Das Johannes-Manuskript
Eine
Original-Handschrift des Evangelisten?
von Jörg Dendl |
Letztes Update:
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Wie die türkische Zeitung Hurriyet
in ihrer Ausgabe vom 9. Februar 2001 meldete, wurde in der Türkei
ein Mann festgenommen, der ein ins Land geschmuggeltes Manuskript
verkaufen wollte. Die Wiedergabe des Inhalts dieses Berichts in
deutscher Sprache durch dpa wurde von der Berliner Tageszeitung BZ in
ihrer Ausgabe vom 10. Februar 2001 (S. 39) aufgegriffen, fand aber auch
am 9. Februar 2001 Erwähung bei Deutschlandradio.
Daneben findet sich auch auf der Homepage von A-online
eine Wiedergabe des Inhalts der türkischen Meldung unter Berufung
auf die Presseagentur apa.
Beim dem Schmuggelgut handelt es sich den Darstellungen zufolge um eine
30 Seiten umfassende Handschrift. Sie war von dem festgenommenen
Besitzer seinen Angaben nach in Ägypten gekauft worden. Dann wurde
die Handschrift über Saudi-Arabien, Kuweit und den Irak in die
Türkei geschafft. Dort wurde das Schriftstück zum für 3
Millionen Dollar zum Verkauf angeboten. Bei den vorgeblichen
Käfern handelte es sich allerdings um Ermittler der
türkischen Polizei, die den Besitzer und drei weitere
Verdächtige festnahmen. Das Manuskript wurde Experten in der Stadt
Gaziantep übergeben, die es nach einer Untersuchung als "besonders
wertvoll" einstuften. Die Bedeutung dieser Handschrift soll darin
liegen, daß sie die Unterschrift des Evangelisten Johannes
trägt.
Da noch immer keine deutsche Übersetzung des eigentlichen Artikels
in "Hurriyet" vorliegt, können Überlegungen zum Hintergrund
dieser Geschichte nur aufgrund der wenigen hier dargestellten Fakten
angestellt werden. Sobald näheres in Erfahrung gebracht werden
kann, wird es hier zu lesen sein.
Die Behauptung, das Manuskript trage die Unterschrift des Evangelisten
Johannes, läßt an einen Autographen denken, also den
authentischen, vom Evangelisten selbst niedergeschriebenen Text des
Johannes-Evangeliums. Die genannten 30 Seiten reichen zweifellos aus,
diesen Text aufzunehmen. Wahrscheinlicher scheint allerdings eine sehr
alte Kopie eines dem Evangelisten Johannes zugeschriebenen Textes zu
sein. Nach der Tradition war Johannes einer der zwölf Jünger
Jesu. Von ihm wird behauptet, er sei nach dem Tode Jesu nach Ephesos
übergesiedelt und habe dort das Martyrium erlitten, aber auch, er
sei unter der Herrschaft Kaiser Traians (Ks. 98 - 117) auf der Insel
Patmos gestorben. Das ihm zugeschriebene Johannes-Evangelium enstand
wahrscheinlich im syrischen Raum, wobei der Verfasser kein Augenzeuge
der geschilderten Geschehnisse war, was aus der Benutzung schriftlicher
Quellen geschlossen wird.
Auch die angebliche Herkunft des Manuskripts ist interessant. Daß
ein sehr altes, einem der Evangelisten zugewiesenes Manuskript aus
Ägypten stammt, ist nicht unwahrscheinlich. Immerhin wurden im
berühmten Katharinenkloster am Fuß des Dschebel Musa auf der
Sinai-Halbinsel schon die bis heute ältesten bekannten
Bibelhandschriften gefunden. Natürlich kommt nicht nur dieses
Kloster als möglicher Herkunftsort des Manuskripts in Frage.
Weitere Recherchen im Jahr 2003 haben einen interessanten Zusammenhang
zwischen der Stadt Gaziantep
und dem Evangelisten Johannes ergeben. Lokalen Legenden zufolge soll
der Evangelist Johannes einige Zeit in der nahe der Stadt gelegenen
Burg Rumkale, deren Vorgeschichte weit in die Vergangenheit
hinabreicht, gelebt haben. Von hier aus habe er versucht, das
Christentum zu verbreiten. Durch die Bedrückung durch die
römischen Behörden war er allerdings gezwungen, die
Manuskripte seiner Schriften, darunter das des Evangeliums, in einem in
den anstehenden Felsen geschlagenen Raum der Burg versteckt haben.
Später sei das Evangelium nach Beirut in Sicherheit gebracht
worden. Auch das Grab des Evangelisten wird in der Burg von Rumkale
gezeigt.
Die Frage nach dem betreffenden Manuskript scheint durch eine Meldung der BILD im Februar 2001, die allerdings im Wortlaut nicht vorliegt, aufgeklärt zu sein. Dieser Meldung war die Abbildung des angeblichen Johannes-Manuskripts beigegeben, wobei es sich um einen byzantinischen Goldschrift-Kodex des 4. bis 5. Jahrhunderts handelt.
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